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11.09.2018

Sopranistin Chen Reiss über Kinder und Karriere

„Opernsängerin und Mutter zu sein, ist fast ein Paradoxon“, so der Opernstar in einem sehr persönlichen Interview.

Als Ännchen in „Der Freischütz“ gab die wunderbare israelische Sopranistin Chen Reiss (39) jetzt an der Staatsoper ihr Rollendebüt (noch heute Dienstag und am kommenden Freitag zu sehen) – und ab 12. Oktober geht’s dann gleich weiter als Susanna in „Le nozze di Figaro“. Immer dabei: ein Talisman in Form einer Hand, „Hamsa“ genannt, der den bösen Blick abwenden soll. Und auch vor Lampenfieber ist der schöne Opernstar nicht gefeit, wie sie im KURIER-Interview erzählt. „Natürlich kenne ich Lampenfieber – ein langjähriger und hartnäckiger Wegbegleiter ... aber man lernt, damit umzugehen und Nervosität einfach als Begleiterscheinung des Berufs zu begreifen.“

Ihre große Liebe gehört aber nicht nur der Bühne, sondern auch ihrer Familie, Ehemann Charles und den beiden entzückenden Kindern Arielle (5) und Noa (3), die beide das gesangliche Talent ihrer Mutter geerbt haben. "Sie singen und performen bei jeder Gelegenheit. Sie suchen das Publikum, egal, ob es sich um eine Kinderparty handelt oder unlängst um eine Hochzeit mit über 300 Gästen, als meine ältere Tochter spontan beschloss, den Song ,You've got a friend in me' darzubieten", lacht Reiss im Interview. Aber Mutter sein, ist nicht immer leicht, wie sie zugibt.

„Opernsängerin und Mutter zu sein, ist fast ein Paradoxon. Man ist beruflich ständig an den unterschiedlichsten Orten, sollte viel schlafen, wenig sprechen und generell Abstand zu Viren und Bakterien aller Art halten, um die Stimme nicht zu gefährden. All das ist eigentlich fast unmöglich mit Kleinkindern! Aber wo ein Wille, da ein Weg ... eine Frau findet immer eine Möglichkeit, wenn Liebe im Spiel ist und ich liebe meine Kinder, ich liebe meine Musik, ich liebe die Bühne – es muss also einfach klappen!“

Ihre Karriere ist Beweis genug, wie gut das klappt. Und so soll es auch weitergehen, denn Reiss hat noch viele Rollenwünsche, wie sie verrät.

„Ganz oben auf der persönlichen Wunschliste stehen die Contessa aus Mozarts Hochzeit des Figaro, Donna Anna in Don Giovanni, Sonnambula und Traviata.“

Sie hat schon viele Opern-Charaktere verkörpert, viel von sich selbst aber noch nie in den jeweiligen Rollen gefunden. "Ich identifiziere mich niemals gänzlich mit den Rollen, die ich singe. Natürlich nütze ich meine persönliche Lebenserfahrung, um der Figur nahezukommen und sie zu verstehen, aber um ehrlich zu sein, habe ich noch nie eine Partie gesungen, deren Charakter dem meinen sehr ähnlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich als Frau in der Welt von heute sehr frei, stark und unabhängig fühlen kann und die meisten Charaktere, die ich verkörpere, in einer Zeit zurechtkommen müssen, in der die Stellung der Frau eine ganz andere war, nämlich die des schwachen Geschlechts. Ich bin zwar romantisch veranlagt und glaube an die Kraft der Liebe, aber so weit zu gehen wie viele Opernheroinen, und den Tod aus Liebe zu wählen, würde ich dann auch nicht..."

Ein neues CD-Projekt ist für Sommer 2019 in Planung und sie möchte auch weiterhin der Staatsoper erhalten bleiben. „Ich liebe das Haus, ich liebe das Wiener Publikum und fühle mich in Wien einfach generell sehr wohl. Natürlich hoffe ich auf viele weitere zukünftige Abende hier.“