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02.06.2017

Roberto Blanco: "Ich bin ein glücklicher Mann"

Der "Evergrins" über alte Vorurteile, junge Frau und ferne Töchter.

Kubanische Eltern, geboren in Tunis, Medizinstudium in Madrid, weltberühmt in Deutschland, seit er 1957 das ARD-Wettsingen "Dem Nachwuchs eine Chance" gewann. Keine Frage: Der Mann ist und bleibt ein Schlager (Tophits: "Ein bisschen Spaß muss sein", "Der Puppenspieler von Mexiko", 1972).

Am 7. Juni wird Roberto Blanco 80. Das KURIER-Gespräch mit dem "Evergrins", als er in Los Angeles ein neues Album (Pop!) einspielte.

KURIER: Herr Blanco, Sie nahmen kürzlich in Los Angeles ein neues Album auf, mit dem Sie sich angeblich künstlerisch komplett neu erfinden wollen. Roberto Blanco auf den Spuren von Heino?

Roberto Blanco: Nein, Heino und ich, das ist ein großer Unterschied. Heino hat in seiner Rocker-Phase bekannte Rock-Songs neu aufgenommen. Meine Songs sind neu. Für mich komponiert. Ich finde toll was Heino gemacht hat, es war ja auch erfolgreich. Aber einige haben ihm das übel genommen und sich gefragt: ‘Was soll das?’ Es war vielleicht auch eine Form von Eigenwerbung für ihn. Und die hat ja auch gut funktioniert. Aber ich möchte mein Publikum anders überraschen.

Wie denn?

Die neue Musik, die ich mit dem sehr talentierten Produzenten Al Walser in L.A. aufnehme, ist anders. Jürgen Drews hatte auch schon mit ihm gearbeitet und nachdem ich Al in Lichtenstein kennengelernt habe und er mir eine Zusammenarbeit abgeboten hat, legten wir los. Ich fand seine Songs toll, sie sind mal was ganz anderes. So was hatte ich bislang noch nicht gemacht. Diese Klänge kannte man von Roberto Blanco bisher noch nicht. Der Sound geht mehr in Richtung Pop, mit überraschenden Arrangements. Einige der Songs könnten auch in Clubs als Tanznummern laufen, sie werden auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Das ist alles nicht so schräg wie bei Heino, eher anspruchsvoll.

Aber Sie haben Ihre Hits wie „Ein bisschen Spaß muss sein“ auch schon mit Rap- und Hip-Hop-Künstlern neu aufgenommen und sind sogar mal beim Metal-Konzert in Wacken aufgetreten?

Ja, aber sehen Sie: ich habe mich immer als Sänger bezeichnet, der auch Schlager singen kann. Ich bin kein reiner Schlagersänger. Ich kann auch Jazz, Pop und andere Musikrichtungen interpretieren. Klar, meine größten Hits sind Schlager. Ich freue mich auch darüber. Aber ich möchte nicht nur auf Schlager festgelegt werden.

Sie starteten Ihre Karriere in Deutschland vor 61 Jahren . . .

. . . und ich bin ehrlich gesagt sehr froh darüber, dass ich nicht heutzutage meine Karriere hier starten muss. Diese Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ mit Dieter Bohlen, wo andere so gnadenlos beurteilt und vorgeführt werden, das finde ich furchtbar. „The Voice“ ist toll, denn da treten nur Leute auf, die wirklich was können, während bei Bohlen auch mal ganz bewusst welche vor die Kamera gestellt werden, damit man sie lächerlich machen kann. Als RTL noch in den Anfängen war, gab es so was nicht. Da wurde noch Wert gelegt auf Qualität.

Wie war das in den 1950ern als Schwarzer in Deutschland?

Es gab keine Vorurteile. Durch die vielen schwarzen GIs (US-Soldaten) war man an den Anblick gewöhnt. Ich trat 1958 in der Show von Peter Frankenfeld auf. Seine Samstagabend-Shows waren Straßenfeger zu der damaligen Zeit. Vico Torriani war Stargast, mich kannte da noch kein Mensch. Am nächsten Tag im Hotel, auf der Straße und am Flughafen stürmten die Leute auf mich zu und haben mich sofort wiedererkannt. Vico Torriani, den kaum jemand ansprach, sagte zu mir: „Ich glaube ich habe die falsche Hautfarbe“. Ich war der einige Farbe im deutschen Fernsehen damals. Das war schon eine kleine Attraktion. Und das blieb ja auch lange so. Dann kamen Hits wie „Ein bisschen Spaß muss sein“ und ich war wieder der einzige Farbige in der ZDF-Hitparade. Meine Hautfarbe war letztlich die beste Werbung für meine Karriere.

Es gab aber doch sicher auch mal rassistische Kommentare wegen Ihrer Hautfarbe?

Nicht in meiner Gegenwart. Klar gab es damals wie heute bestimmte Schimpfworte für Menschen aus anderen Kulturen. Die Italiener wurden als „Spaghetti-Fresser“ bezeichnet, die Türken als „Kameltreiber“. Und Schwarze waren die Neger. Aber ich persönlich habe Gott sei Dank nie Probleme gehabt wegen meiner Hautfarbe.

Sie erhielten 1971 die Deutsche Staatsbürgerschaft. Fühlen Sie sich denn als Deutscher?

Ich habe den deutschen Pass damals erhalten, weil nach Fidel Castros Machtergreifung kubanische Staatsbürger plötzlich ein Visum für die Einreise brauchten. Das wurde zu kompliziert, denn ich war ja ständig auf Reisen. Darum beantragte ich den deutschen Pass. Ich habe aber nie gesagt, dass ich mich deshalb komplett als Deutscher fühle. Ich bin seit Kindertagen eine Art Kosmopolit. Ich lebte in Tunesien, in Beirut, in Madrid und auch in Deutschland. Heute lebe ich mit meiner Frau in Österreich und der Schweiz. Ich habe es immer so gesehen: Europa ist mein Haus und Deutschland ist mein Wohnzimmer. Ich liebe Deutschland, ich habe viele deutsche Freunde, aber ich kann nicht als Deutscher fühlen oder sagen: ‘Ich bin Deutscher.’ Im Herzen bin ich natürlich Kubaner, der Heimat meiner Vorfahren.

Wo ist heute ihr liebstes Zuhause?

Da wo meine Frau und meine Familie sind. Nur weil ich jetzt in Österreich lebe, bin ich ja auch kein Österreicher. Ich bin gerne ein Weltenbürger, der offen ist für viele verschiedene Kulturen.

Ihre Bilanz zum 80er?

Wenn mich Leute darauf ansprechen, dann gucke ich immer wieder sehr ungläubig. Ich fühle mich nicht wie ein 80-jähriger und ich finde ich sehe auch nicht so aus. Man ist so alt wie man sich fühlt. Das klingt vielleicht abgedroschen, aber es ist wahr. Meine Stimme ist noch gut in Schuss. Ich vergesse meine Texte nicht und die Leute rufen noch immer ,Zugabe', wenn ich auf der Bühne stehe und flippen regelrecht aus meinen Konzerten. Solange das so ist, habe ich keine Angst vor der 80.

Vergangenes Jahr hatten Sie einen Schwächeanfall ...

. . . das war schon ein Schreckmoment. Aber der liebe Gott hat es gut mit mir gemeint und meine liebe Frau hat mich sofort in eine Klinik gebracht und innerhalb von zehn Tagen war wieder alles okay. Das war eine Warnung vom Körper.

Leben Sie jetzt anders?

Ich rauche nicht, ich trinke mäßig, ich esse sehr gerne. Das war einfach der Stress. Meine Frau achtet jetzt schon mehr darauf was ich esse. Sie bremst mich bei Kohlehydraten.

Ihre zweite Frau, Luzandra, ist nur halb so alt wie Sie. Ist das Ihr Jungbrunnen?

Sie ist eine kluge, wunderbare Frau. Das Alter spielt keine Rolle, es zählt die Chemie zwischen zwei Menschen – ich bin ein glücklicher Mann.

Gibt es denn eine Annäherung zu Ihren beiden Töchtern Patricia (46) und Mercedes (54)?

Die Töchter müssen den Weg zum Vater finden, nicht umgekehrt. Die tragen meinen Namen und leben davon. Ich habe auch gelernt, meinen Vater zu respektieren. Diese Art von Respekt erwarte ich auch. Ich wünsche ihnen alles Gute. Sie sollen gesund und glücklich bleiben.

Sechs Jahrzehnte im Showgeschäft tätig und den 80. Geburtstag vor Augen: Sind solche Meilensteine auch Anlass, auf das eigene Leben zurückzublicken und zu reflektieren, auf was man stolz ist und was man bereut?

Ich bereue nichts. Aber ich bin auf vieles sehr stolz. Ich habe das beste Leben, ich darf mich über nichts beschweren. Solange ich körperlich gesund bin, werde ich auch weiter marschieren und immer wieder Neues probieren. Ich liebe mein Leben.

Werden Sie den 80. Geburtstag groß feiern?

Ja, auf jeden Fall. Meine Frau plant eine große Party mit 400 Gästen.