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Ehrliche Worte
12/28/2014

Topsy Küppers: Ihr Leben mit dem Ungustl

Die Chanson-Diva hat Darmkrebs und schreibt ihn sich von der Seele.

von Dieter Chmelar

Gut möglich, dass man diese Frau jungen Menschen "erklären" muss – aber es lohnt sich. Denn diese wunderbare Frau ist essenzieller Bestandteil österreichischer Kabarettgeschichte und Botschafterin einer (verklungenen) Ära des Humors mit Hirn: Topsy Küppers (83).

Sie spielte und sang einst mit Großmeistern der Kleinkunst, wie Gerhard Bronner ( 2007), Peter Wehle ( 1986) oder Georg Kreisler ( 2011), mit dem sie zwei Kinder und unsterbliche Programme zur Welt brachte ("Lola Blau"). Die gebürtige Aachenerin wurde als Prinzipalin der "Freien Bühne Wieden" Urwienerin. Lebenslanger Spielplan: Anstand, Haltung, Wahrhaftigkeit, Liebe. Ihre größte eigene fand sie in Carlos Springer – seine Urne bewahrt sie voller Zärtlichkeit in ihrem Wohnzimmer im Altenheim auf.

Als sie am 8. August 2013 Blut im Stuhl entdeckt, reißt der Film. Darmkrebs. Mitten im Aufbäumen gegen den Tumor, den sie feindselig "meinen Ungustl" nennt, verliert sie auch noch den Ehemann, ihren "besten Freund", in der Silvesternacht. Blasenkrebs.

Carlos hatte ihr geraten: "Alles, was du fühlst und erlebst – schreib es auf. Bewahre es. Gib es weiter." Nun erscheint die beklemmende Bilanz (siehe re. unten) als Buch, das in "losen Kalendereinträgen" wurzelt. Ein Pageturner – so lakonisch wie lebensbejahend, so bitter wie brillant.

Mit berührenden Bildern der Cutterin Ingrid Kollmer: Etwa jenes, wo sie nackt, schutzlos und vom martialischen Motiv der bedrohlichen schwarzen Krähe umschwirrt, für den Strahlenbeschuss bereit liegt: "Im AKH geht es zu wie bei McDonald’s – ein Fleisch nach dem anderen kommt in die Röhre".

Die Striche auf ihrem Körper markieren die Zielpunkte. "Ach", sagt Topsy Küppers, "bringen Sie das Bild ruhig, es kommt ja nicht in der Krone auf Seite 5, oder?" Als sie das Buch begann, fragte sie sich: "Wer soll das lesen?" Nun ahnt sie es: "Jeder, der glaubt, dass er unangreifbar ist."

Dabei kann sie "keine Lebenshilfe" anbieten: "Ich bin alles andere als exemplarisch für Krebs. Ich rauche nicht, trinke nicht, ich lebe gern und gesund. Jogging, Yoga, Lachen und Lieben. Nie Langeweile."

"Danke für jeden Tag"

Bis Februar hat ihr der Arzt "freigegeben" von jeder Therapie. Der "Ungustl" hat sich verkrochen. Küppers plant demütig Auftritte. Ihr einziger "Rat" an Betroffene: "Nie sagen: Ich hab ihn besiegt. Nur Danke sagen für jeden Tag."
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