Warum sich Queen Elizabeth II. angeblich "Gefühle abtrainiert" hat

Die Queen starb im September 2022 im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in den schottischen Highlands.
Königin Elisabeth II. mit Krone in einer Kutsche, neben ihr ein Gardist mit Hut.

Erst 25 Jahre alt war Elizabeth II., als sie 1952 während einer Kenia-Reise erfuhr, dass ihr Vater gestorben und sie Königin geworden war. 70 Jahre lang saß sie auf dem Thron - länger als jeder andere britische Monarch vor ihr. Zu Lebzeiten wurde Elizabeth II. vor allem wegen ihres unerschütterlichen Pflichtbewusstseins und ihres würdevollen Auftretens geschätzt - schon als 14-jährige Kronprinzessin wandte sie sich im Zweiten Weltkrieg in einer live übertragenen Radioansprache ans Volk.

Warum Queen nur selten Gefühle zeigte

Adelsexpertin Ingird Seward zufolge habe die Queen aus Gründen selten Gefühle gezeigt. In ihrem Buch "My Mother and I" schreibt sie dem Magazin Marie Claire zufolge, dass ihr der frühere britische Außenminister Douglas Hurd verraten hatte: "Die Königin hat sich ihre Gefühle abtrainiert, um jegliche Konfrontation zu vermeiden." Martin Charteris, einstiger Privatsekretär der Queen, sollte das ähnlich sehen. Er habe Seward einmal anvertraut: "Die Königin kann ihre Zuneigung nicht gut zeigen. Sie erfüllt immer ihre Pflicht."

Mit Sohn Charles habe "die Königin wirklich sehr wenig" zu tun gehabt." Charteris: "Er hatte eine Stunde nach dem Tee mit Mama, wenn sie im Land war, aber irgendwie fehlte es selbst diesen Begegnungen an Herzlichkeit." Laut Charteris war es nicht nur Königin Elizabeth, die ihre Gefühle zurückhaltend zum Ausdruck brachte. Auch Charles' Vater Prinz Philip sei "ziemlich mürrisch, fast bei allem" gewesen. "Und keiner von beiden war sehr oft da."

König Charles: Einsame Kindheit

König Charles beschwerte sich einmal bitterlich darüber, dass er von seiner Mutter nie wirkliche Zuneigung erfahren und eine "elende Kindheit" erlebt habe. Nur zweimal am Tag sei er als Kind zu seiner Mutter vorgelassen worden, verabschieden musste er sich mit einem Diener. Doch nicht nur Charles hätte sich mehr Liebe gewünscht, auch den Briten war ihre Monarchin oft zu steif. "Mehr Gefühl" hätte sich das Volk beispielsweise von seiner Regentin erwartet, als diese 1997 äußerlich ungerührt den Tod ihrer Ex-Schwiegertochter Prinzessin Diana hinnahm.

Erst als Hunderttausende auf der Straße um ihre "Königin der Herzen" trauerten, rang sich Elizabeth zu einer Fernsehansprache durch - und hatte dabei Mühe, den richtigen Ton zu treffen.

Die Queen starb im September 2022 im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in den schottischen Highlands.

Mit warmen Worten erinnerte König Charles III. am 21. April an das Leben seiner verstorbenen Mutter - und nahm dabei Bezug zu aktuellen Krisen. "Vieles in der Zeit, in der wir heute leben, hätte sie, so vermute ich, zutiefst beunruhigt, doch ich schöpfe Zuversicht aus ihrem Glauben, dass das Gute immer siegen wird", sagte der britische Monarch in einer Videobotschaft. Die Queen wäre an jenem Tag 100 Jahre alt geworden. Auf welche Ereignisse sich Charles konkret bezieht, ist unklar. 

Je älter sie wurde, desto mehr galt die Queen als Gewissen des Landes. Doch dieses Bild, das bereits als unsterbliches Vermächtnis galt, bekam in den vergangenen Jahren wieder Risse. Die Verwicklung ihres zweitältesten Sohns Andrew in den Missbrauchsskandal um den US-Millionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wirft auch Fragen zum moralischen Kompass der Queen auf. Andrew verlor in den vergangenen Jahren sämtliche Titel und Ämter - zuletzt musste er auch noch aus seinem luxuriösen Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen. Er wurde gar an seinem 66. Geburtstag im Rahmen von Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs vorübergehend festgenommen. Andrew wird verdächtigt, während seiner Zeit als Sonderbeauftragter für Handel zwischen 2001 und 2011 vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben zu haben.

"Gott segne dich, liebste Mama"

Das Leben der Queen sei "von bemerkenswerten Veränderungen" geprägt gewesen, sagte Charles an ihrem 100. Geburtstag. Viele würden sich beim Gedanken an die Queen an "Momente nationaler Bedeutung" erinnern, andere wiederum an eine flüchtige Begegnung, ein Lächeln oder aufmunternde Worte. "Gott segne dich, liebste Mama; du bleibst für immer in unseren Herzen und Gebeten."

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