Rolando Villazón: Plädoyer an die Menschlichkeit

Gutshof Flachau
Foto: Andreas Hochgerner Rolando Villazón mit seinem Duettpartner Ildar Abdrazakov

Der Opernliebling ruft tief betroffen zur Nächstenliebe auf.

Blitzende Augen, wuschelige Frisur, Mr. Bean-würdige Gesichtsmuskulatur und ein einnehmendes Lachen – der erklärte Publikumsliebling Rolando Villazón (45) wird auch als Clown der Oper bezeichnet (natürlich charmant gemeint), blödelt oft und gerne (wie man an dem lustigen Schneebild mit seinem Opern-Kollegen Ildar Abdrazakov sehen kann), kann aber auch ganz anders, wie er jetzt im KURIER-Interview bewies.

Mit brennender Leidenschaft setzt er sich für die Menschen und vor allem für mehr Menschlichkeit ein, plädiert an alle, innezuhalten, zu reflektieren und endlich im Sinne der Nächstenliebe zu handeln.

"Ich glaube, es war ein ganz schwieriges Jahr und ich hoffe, dass wir von diesem Jahr lernen, um in neue Richtungen zu gehen und mehr Empathie zu haben und mehr an die Leute, die viel brauchen zu denken. Und weniger egoistisch zu sein. Ich habe viel Glück. Ich habe ein wunderbares Publikum, ich habe eine Familie, ich habe Freunde und ich kann nur Danke sagen.

Das ist nicht Charity, wenn wir jemandem auf der Straße Geld geben. Das ist etwas, das wir machen müssen. Wir kriegen alles und andere Leute kriegen nichts. In diesem Sinne müssen wir helfen, diese Balance herzustellen.

Das Wichtigste ist, dass wir Verantwortung übernehmen, um eine bessere Welt zu erschaffen – und nicht nur mit Worten. Wir müssen jeden Tag versuchen, anderen Menschen zu helfen, über andere Menschen nachzudenken, die Leute umarmen.

Wir müssen weg von diesem Egoismus und diesem Nationalismus. Die Geschichte hat uns schon gezeigt, dass das nicht geht. Wir machen dieselben Fehler und wir werden noch einmal weinen und noch einmal schreien und in 50 Jahren werden unsere Kinder und Enkel sagen: ,Wie blöd waren die eigentlich? Was für unglaublich schreckliche Sachen haben die gemacht?’", so Villazón.

Villazon… Foto: /Dario Acosta Der Opernliebling Rolando Villazón möchte sich in den Spiegel schauen können

"Wir müssen weg von dem Ich, ich, ich und mein Geld und mein Gesicht und meine Farbe und meine Kultur. Wir sind Menschen. Weg von dieser Tier-Mentalität", wird er dann noch deutlicher. Er hat auch einen wertvollen Rat um besser mit eventuellen Ängsten und Engstirnigkeiten umzugehen.

"Kultur hilft. Lesen in Büchern von Schriftstellern, die von anderen Orten kommen, um zu verstehen, was es heißt aus Asien oder Afrika oder Amerika zu kommen. Oder aus einem Nachbarland. Aber das reicht nicht. AKTION!", meint er. Man soll nicht nur spenden, sondern auch den Menschen in die Augen sehen, sich ihre Geschichte anhören, versuchen zu verstehen und nicht alle in einen Topf werfen.

Villazon neue CD… Foto: /Deutsche Grammophon

"Vielleicht nutzen manche die Situation aus. Ja, kann sein, aber es gibt so viele, die wirklich arm sind, die wirklich unsere Hilfe brauchen. Besser, einen Fehler machen, um jemandem, der nicht wirklich Geld braucht, Geld zu geben, als ich gebe gar nichts und dann verpasse ich die Leute, die das brauchen." Er selbst setzt sich auch ganz viel für Kinder ein, unterstützt zum Beispiel die "Rote Nasen Clowndoctors".

Eine große Stimme mit einem noch größeren Herzen!

(kurier) Erstellt am
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