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06.12.2018

Küblböck-Vater erhebt schwere Vorwürfe: "Staatlich unterlassene Hilfeleistung"

Günther Küblböcks macht Behörden und Schiffspersonal für den Tod von Daniel Küblböck verantwortlich.

Knapp drei Monate ist es her, dass der einstige "Deutschland sucht den Superstar"-Teilnehmer Daniel Küblböck von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gesprungen ist. Nun äußerte sich Daniels Vater Günther Küblböck zu dem tragischen Tod seines Sohnes – und erhob bei Stern-TV schwere Vorwürfe gegen das Schiffspersonal und die Behörden.

"Staatlich unterlassene Hilfeleistung"

"Es ist gesellschaftlich-politisch gewollt, dass man psychisch Kranke mehr oder weniger sich selbst überlässt, oder den Angehörigen. Die sollen sich darum kümmern und möglichst keinen belästigen", sagte Küblböck zu Gast in der TV-Show.

Der Vater des Sängers ist sich sicher: "Natürlich hätte das verhindert werden können. Für mich ist das staatlich unterlassene Hilfeleistung."

Wie Günther Küblböck außerdem erzählte, habe sein Sohn schon einige Monate vor seinem Verschwinden ein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt. Erst im August habe ein Neurologe nach einer Untersuchung den Verdacht auf "eine akute Episode einer schizophrenen Psychose" geäußert.

"Das war schon so, dass das ein neuer Daniel war. Wenn er mit mir oder der Familie gesprochen hat, dann hat er immer normal mit bayrischem Dialekt gesprochen. Und dann hat er immer ganz hochdeutsch und mit einer Frauenstimme gesprochen, und so habe ich ihn vorher nicht gekannt", so Günther Küblböck.  

Mit der Zeit sei Daniels Zustand immer dramatischer geworden: "Er hat dann Momente gehabt, wo er dann auch in seiner Wohnung oft laut geworden ist, rumgeschrien oder etwas zertrümmert hat. Aber das war wirklich wie eine Psychose, die sich dann ganz stark entwickelt hat."

Schon Anfang August habe sich Günther Küblböck an die Behörden gewandt. Zuerst habe er mit der Polizei gesprochen, dann mit dem Ordnungsamt und dem Betreuungsgericht.

"Auch mit dem Gesundheitsamt habe ich damals telefoniert, und es wurde mir eigentlich immer das Gleiche gesagt: 'Es geht immer nur, wenn die Person selbst mitmacht'", erzählte der Vater des verstorbenen Sängers.

AIDA-Personal sollte auf Daniel Acht geben

Eine Zwangsbehandlung, die gegen den Willen der Betroffenen stattfindet, ist in Deutschland nur bei Selbst- oder Fremdgefährdung möglich. "Man fühlt sich nicht nur machtlos, man ist auch machtlos. Das wird einem ja ganz klar gesagt, dass man selbst nichts unternehmen kann", sagte Küblböck, der bereits im September erzählt hatte, dass er versuchte, Daniels Reise zu verhindern.

"Durch die schwierige Gesetzeslage in Deutschland war es nach Auskunft der AIDA Gesellschaft jedoch nicht möglich, ihm die gebuchte Reise zu verwehren. Ich hatte daher schon im Vorfeld die Verantwortlichen des Schiffes darum gebeten, ein besonderes Auge auf Daniel zu haben", hatte der trauernde damals auf der Webseite seines Sohnes, daniel-kueblboeck.de erklärt.

Auch der Psychiater Dr. Manfred Lütz sieht die derzeitige Gesetzeslage kritisch: "Wenn jemand akut wahnhaft ist, dann muss man aus meiner Sicht auch handeln, dann ist das eine Frage der Humanität."

Daniel habe nicht bewusst von Bord gehen wollen, sagte Günther Küblböck auch vor wenigen Tagen in der Günther Jauch-Sendung "2018! Menschen, Bilder, Emotionen". "Ich bin mir sicher, dass das in einer Psychose passiert ist und er nicht wusste, was er da tat. Er hat das nicht geplant." Daniel sei ein positiver Mensch gewesen, voller Tatendrang. "Er hat das Leben geliebt", so der Vater des Sängers.

Gegenüber Jauch machte Küblböck auch der Kreuzfahrtpersonal schwere Vorwürfe. Bevor Sohn Daniel die Reise angetreten war, habe er mit zwei Ärztinnen und dem Kapitän des Kreuzfahrtschiffes gesprochen. "Ich sagte, sie sollen ihn im Auge behalten", erzählte Daniels Vater. "Sie waren alle sehr betroffen. Aber sie haben beim Boarding nicht ein Mal nach ihm geschaut. Da bin ich fassungslos", sagte Küblböck.

Wer Selbstmordgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

www.suizid-praevention.gv.at

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.atbietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.