Vegane Schönheit

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Ein veganer Lebensstil bedeutet mehr als nur eine reine Ernährungsumstellung. Auch Kleidung, Putzmittel und Kosmetikartikel sollten beim Veganismus ohne tierische Bestandteile auskommen.

Bei duftenden Bodylotions und von Stars empfohlenen Lippenstiften denkt wohl kaum jemand sofort an Inhaltsstoffe wie tierische Fette oder Erzeugnisse von Insekten. Oft behilft sich die Kosmetikindustrie aber tierischer Mittel wie Schildläuse, die maßgeblich für den roten Farbstoff Karmin in diversen Schminkutensilien verantwortlich sind. Bestandteile wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen findet man zum Beispiel in Seife. Auch Zahnpasta wird mit Knochenmehl erzeugt oder Shampoos mit Nerzöl verfeinert. Keratin für angeblich schöne Haare wird aus Hörnern, Hufen, Federn oder Haaren gewonnen. All diese tierischen Stoffe stellen den Alltag in der konventionellen Kosmetik- und Pflegeartikelherstellung dar. Wer sich der veganen Lebensform verschrieben hat, versucht diese Produkte zu vermeiden. Aber auch Tierversuche sind ein Ausschlusskriterium für vegane Kosmetikprodukte.

Die veganen Pflegeprodukte im Überblick

Die kreativen Seifen- und Kosmetikartikel bei Lush machen einem die Entscheidung schwer. Die handgemachten Produkte aus Früchten und ätherischen Ölen sind frei von Tierversuchen, fair gehandelt, zu hundert Prozent vegetarisch und zu 83 Prozent vegan (diese sind auch frei von Bienenwachs und Honig). Lush Shops findet man in Wien, Graz, Innsbruck sowie im österreichweiten Onlineshop. Alle Eigenmarken der Drogeriekette DM kommen ohne Tierversuche aus. Zudem sind einzelne Marken wie Alverde oder Balea großteils vegan, genaue Informationen findet man in den jeweiligen Produktbeschreibungen. Bei dem oberösterreichischen Traditionsbetrieb Grüne Erde gibt es neben ökologisch nachhaltigen Möbeln und Bekleidung auch Naturkosmetik. Durch die genaue Kennzeichnung der Inhaltsstoffe erkennt man rasch die veganen Produkte. RINGANA mit Firmensitz in der Steiermark erzeugt vegane Kosmetik- und Pflegeprodukte. Beziehen kann man die Artikel über den eigenen Online-Shop. In den Produkten der deutschen Marke CD Körperpflege sind laut Homepage keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten. Zudem testet CD keine Fertigprodukte an Tieren und gibt auch keine Tests für einzelne Rohstoffe in Auftrag. EZA steht für Entwicklungszusammenarbeit und einen gerechteren Nord-Süd-Handel. Bis auf ein paar wenige Kosmetikartikel setzen sich die Produkte aus rein veganen Inhaltsstoffen zusammen. Kaufen kann man die Erzeugnisse in den österreichweiten Weltläden oder online. Viele Produkte der deutschen Naturkosmetik-Marke Sante sind tierbestandteil- und tierversuchsfrei. Gemeinsam mit dem Vegetarierbund Deutschland entwickelte das Unternehmen eine vegane Zahnpasta, die mit B12 angereichert wurde. Besonders vegetarisch und vegan lebende Personen weisen häufig einen B12 Mangel auf. Das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) in Gießen kam durch eine Studie zu dem Ergebnis, dass die fünf Wochen angewandte Zahncreme bei den etwa 90 Teilnehmern zu einer deutlichen Verbesserung des Vitamin-B12-Status führte. Die deutsche Marke Lavera hat sich auf Naturkosmetik spezialisiert und führt außerdem eine große Anzahl an veganen Produkten, die mit dem Zeichen der Vegan Society in London gekennzeichnet sind. Die Kosmetikartikel sind in den meisten österreichischen Drogeriemärkten zu finden. Eine vollständige Liste der veganen Produkte von Lavera findet man hier. Beim Green Brand Lavera Opening im Rahmen der letzten Fashion Week Berlin haben sich neben Geschäftsführerin Klara Ahlers (hinten links) auch die Schauspielerinnen Mariella Ahrens (2. v. l.) und Christine Neubauer (4. v. l.) für die Naturmarke stark gemacht. Die Naturkosmetikprodukte von Jislaine sind frei von Tierversuchen und Palmöl, enthalten umweltverträgliche Farben und das Verpackungsmaterial ist recyclebar. Bis auf zwei Seifen (Aleppo-Seife mit Honig, Aleppo-Duftseife Amber & Oud) ist das ganze Sortiment vegan. Die deutsche Firma versendet auch nach Österreich. Auch Dr. Hauschka deklariert in den jeweiligen Artikelbeschreibungen, ob die Produkte vegan sind, oder nicht. Garantiert tierversuchsfrei und frei von tierischen Bestandteilen ist zum Beispiel die Körpermilch Citrone. Die Pflegeserien des Berliner Traditionsunternehmen i+m Naturkosmetik sind laut eigener Angabe zu hundert Prozent vegan. Die Hersteller beziehen zudem Fair Trade-Produkte aus Uganda, Marokko und Palästina. Auch einige Produktreihen der Schweizer Firma Weleda wie die Zahncremen sind vegan. Auf Tierversuche, Rohstoffe oder Organe von toten Tieren wird bei dem Naturkosmetik-Unternehmen jedoch gänzlich verzichtet. The Body Shop gehört zwar seit einigen Jahren zu L’Oréal, versicherte der Tierschutzorganisation PETA allerdings, weiterhin tierversuchsfrei zu arbeiten. Einige Produkte sind zudem vegan - Markenbotschafterin Leona Lewis freut das. Ein kleines Londoner Unternehmen namens Bulldog stellt Rasiercreme, After-Shave-Balsam und Feuchtigkeitscremen her - alles vegan sowie zu 90 Prozent aus natürlichen Bestandteilen und in recyclebaren Gefäßen verpackt. In Österreich erhält man die Produkte bei der Drogeriekette BIPA. Ebenso aus dem Vereinigten Königreich stammt die Naturkosmetik-Firma Evolve. Die Produkte sind biologisch, recyclebar verpackt sowie vegan und über die Boutique Vegan auch in Österreich orderbar. Bis auf die Lippenpflegeprodukte und das Babyöl, welche Wollfette und Bienenwachs enthalten, sind die Erzeugnisse der lettischen Marke MÁDARA vegan. Ein Auswahl davon findet man unter anderem im StattGarten Beautystore in der Kettenbrückengasse. Die US-amerikanische Marke Hurraw! stellt veganen und bio-zertifizierten Lippenbalsam her, der aus rohen Fairtrade-Inhaltsstoffen besteht. Neben ausgefallenen Geschmacksrichtungen wie Root Beer oder Lakritze gibt es außerdem Klassiker wie Schokolade, Zimt oder Vanille. In Österreich unter anderem erhältlich über die Boutique-Vegan. Einige der p2-Cosmetics Artikel wie die Last Forever Nail Polish-Serie sind vegan. Eine genaue Auflistung findet man auf dem Blog "Once Upon A Cream". Weniger ist mehr. Das dachten sich auch eine Wiener Chemikerin und ein Friseur, die zusammen eigene Pflegeprodukte herstellen. Diese sind abgesehen von ein paar Ausnahmen vegan und die pflanzlichen Zutaten stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Die dazugehörigen Friseursalons Less is More befinden sich im 6. und 7. Wiener Gemeindebezirk. In Wiens erster veganer Boutique Muso Koroni findet man neben Mode und Wohnaccessoires auch eine große Auswahl an Kosmetikprodukten. Alle Waren im Josefstädter Geschäft und im Online Shop sind vegan. In Wien Penzing liegt das erste vegane Beautystudio Österreichs namens Miss V. Die zwei Veganerinnen Bine und Lela verwenden ausschließlich tierversuchsfreie Kosmetikprodukte, die auch ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen. Neben Workshops bieten die beiden auch Brautstylings an. Vom Marketing in die Kosmetikbranche: Shanna Mirnig startete 2011 ihr Projekt "Pure Vegi" und vertreibt ihre 25 eigens hergestellten veganen Pflegeprodukten in ihrem Shop in der Burggasse. Der kleine Shop Fauna & Flora im dritten Bezirk ist dem Verein Internationaler Bund der Tierversuchsgegner angeschlossen und vertreibt ausschließlich tierversuchsfreie Produkte, die zum Großteil auch vegan sind. Wenn man wissen möchte, was wirklich im Kosmetiktiegel steckt, kreiert man sich am besten selbst die Creme. Das junge Unternehmen Mera Linda aus dem Weinviertel bietet vegane Do-It-Yourself Naturkosmetik-Linien wie das Feeling Peeling Set (Foto) an. Für ihr neues Label PURE SKIN FOOD verwendet VeganBlatt-Mitbegründerin Lisa Dobler ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe aus biologischen Superfoods wie Chiasamen, Kokos,  Arganöl oder Moringa. Dafür wird auf Füll- und Schadstoffe, Palmöl und Alkohol verzichtet, sogar das Etikett ist vegan. Die Produkte werden in Wien hergestellt und können vorerst nur über den Onlineshop bezogen werden. Sie kommen übrigens in recycle- und wiederverwendbaren Fläschchen. Wer auch unterwegs tierversuchsfreie Produkte finden möchte, kann dies über die von Animal's Liberty entwickelte App "Wer macht was" für Android und iPhone tun. Auch Nahrungsmittel und Haushaltsartikel können über diese Anwendung auf ihre Vegantauglichkeit überprüft werden.

Zum Vegan-Experiment von Kollegin Stella Reinhold geht es hier.

(KURIER) Erstellt am
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