Style
14.07.2017

20. Todestag: Das blieb von Gianni Versace

Am Samstag jährt sich sein Todestag zum 20. Mal. Die Modewelt hat er für immer verändert.

„Es ist die Verantwortung eines Designers, Regeln zu brechen und Grenzen zu überwinden.“

Eigentlich beschäftigte Gianni Versace einen Assistenten, der ihm jeden Morgen die Tageszeitungen ins Haus brachte. Am 15. Juli 1997 fühlte er sich so gut, dass er selber loszog – eine Entscheidung, die ihn das Leben kostete.

Als er zurückkam, fielen Schüsse: Ein Callboy hatte den 50-jährigen Designer auf den Stufen seiner Villa am Ocean Drive in Miami Beach in den Kopf getroffen. Versace starb kurz darauf im Krankenhaus – das Motiv seines Mörders ist bis heute unklar.

Der Tod Gianni Versaces versetzte die Modewelt in einen kollektiven Schockzustand. Ein Foto von der Trauerfeier zementierte seinen Status als bester Freund der Stars: ein bitterlich weinender Elton John neben einer betroffenen Diana. (Zwei Monate später weinte die Welt wegen ihr erneut. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Versace, geboren 1946 in Kalabrien, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, verliebte sich im Schneideratelier seiner Mutter in Stoffe und Nadeln. Also zog er nach Mailand, wo er 1978 das Modehaus Versace gründete. Nobles Understatement, das sein Landsmann Giorgio Armani pflegte, interessierte den Kunstliebhaber überhaupt nicht: Seine Kreationen waren sexy, bunt, provokant und bescherten ihm den Beinamen "Meister des Neobarock".

Mit Leder-Miniröcken, tiefen Ausschnitten und geometrischen Mustern eroberte Versace in den Achtzigern das Herz der Musik- und Filmstars. Und er machte Modeschauen zu einem Promi-Spektakel: In der Front Row nahmen Madonna und Jon Bon Jovi Platz, auf dem Catwalk tänzelten "seine" Supermodels zu den Klängen von George Michael. Als die unbekannte Jungmimin Liz Hurley in einem nur durch goldene Sicherheitsnadeln zusammengehaltenen Versace-Kleid über den roten Teppich schritt, war sie schlagartig berühmt. Die Robe hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

Giannis enge Freundin Naomi Campbell leidet bis heute unter dem Tod ihres Wegbegleiters. Zum 20. Todestag twitterte sie ein Foto: Der Designer inmitten seiner Musen, den Supermodels Cindy Crawford, Linda Evangelista und Carla Bruni. "Giannis Girls" schrieb Campbell darunter. Es hätte ihm gefallen.

Donatella hat die Kurve gekratzt

"Meine Kinder waren seine Kinder", sagte Donatella Versace einmal, als man sie auf die Beziehung ihres verstorbenen Bruders zu ihrer Tochter und ihrem Sohn ansprach. Obwohl Allegra erst elf war, als ihr geliebter Onkel starb, erbte sie 50 Prozent des Unternehmens; die restlichen Teile gingen an Donatella und ihren Bruder Santo.

Gianni hinterließ ein erfolgreiches, 700 Millionen Euro schweres Imperium mit 130 Boutiquen weltweit, doch unter seinem Tod litt auch die Marke Versace. Erst Jahre später schaffte Kreativdirektorin Donatella mit einer Neustrukturierung den Aufschwung. Heute beträgt der Umsatz des Modehauses 650 Millionen Euro.

Und Allegra? Erholte sich nie wirklich vom Tod ihres Onkels. Nach schockierenden Bildern bestätigten ihre Eltern 2007, dass sie an Anorexie litt. Heute meidet Allegra die Öffentlichkeit so gut es geht. Die ersehnte Schauspielkarriere blieb bis dato ohne Erfolg: "Wohin ich auch ging, ich war Versace. Es gab kein Entkommen."

Erinnerungen an ein Modegenie

Innovativer, als er war, noch aufregender, elegant-erotischer und seiner Zeit voraus kann man als Modeschöpfer nicht sein. Er ließ Farben und Muster explodieren, kombinierte Seide mit Jute und Leder mit Nieten. Er machte Jeans und Sadomaso-Look laufstegfein und entwickelte feinste Metallkleider. Er flog Jungmodel Cindy Crawford aus den USA nach Mailand ein und begründete damit die Karriere der Supermodels. Was für ein Vergnügen, was für eine Freude, bei seinen genialen Modeschauen dabei zu sein.

Und Gianni Versace liebte Wien – Klimt, Schiele, das Kunsthistorische Museum –, nicht nur der Inspiration wegen, sondern weil er süchtig nach Kunst war. Gianni, ich werde dich, deine Umarmung und unsere kurzen, intensiven Gespräche nach jeder Show nie vergessen.

brigitte.winkler@kurier.at