Missbrauchs-Opfer verteidigt über 45 Jahre nach Tat Roman Polanski

Missbrauchs-Opfer verteidigt über 45 Jahre nach Tat Roman Polanski
Samatha Geimer wurde mit 13 Jahren eigenen Angaben zufolge von Polanski vergewaltigt. Jetzt verteidigt sie den Filmemacher in einem Interview mit dessen Frau.

Oscarpreisträger Roman Polanski hatte 1977 im Alter von 43 Jahren im Haus des Schauspielers Jack Nicholson in Los Angeles Sex mit der 13-jährigen Samatha Geimer. Der Regisseur war zunächst wegen Vergewaltigung angeklagt, später lautete der Vorwurf auf unerlaubten Sex mit einer Minderjährigen. Polanski hatte sich damals in den USA des Missbrauchs einer Minderjährigen schuldig bekannt, den Vorwurf einer Vergewaltigung aber zurückgewiesen. Er verbrachte mehrere Wochen in einer Haftanstalt unter psychiatrischer Beobachtung. Im Gegenzug für sein Geständnis wollte der damalige Richter von einer längeren Haftstrafe absehen. Unmittelbar vor der Strafmaßverkündung gab es aber Zweifel an dieser Zusage, Polanski floh nach Frankreich und betrat die USA seitdem nie wieder.

Samantha Geimer: "Mir ging es gut, mir geht es immer noch gut"

Über 45 Jahre nach dem Vorfall hat sich Polanskis Opfer Samantha Geimer jetzt in einem Interview mit der französischen Zeitschrift Le Point zu den Vorwürfen gegen den Filmregisseur geäußert - und diesen verteidigt. Sie gab das Interview Polanskis Frau Emmanuelle Seigner und erklärte, dass es "nie ein großes Problem" für sie gewesen sei und dass sie "nicht einmal wusste, dass es illegal war."

"Mir ging es gut, mir geht es immer noch gut", stellte Geimer in dem Interview klar.

Nach der Veröffentlichung des Interviews postete Seigner, die Polanski mit 23 Jahren im Jahr 1989 geheiratet hat, als dieser 56 Jahre alt war, ein Foto von sich mit Geimer auf Instagram. "Danke Samantha, dass du den ganzen Weg gekommen bist, um mich zu treffen und mit mir zu reden", schrieb sie. Geimer antwortete im Kommentarbereich: "Ich bin sehr glücklich, eine neue Freundin zu haben."

 

 

 

In ihren Memoiren sprach Geimer von Vergewaltigung

In ihrer  Autobiografie "The Girl - A Life in the Shadow of Roman Polanski" hatte Geimer über den Vorfall in Nicolsons Haus noch behauptet: "Es war eindeutig Vergewaltigung. Daran gibt es keinen Zweifel."

Der Filmemacher soll ihr vor der Tat Alkohol und Tabletten verabreicht haben. "Er hat mir vier oder fünf Gläser Champagner und dann ein Stück einer Quaalude-Pille [Anm. ein Betäubungsmittel] gegeben", schrieb sie in ihrem Buch. Polanski habe dann Fotos von ihr gemacht und immer wieder Fragen gestellt: "Hast du schon mal Sex gehabt?", wollte der Oscarpreisträger wissen. "Hast du einen Freund? Wann hattest du deine letzte Periode?"

Dann habe er sie aufgefordert, zuerst ihr Oberteil und dann ihren Slip auszuziehen und für Fotos in den Whirlpool zu steigen. Geimer gestand in ihren Memoireen, dass sie aus Ehrgeiz bereit war, "fast alles zu tun". Mit einer Ausnahme: "Ich wollte keinen Sex mit ihm."

Polanksi habe sich aber ebenfalls ausgezogen und sei zu ihr in den Whirlpool gestiegen. Sie habe protestiert, wollte nicht, dass er sie anfasst. Von Alkohol und dem Betäubungsmittel benebelt, habe sie sich kaum wehren können. Es sei ihr zwar gelungen, aus dem Jacuzzi zu entkommen, doch der Regisseur soll sie gepackt und ins Schlafzimmer gebracht haben, wo sie von ihm vergewaltigt worden sein soll.

"Ich wollte das nicht und habe immer wieder nein gesagt", so Geimer in ihrem Buch. Doch Polanski habe nicht aufgehört. Als er sie später wieder nach Hause fuhr, soll er von ihr gefordert haben: "Sag deiner Mutter nichts. Das ist unser kleines Geheimnis."

Polanski-Opfer forderte vor Gericht Ende der Strafverfolgung

2017 forderte Geimer vor Gericht das Ende von Polanskis Strafverfolgung.  Sie sei sich sicher, dass Polanski die Tat sofort bereut habe, sagte Geimer damals nach der Anhörung vor Journalisten. Die Begegnung mit dem Regisseur beschrieb sie als "unangenehm", aber "weniger traumatisch", als viele angenommen hätten.

"Ich war ein junger, sexuell aktiver Teenager, und es war eine beängstigende, aber keine unübliche Sache", sagte Geimer nach der Anhörung. Auf die Frage, ob sie Polanski für einen Pädophilen halte, antwortete die Frau: "Ich war fast 14, nicht 10".

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