epa03773377 (FILE) A file picture dated 01 February 2012 shows Belgium King Albert II walking away after a meeting with Prime Minister Elio Di Rupo (unseen) at the Royal Castle in Laeken, Belgium. The monarch announced on 03 July 2013 that he will abdicate and give the throne to his eldest son Crown Prince Philippe, Duke of Brabant, on 21 July 2013. EPA/BENOIT DOPPAGNE / DIDIER LEBRUN/ *** Local Caption *** 50199481

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Thronwechsel
07/03/2013

Belgien: König Albert II. dankt ab

Nun ist es amtlich: Der belgische Monarch übergibt den Thron an seinen Sohn.

Belgiens König Albert II. dankt ab: Das Staatsoberhaupt kündigte am Mittwochabend in einer Ansprache in Radio und Fernsehen an, das Amt zum 21. Juli niederzulegen - am belgischen Nationalfeiertag. Nachfolger werden wird sein ältester Sohn, Prinz Philippe (53). Gemeinsam mit seiner Frau Mathilde hat er vier Kinder.

Nach der Fernsehansprache des Monarchen will sich auch Premierminister Elio Di Rupo an die Öffentlichkeit wenden. Der 79-jährige Monarch gilt nach fast 20 Jahren auf dem Thron als amtsmüde; Spekulationen über einen Rückzug kursieren bereits seit längerer Zeit in Belgien. Der König hatte am Nachmittag wichtige Regierungsmitglieder getroffen. Albert II. ist seit 1993 auf dem Thron, nachdem sein älterer, kinderlos gebliebener Bruder Baudouin gestorben war.

Keine politische Macht

Der belgische König hat keine politische Macht und nur eine repräsentative Rolle im Staat. Er ist aber eine wichtige Klammer in dem vom Sprachenstreit zwischen den französischsprechenden Wallonen und den niederländischsprechenden Flamen und einer ungleichen wirtschaftlichen Entwicklung geprägten Land. Neben Flamen und Wallonen lebt auch eine deutschsprechende Bevölkerungsgruppe in dem Land, in dessen Hauptstadt Brüssel auch die Hauptquartiere der Europäischen Union und der NATO angesiedelt sind.

Damit vollzieht Belgien nur einen Monat nach den benachbarten Niederlanden den Generationswechsel im Königshaus: Erst am 30. April hatte in den Niederlanden Königin Beatrix den Thron ihrem Sohn Willem Alexander übergeben. Schon nach der Ankündigung ihres Thronverzichts vor sechs Monaten war spekuliert worden, dass Albert dem Beispiel bald folgen könnte.

Nachfolger

Kronprinz Philippe könnte nun neuer König Belgiens werden. Wie bei seinem Vater gibt es Zweifel, ob der 53-Jährige ein würdiger Nachfolger sein kann. In der Öffentlichkeit erscheint Philippe oft steifer als sein Vater. In der Online-Ausgabe der Zeitung "Le Soir" hieß es, Philippe sei chronisch schüchtern und abhängig von seinen Beratern. Das Blatt "La Libre" schrieb hingegen, Philippe habe wohl an Selbstbewusstsein gewonnen. Der Prinz sei als Vater von vier Kindern ein liebevoller Familienmensch.

Vom Übergangskönig zum geschätzten Monarchen

Eigentlich war er gar nicht für den Thron bestimmt - doch das Schicksal wollte es anders. Albert II. ist seit fast 20 Jahren König der Belgier. Der Monarch eint das tief gespaltene Land. Geht seine Zeit auf dem Thron nun dem Ende entgegen?

Herzkrank, mit neuem Hüftgelenk und gebeutelt von zahlreichen Skandalen und Skandälchen der jüngsten Zeit: Belgiens König Albert II. (79) gilt als amtsmüde. Gerüchte über seine Abdankung kursieren seit längerem in Belgien, nun könnte der König den Thron zugunsten seines Sohnes Philippe aufgeben. Es wäre das erste Mal in der Geschichte Belgiens, dass ein Regent ganz aus freien Stücken abdankt. Dabei ist am 9. August sein Thronjubiläum: Vor 20 Jahren hatte Albert II. als sechster König der Belgier den Eid auf die Verfassung des Landes abgelegt.

In der konstitutionellen Monarchie des 21. Jahrhunderts hat der "König der Belgier", wie er in den drei Amtssprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch genannt wird, vor allem repräsentative Aufgaben. Als Symbolfigur kommt dem König in dem zerrissenen Land aber eine viel größere Aufgabe zu, nämlich die Spaltung zu verhindern. Belgien driftet durch den Streit zwischen Niederländisch sprechenden Flamen und französischsprachigen Wallonen auseinander.

Vermittler im Bademantel

Als eine von Alberts größten Leistungen gilt seine Rolle in der Staatskrise nach den Wahlen 2010. Der Monarch, der in Karikaturen der Zeitung Le Soir gerne im Bademantel dargestellt wird, spielte dabei eine entscheidende politische Rolle. Er war ein steter Vermittler und erteilte den Politikern Aufträge zur Krisenbewältigung. Es dauerte eineinhalb Jahren - so lange wie bis dahin in keinem anderen Land der Welt - dann war eine neue Regierung gefunden. Damit verschaffte sich König Albert viel Respekt.

Affären um royale Familie

Doch zuletzt mehrten sich Affären um die royale Familie. Anfang dieses Jahres geriet die greise Ex-Königin Fabiola (85) in die Schlagzeilen. Wegen der Gründung einer Familienstiftung zugunsten angeblich bedürftiger Neffen wurde ihr vorgeworfen, Steuergelder zweckentfremdet zu haben.

Als Konsequenz musste das Königshaus kürzer treten. Die Parteien beschlossen Abstriche bei den Unterhaltszahlungen von rund 14,3 Millionen Euro, die die Königsfamilie jährlich bekommt. Und dann verklagte auch noch Alberts angeblich uneheliche Tochter Delphine Boel (45) den König auf einen DNA-Test.

"Prinz Leichtfuß"

Anders als sein Bruder König Baudouin galt Albert immer als lockerer Typ. Flotte Motorräder, Autos und die Frauen hatten es ihm angetan, was ihm den Spitznamen "Prinz Leichtfuß" eintrug. Für den Thron bestimmt war Albert II. eigentlich nicht. Aber als sein kinderloser Bruder König Baudouin 1993 plötzlich an Herzversagen starb, musste er einspringen. Am Anfang hatte Albert es schwer, aus dem Schatten des beliebten Bruders zu treten, er galt als "Übergangskönig".

Das Volk mag den lebensnahen Monarchen, gerade weil ihm nichts Menschliches fremd ist. Seine Ehekrise sprach Albert II. 1999 freimütig in seiner traditionellen Neujahrsrede an. Und er ermutigte alle Ehepaare, aus Fehlern zu lernen - so wie er es getan habe. Die Belgier werteten dies als stillschweigendes Eingeständnis der Affäre mit einer Adeligen. Aus dieser Liaison soll seine uneheliche Tochter Delphine stammen.

Der Monarch gilt als jovial und humorvoll. Auch Alberts Frau, die süditalienische Prinzessin Paola Ruffo di Calabria, wirkt stets lebenslustig. Sie geriet in den wilden 60er Jahren durch eine enge Beziehung zum Schlagersänger Salvatore Adamo ("Dolce Paola") in die Schlagzeilen. Inzwischen ist sie als Landesmutter aber anerkannt. Das Paar bekam drei Kinder: Philippe (1960), Astrid (1962) und Laurent (1963).

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