Style
19.10.2017

H&M verbrennt tonnenweise neue Kleidung

Eine Reportage des dänischen Fernsehsenders TV2 sorgt derzeit für negative Schlagzeilen.

H&M positioniert sich gerne als Unternehmen, dem Recycling und Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Doch eine aktuelle Reportage des dänischen TV-Senders TV2 bringt dieses gute Image derzeit ins Wanken. Laut dem Magazin "Operation X" verbrennt der schwedische Moderiese jedes Jahr mehrere Tonnen neuer Kleidung in der dänischen Stadt Roskilde. Seit 2013 sollen jährlich durchschnittlich 12 Tonnen fabrikneuer Kleidung vernichtet worden sein. Der Sender hat Lastwagen-Lieferungen heimlich gefilmt und Ex-Mitarbeiter der Verbrennungsanlage interviewt.

Schimmelbefall der Ware

Auf die erste Anfrage des TV-Sender reagierte man bei H&M zuerst mit einer Dementierung. Kleidungsmüll gebe es nicht. Erst später lenkte man ein und gab zu, dass Kleidung verbrannt werde - allerdings nur aus "Gesundheits- und Sicherheitsgründen". Dass Kleider und Hosen ohne jemals getragen worden zu sein im Ofen landen, bestätigt auch Kerstin Sellner, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei H&M Österreich. "Ja, es gibt einen Teil der Ware, der nicht mehr getragen werden darf", sagt die Expertin im Gespräch mit dem KURIER.

Aus zwei Gründen werde laut Sellner H&M-Ware verbrannt: "Entweder haben die Stücke beim Transport oder der Lagerung einen Wasserschaden erlitten und haben deshalb angefangen zu schimmeln, oder der Chemikalienwert wurde überschritten. Wir würden nichts einfach so verbrennen."

In der Zentrale in Schweden versteht man unterdes die Aufregung nicht. Die zwölf Tonnen seien ein Durchschnittswert der vergangenen Jahre, so PR-Managerin Anna E. Eriksson. 2016 habe es neben dem dänischen Lager einen Brand gegeben, der dazu geführt hat, dass man fünf Tonnen angesengter Ware vernichten musste. Im Fall der Verbrennung in diesem Jahr hätten Tests einen Schimmelbefall und zu hohe Bleiwerte ergeben. Von „giftiger“ Kleidung konnte laut TV2 jedoch keine Rede sein. Eigene Untersuchungen der nach Roskilde geschickten Kleidungsstücke hätten weder überhöhte Bleiwerte noch Schimmelbefall aufgewiesen.

"Kleidungsstücke mit kaputten Fäden oder Flecken dürfen zwar nicht mehr verkauft werden, werden jedoch gespendet", erklärt Kerstin Sellner die Vorgangsweise in Österreich. Vollkommen zerstörte Ware kann jedoch nicht an den Sozialmarkt weitergegeben werden. Hier kommt der deutsche Partner I:CO ins Spiel, der 25 Prozent der nicht mehr verwendbaren Ware zu neuen Putzlappen oder ähnlichem weiterverarbeitet. Wiederum ein anderer Teil wird recycelt und beispielsweise zu Füllmaterial für Autositze umfunktioniert.

... Neuware verbrannt: Dänische Doku bringt H&M in Verruf - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Neuware-verbrannt-Daenische-Doku-bringt-H-M-in-Verruf-id42986331.html