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Stars
02/05/2021

Nicht mehr Everybodys Darling? Thomas Gottschalk in der Imagekrise

Der Moderator hatte sich zuletzt mit unbedachten Aussagen unbeliebt gemacht.

Thomas Gottschalk blickt auf eine langjährige Karriere in der Entertainment-Branche zurück. Seit mehr als vier Jahrzehnten steht er inzwischen vor der Kamera. Bereits in den 70ern heuerte der Sohn eines Rechtsanwalts beim Radio an, zunächst als freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk, später - ab 1980 - moderierte Gottschalk unter anderem die RTL-Hitparade. Gleichzeitig bastelte der eloquente Bamberger an einer Karriere im TV. 1976 schaffte Gottschalk den Durchbruch im Fernsehen mit der Musikclip-Sendung "Szene", die später "Pop Stop" hieß. Es folgten weitere Moderationsjobs und Auftitte in Unterhaltungsfilmen wie "Die Supernasen" oder "Trabbi goes Hollywood". 

Unvergessen: Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass...?"

Im deutschsprachigen Raum wurde Thomas Gottschalk aber vor allem als Moderator der Fernsehsendung "Wetten, dass...?" bekannt. 1987 übernahm Gottschalk die Sendung von Showerfinder Frank Elstner. Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung vom September 1992 bis November 1993, als Wolfgang Lippert durch die Sendung führte, lud Gottschalk bis 2011 internationale Prominenz auf sein TV-Sofa und ließ diese als Wettpaten auf die skurrilsten Herausforderungen diverser Wettkandidaten setzen.

In der 192. Ausgabe von "Wetten, dass..?" am 4. Dezember 2010 verletzte sich der Wettkandidat Samuel Koch schwer, die Show musste abgebrochen werden. In der folgenden Sendung gab Gottschalk bekannt, dass er nach Ende der laufenden Staffel seine Arbeit bei "Wetten, dass..?" beenden werde. Nach dem schweren Unfall von Samuel Koch könne er nicht weitermachen wie bisher. Seitdem liege für ihn "ein Schatten auf der Sendung", der es ihm nicht erlaube, "zu der guten Laune zurückzufinden", die das Publikum "zu Recht" von ihm erwarte, erklärte der Entertainer damals. Nach insgesamt 151 Sendungen hängte Gottschalk  2011 seine Karriere als "Wetten, dass...?"-Moderator schließlich an den Nagel.

Seine Zeit bei "Wetten, dass...?" blieb dennoch unvergessen. Thomas Gottschalk trug maßgeblich zum langjährigen Erfolg der Show bei, die eine der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum und eine der letzten verbliebenen Samstagabendshows war. Als Gottschalks Markenzeichen galten vor allem sein gewagter Kleidungsstil, seine lockere Art und sein loses Mundwerk.

Rassistische Sager und geschmacklose Witze

Sein loses Mundwerk ist es nun aber, dass den einstigen TV-Liebling zuletzt einige Beliebtheitspunkte beim Fernseh-Publikum kostete. Auch wenn man Gottschalk in der Vergangenheit bei seinen zum Teil provokanten Witzen schon viel durchgehen ließ - das Image des Moderators ist zur Zeit etwas angekratzt.

In der Sendung "Die letzte Instanz" fiel der Moderator durch diskriminierende Aussagen auf. In der vergangene Woche zum zweiten Mal ausgestrahlten Sendung verteidigten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der einseitigenTalkrunde - bestehend aus Prominenten - rassistische Formulierungen und stritten die Existenz von Alltagsrassismus ab.

In den Sozialen Medien zeigte man sich empört. Scharfe Kritik gab es vor allem an Thomas Gottschalk, der angab, bei einer Kostümparty in Los Angeles mit Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erfahren zu haben, "wie sich ein Schwarzer fühlt".

"Ich habe das Gefühl, keiner der Gesprächspartner wusste überhaupt, was Rassismus bedeutet und was solche rassismusrelevanten Begriffe mit den Betroffenen machen", stellt auch Karim Fereidooni, Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum, der zu den Themen Rassismus und Diversität im Bildungswesen forscht, gegenüber Watson fest. In Bezug auf Gottschalks Aussage sagt er, er sei sich sicher, "Thomas Gottschalk könnte lernen, keine rassistischen Begriffe mehr zu verwenden".

Bereits 2018 hatte Gottschalk schon einmal mit einem rassistischen Kommentar auf Twitter für Kopfschütteln gesorgt. Damals verkündete der heute 70-Jährige im Scherz, dass er seine DNA habe entschlüsseln lassen. "Hab meine DNA aufschlüsseln lassen. Afrika war ja klar. Aber über 50% Prozent Osteuropäer! Deswegen hab ich als Kind so geklaut", schrieb der Moderator - woraufhin Kriktik vonseiten seiner Follower laut wurde. Diese machten Gottschalk darauf aufmerksam, dass sein Witz xenophob sei und rassistische Vorurteile gegenüber Menschen aus Osteuropa schüre.

Für seine Aussage entschuldigte sich Gottschalk später allerdings. "Ich bin und werde nie ein Feind von irgendjemand sein – Ausländern, Inländern, egal", sagte er auf der Jubiläumsveranstaltung der Katholischen Journalistenschule. Den Tweet würde er bereuen.

Es war nicht das erste Mal, dass sich der Moderator zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

So hatte sich Gottschalk 2007 mit einem misslungenen Witz über Hartz-IV-Empfänger lustig gemacht. "Bierdosen sind doch Hartz-IV-Stelzen", hatte Gottschalk bei "Wetten, dass…?" damals gescherzt. Das Erwerbslosen Forum Deutschland forderte daraufhin eine Entschuldigung von Thomas Gottschalk. Diese folgte dann auch – auch wenn sie nur halbherzig ausfiel. In einem Gespräch mit der Bild-Zeitung nahm Gottschalk öffentlich Stellung: "Na klar, ich entschuldige mich für den Witz - und ich rasiere mich, werfe den Hut weg. Es haben sich nämlich viel mehr Anrufer über mein Aussehen beschwert, als über den Hartz-IV-Witz. Die meisten haben geschimpft, ich sähe aus wie ein Penner. Bei denen entschuldige ich mich auch gleich."

Entschuldigung blieb diesmal aus

Für sein Kommentar bei "Die letzte Instanz" hat sich der Talkmaster bisher nicht offiziell entschuldigt. Dafür folgte nur kurz nach Ausstrahlung der WDR-Sendung gleich der nächste Fauxpas: Ein unbedachter Kommentar in Joko Winterscheidts Sendung "Wer stiehlt mir die Show" brachte Gottschalk einen Shitstorm auf Twitter ein.

Elyas M'Barek, der in der Finalshow am Dienstagabend die Moderation knapp verteidigt hat und die Moderatorin Palina Rojinski besiegte, rief während der Sendung seine Mutter an, um diese von Gottschalk persönlich grüßen zu lassen. Daraufhin schoss Gottschalk gegen Winterscheidt: "Hätten wir deine Mutter angerufen, hätte sie nicht abgenommen." Immer wieder stichelten beide scherzhaft. "Von allen Witzen, die du je gemacht hast, war das wirklich der böseste", entgegnete daraufhin Winterscheidt. Was Gottschalk offenbar nicht wusste oder in dem Moment nicht bedacht hatte: Winterscheidts Mutter starb an Brustkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war der Moderator gerade einmal sechs Jahre alt.

"Bin mir sicher, dass Thomas bei seinem Spruch nicht wusste, das Jokos Mutter bereits verstorben ist", schrieb eine Userin auf Twitter. Andere Zuseher gingen mit Gottschalk jedoch hart ins Gericht. "Wie unsympathisch will sich Thomas Gottschalk denn noch machen?", schimpft ein anderer Zuschauer. "Das kann er doch nicht ernsthaft gesagt haben? Sag mal gehts noch?", ärgert sich ein weiterer über das Fettnäpfchen, in das Gottschalk in der Show getreten ist.

Dass ein Witz auf Kosten anderer mal nach hinten losgehen kann, ist nichts Ungewöhnliches. Gottschalk scheint den neuerlichen Aufschrei im Netz bisher aber aussitzen zu wollen.

Doch auch von jemandem, der nicht mit den Sozialen Medien aufgewachsen ist, könnte man nun ein Statement erwarten. Ein unbedachter Witz mag die eine Sache sein, der zynischer Umgang mit Rassmus eine andere. Gerade weil Gottschalk Gehör geschenkt wird, sollte er die aktuell wohl noch gesteigerte Aufmerksamkeit für Aufklärung nutzen. Vorallem weil die in der WDR-Sendung gefallenen Thesen sich selbst deutlich wiederlegen - wir brauchen die gesellschaftliche Debatte um das Thema Alltagsrassismus mehr denn je.

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