Interview mit Nik P. , Moedling

© gilbert novy

Im Gespräch
03/31/2013

Nik P. über Hürden

„Irgendwann musst du verstehen, dass Träume schlafen gehen.“ Diese Textzeile sage alles über sein Lebensmotto, so Nik P.

freizeit: Nik, Sie und Andreas Gabalier sind heuer gleich für drei „Amadeus Awards“ nominiert. Sie beide haben auch denselben Manager. Plagt Sie manchmal die Eifersucht auf den Nachwuchs?

Nik P.: Gar nicht. Andreas ist ein Freund, wie es in diesem Business wenige gibt. Ich mache das seit 31 Jahren und viele waren der Meinung, die Schlager- und Volksmusikszene sei tot. Es tut gut, wie er sie aufmischt. Andreas erzählt aus seinem Leben und hat wie ich Schicksalsschläge hinter sich. Das verbindet uns.

freizeit: Ihre Fans wissen, dass Sie bei Zieheltern aufgewachsen sind. Ihr leiblicher Vater war sehr streng. Was geht Ihnen beim Wort Familie durch den Kopf?

Nik P.: So lange meine Mutter gelebt hat, hatten wir fünf Geschwister eine schöne Kindheit mit viel Zusammenhalt. Doch als ich neun war, starb sie und vom Familienleben blieb nichts mehr übrig.

freizeit: Und was war mit Ihrem leiblichen Vater?

Nik P.: Er war Russe, hat seine Heimat verloren und war meistens mit der Aufarbeitung seiner Kriegstraumata beschäftigt. Da bin ich erst später draufgekommen. Es war aber zumindest eine Erklärung, warum er so streng zu uns war und uns auch geschlagen hat. Eine Entschuldigung konnte es nicht sein. Er ließ sich auch nicht helfen, weil er zu stolz war. So sind wir einige Zeit dahinvegetiert. Dadurch habe ich früh gelernt, dass es wichtig ist, was man selbst aus sich macht.

freizeit: Solche Erlebnisse sind schwer zu verarbeiten. Wieso haben Sie trotzdem nie die Flinte ins Korn geworfen?

Nik P.: Das lag sicher an meinen Zieheltern, zu denen ich später gekommen bin. Als ich 15 war, machte mir meine Ziehmutter klar, dass ich jetzt was lernen und selbst auf mich schauen muss. Mein Traumberuf war technischer Zeichner, aber das war finanziell unmöglich. Ich wurde dann Kellner, weil meine Zieheltern meinten da wirst du verköstigt, hast ein Zimmer und verdienen tust auch was.

freizeit: Und was war mit der Musik?

Nik P.: Der Wunsch, Musik zu machen, war schon da, als Mutter noch gelebt hat. Ich war neun, als ich kurz vor ihrem Tod die Beatles im Fernsehen sah. ihre Musik hat mich fasziniert und als die Mädchen reihenweise ohnmächtig wurden, wusste ich: Das will ich mal werden.

freizeit: Sie mussten Hürden nehmen.

Nik P.: Als Kellner konnte ich am Wochenende keine Musik machen, weil ich arbeiten musste. Deshalb ging ich später auf den Bau, damit ich am Wochenende auftreten konnte. Gitarre spielen und Komponieren habe ich mir beigebracht, als ich ein Jahr freiwillig beim Bundesheer war. Nach Dienstende um 16 Uhr durften wir nicht mehr aus dem Zimmer. Da habe ich dann auf der Gitarre herumprobiert.

freizeit: Warum sind Sie erst mit 35 Jahren durchgestartet?

Nik P.: Ich habe unzählige Plattenfirmen angeschrieben, die mich alle abgelehnt haben. Erst mein Ex-Chef, Freund und Förderer Klaus Bartelmuss hat an mich geglaubt. Er hat mir in Teufenbach in der Steiermark ein digitales Tonstudio hingestellt, wie es sie sonst nur in Plattenfirmen gab. Dann habe ich nächtelang Fachliteratur über Tontechnik studiert und so lange geübt, bis ich das Gefühl hatte, so könnte es gehen. Wenn ich mir heute die ersten Alben anhöre, denke ich mir: ‚Mein Gott, was wäre da noch drinnen gewesen.‘

freizeit: Herr Bartelmuss war kein Musiker, sondern Unternehmer. Warum hat er das für Sie getan?

Nik P.: Er ist einem Gefühl gefolgt. Musik war bis dahin für uns beide ein Hobby. Trotzdem sagte er: „Mir gefällt, was du singst. Da bin ich sicher nicht der Einzige.“ Er hat mir die Mittel gegeben, ich musste nur machen. Das habe ich dann getan.

freizeit: War diese Begegnung Zufall oder Schicksal?

Nik P.: Ich will nicht sagen, dass da einer ein Drehbuch für mich schreibt. Aber manche Dinge scheinen passieren zu müssen, weil sich ein Gedanke in eine Richtung bewegt. So war es auch bei DJ Ötzi, der plötzlich „Ein Stern“ mit mir im Duett singen wollte. Viele wussten ja nicht, dass ich das Lied schon 1998 komponiert hatte, weil es zu der Zeit, als es populär wurde, so viele Interpreten gab. Einer hieß ebenfalls Nic, allerdings mit c.

freizeit: Warum wird ein Lied, das Sie 1998 komponiert und erstmals veröffentlicht hatten, erst 2007 ein Hit?

Nik P.: Das kann man nicht sagen. Angefangen hat es damit, dass das Lied auf Mallorca plötzlich wieder der Renner war. Wahrscheinlich wäre ohne diese Vorboten das Duett gar nicht passiert. Der Zeitpunkt muss stimmen. Im Kopf hatte ich das Lied zum ersten Mal vor 25 Jahren.

freizeit: Lassen Sie mich raten. Es war eine Frau im Spiel.

Nik P.: Genau. Ich hatte eine Beziehung, die aus bestimmten Gründen nicht lebbar war. Das wussten wir beide. Eines Nachts saßen wir am Wörthersee und haben uns den Himmel angesehen. Das klingt jetzt kitschig, es war aber so. Ich habe ihr dann die Sterne erklärt, weil ich das ja beim Bundesheer zur Orientierung gelernt hatte.

freizeit: Ein Klassiker der Verführungskunst.

Nik P.: Man tut, was Mann kann. Ich habe ihr den großen Wagen gezeigt und gesagt: „Wenn du die hintere Achse verlängerst, kommst du auf einen Stern. Egal, wo wir beide sind: Wenn wir auf den Stern schauen, sind wir zusammen.

freizeit: Der Stern hat Sie zum Star gemacht.

Nik P.: Ich habe mir damals den Satz „Einen Stern, der deinen Namen trägt, hoch am Himmelszelt“ auf einen Zettel geschrieben und in meinem Archiv abgelegt. 1998 habe ich ihn herausgezogen und konnte die Bilder von damals sofort vor mir sehen. In dieser Stimmung habe ich das Lied geschrieben.

freizeit: Sie haben ein Themen-Archiv?

Nik P.: Genau genommen ist es eine Schachtel, in der ich Notizen und Gedanken aufbewahre. Mittlerweile sind aber nicht mehr viele übrig, weil ich schon einiges verarbeitet habe.

freizeit: Haben Sie auch für Ihr aktuelles Album „Bis ans Meer“ im Archiv gewühlt?

Nik P.: Nein, Initialzündung war ein Erlebnis mit meinen Zieheltern. Ich habe sie zum Musikantenstadl nach Kroatien eingeladen, weil ich ihnen danken wollte. Sie haben ihr Leben lang als Bauern gearbeitet und nie das Meer gesehen, obwohl sie nur zwei Stunden entfernt wohnen. Ich heiße Nikolaus und mein Ziehvater, der mich Klausi nennt, fragte: „Klausi, ist das Meer wirklich so salzig wie man sagt?“ Ich sagte: „Probier es doch.“ Ich werde sein erstauntes Gesicht nie vergessen, als er es getan hat. Das hat mich gerührt. Das Meer steht für Sehnsüchte.

freizeit: Haben Sie überhaupt noch Themen für zukünftige Projekte in petto?

Nik P.: Das frage ich mich nach jedem Album, weil ich mich nicht wiederholen will. Deshalb bin ich froh, dass sich mein Gitarrist Willi Ganster als großartiger Texter und Komponist geoutet hat. Er hat für das neue Album „Berlin“ geschrieben, das beim Amadeus als „Bester Song“ nominiert ist. Dabei musste ich die Veröffentlichung als Single bei der Plattenfirma durchsetzen.

freizeit: Was hat dagegen gesprochen?

Nik P.: Sie meinten, das schwere Thema würde kein Radiostation spielen. Es geht um ein Pärchen, das mit der Verwirklichung seiner Träume so lange wartet, bis einer von beiden stirbt. Ich habe bei den Konzerten gesehen, dass den Menschen das Lied gefällt. Das Leben ist halt so. Es war 13 Wochen auf Platz eins. „Irgendwann musst du verstehen, dass Träume schlafen gehen.“ Das sagt alles aus und ist auch mein Lebensmotto: Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben.

www.nikp-musik.de

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