Die Macht der Düfte

mathieu nardin, parfumeur
Foto: Hersteller Supernase: Nardin kennt rund 3000 Düfte auswendig – dafür braucht er allerdings keine große Nase: "Man kann die Nase wie einen Muskel trainieren." Der Nachteil: Es ist nicht immer einfach mit Öffis zu fahren.

Geruchsspektakel: Der Parfumeur Mathieu Nardin spricht über Sinn und Sinnlichkeit von Düften und ihre emotionalen Effekte.

Mathieu Nardin ist ein Künstler. "Wenn ich einen Duft kreiere, habe ich ihn zuerst im Kopf", erklärt der 26-jährige Jungstar unter den Parfumeuren. Wie ein Komponist, der ein Lied zuerst im Gedächtnis hat, bevor er die Noten aufschreibt, weiß Nardin genau, wie seine Duftkreation riechen soll, bevor er eine Formel dazu verfasst. Sein Assistent mischt ihm die verschiedenen Essenzen zu einem Parfüm zusammen. "Ich muss die Duftformel dann mehrmals überarbeiten, bis ich das Ergebnis habe, das mir in Gedanken vorschwebt." Seine jüngste Komposition: Eau des bienfaits für das Traditionsunternehmen Roger&Gallet – ein Körperpflegespray, das mit einer Kopfnote aus Blutorange und Bergamotte nicht nur die Haut beduften, sondern sie gleichzeitig pflegen soll.

Nardin stammt aus dem europäischen Duft- und Blumenzentrum Grasse. Schon sein Vater und sein Großvater waren Parfumeure. Seine Kindheit verbrachte Nardin in den vielen Blumenfeldern der Provence. Als Jugendlicher sammelte er wochenlang Jasmin-, Lavendel- oder Rosenblüten. "Sie müssen innerhalb von zwei Stunden verarbeitet werden, um den Duft in seiner vollen Essenz gewinnen zu können", erzählt der gelernte Parfumeur.

Perfekte Nase

Die Größe der Nase spielt für diesen Berufszweig übrigens keine Rolle. "Jeder kann Parfumeur werden. Die Nase kann man wie einen Muskel trainieren. Die Herausforderung ist, seine gesamten Sinne auf das Riechen auszurichten."

Nach seiner Ausbildung zum Chemiker hat Nardin in einer Parfumeur-Schule gelernt, Gerüche mit Worten zu beschreiben. "Düfte transportieren Gefühle. Ein Veilchen riecht pudrig nach Kosmetik, es steht für Körperpflege und Weiblichkeit", erklärt Nardin. "Der Geruch von Blutorange erinnert hingegen an die frischgepresste Frucht, ist prickelnd, frisch, wohltuend." 500 Düfte kann Nardin seither unterscheiden – weitere 2000 kennt er und kann sie zuordnen.

Je nachdem, was man mit einem Geruch verbindet, werden unterschiedliche Gefühle geweckt. "Das Geruchsgedächtnis hat die längste Speicherkapazität. Sogar bei Alzheimer-Patienten wird für die Erinnerungstherapie mit Gerüchen aus der Kindheit gearbeitet." Der Duft von Lavendel erinnert viele an ihre Großmutter – je nachdem, wie gerne man seine Großmutter hat, löst der Duft positive oder negative Gefühle aus.

So eine gut trainierte Nase zu haben, hat auch Nachteile: "Wenn ich durch einen Raum voller Menschen gehe, erkenne ich so ziemlich jedes Parfüm. Das ist schlecht, wenn man im Bus oder in der U-Bahn unterwegs ist." Daher bevorzugt Nardin ein möglichst geruchsneutrales Arbeitsumfeld: "Ich bitte sogar meine Kollegen, kein Parfüm zu tragen."

Eine Parfümerie sei daher der denkbar schlechteste Ort, um einen Duft auszuwählen. In der geruchsgetränkten Luft sei es gar nicht möglich, eine bestimmte Note herauszuriechen. "Wenn ich an einem Parfüm arbeite, lege ich es oft zwei Tage weg, um dann mit neutraler Nase festzustellen, dass es ganz anders riecht."

So riecht der Frühling - die neuen Trend-Parfums finden Sie hier.

(kurier) Erstellt am
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