Jennifer Lawrence blickte bei den Oscars zu tief ins Glas

© Eric Jamison/Invision/AP

Academy Awards
03/05/2018

Witze, Seitenhiebe und ein Skandal: Die Oscars 2018

Bewegende Momente und kleine Seitenhiebe auf Stars - das war die Oscarverleihung 2018.

Schon bevor die Preisverleihung über die Bühne ging, gab es genügend Tratsch am Red Carpet. Der Grund: Viele Schauspielerinnen verweigerten Moderator Ryan Seacrest ein Interview. Er war für den Sender E! im Einsatz und wurde vor einigen Wochen der sexuellen Belästigung von einer Kollegin beschuldigt. Er bestreitet den Vorwurf vehement.

16 der 20 oscarnominierten Schauspielerinnen verschmähten den Small Talk mit Seacrest, darunter Margot Robbie und Viola Davis, die den Moderator beim Vorbeigehen einfach ignorierten.

Zumindest Mary J. Blige und weniger bekannte Gäste stoppten für den Moderator. Als Seacrest für Minuten keine Gesprächspartner finden konnte, rettete ihn seine alte Kollegin Kelly Ripa, die sich für ein Pläuschchen bereit zeigte.

Feuchtfröhlicher Auftritt

Sie wollte nicht auf die After-Party warten: Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence genehmigte sich bereits während der Preisverleihung mehrere Gläser Wein und wirkte schon bald sichtlich beschwipst. Sie vergaß sämtliche Benimmregeln und machte mit ausgelassenen Posen Schlagzeilen. Die Schauspielerin hatte erst vor Kurzem verkündet, dass sie sich eine zweijährige Pause von Hollywood nehmen will - und feierte offenbar schon jetzt fleißig vor.

Anspielungen auf Oscar-Patzer

Lawrence amüsierte sich jedenfalls prächtig - auch auf Kosten ihrer besten Freundin, Emma Stone.

"Wenn dieses Jahr dein Name verkündet wird, steh nicht gleich auf. Gib uns eine Minute", scherzte Moderator Jimmy Kimmel in Anspielung auf Faye Dunaways und Warren Beatys Oscar-Patzer vom vergangenen Jahr, die damals versehentlich "La La Land" in der Kategorie bester Film verkündet hatten, über Emma Stone.

Die war damals als Erste aufgestanden, um sich vom Publikum bejubeln zu lassen. Umso peinlicher war es dann, als sich herausstellte, dass "Moonlight" der eigentliche Gewinner war.

Die angedüdelte Lawrence konnte ihre Schadenfreude über Kimmels Seitenhieb auf ihre Freundin nicht verbergen - worüber im Netz nun fleißig gewitzelt wird.

Dunaway und Warren Beaty bekamen übrigens die Chance, ihre Oscar-Panne vom vergangenen Jahr wieder gut zu machen. Diesmal ging alles gut: Dunawy und Beaty kürten "The Shape of Water" ohne Versprecher zum besten Film. Regisseur Guillermo del Toro konnte es dennoch nicht lassen, einen Kontrollblick auf den Inhalt im Kuvert zu werfen, bevor er seiner Freude freien Lauf ließ.

Das ging daneben: Lindsey Vonn

Zum ersten Mal am Red Carpet der Oscars war Ski-Rennläuferin Lindsey Vonn zu sehen. Allerdings landete sie mit ihrem opulenten und etwas zu eng wirkenden Transparent-Look kombiniert mit Protz-Kette und Extrem-Blondierung prompt auf den Worst-Dressed-Listen.

Red Carpet: Roben bei den Oscars 2018

Bewegender Moment: Sam Rockwells Rede

Eine sehr persönliche Anekdote erzählte Sam Rockwell als er für "Three Billboards outside Ebbing, Missouri" den Oscar als bester Nebendarsteller gewann. Seine Liebe zum Film habe er seinem Vater zu verdanken. Als Schulkind wurde er einmal zum Direktor zitiert. Sein Vater kam in die Schule und meinte: "Komm mit, es ist wegen Oma." Draußen fragte Sam: "Was ist mit Oma?" - "Nichts", erklärte sein Vater, "wir gehen ins Kino."

Danach hob Rockwell seine Oscar-Trophäe in die Luft und widmete den Preis Philip Seymour Hoffman: "Für meinen alten Kumpel Phil Hoffman!" Der 2014 verstorbene Schauspieler und enge Freund war wie Sam Rockwell in der New Yorker Labyrinth Theater Company.

Niemand freute sich über den Preis offenbar mehr als Rockwell, der seiner Freundin einen leidenschaftlichen Kuss gab, bevor es auf die Bühne ging.

Gefährlich

Die Produktion "Icarus" über globale Doping-Geschäfte gewann den Preis als beste Dokumentation. Die Macher dankten auf der Bühne dem russischen Whistleblower Grigori Rodschenkow, der über das russische Doping-Business auspackte: "Er lebt in großer Gefahr."

Witzig

Die langjährige Komikerin Allison Janney, bekannt aus der Serie "Mom", erhielt einen Oscar als beste Nebendarstellerin für "I, Tonya". Anders als alle anderen Preisträger erklärte sie nicht, wem sie den Erfolg zu verdanken hat: "Ich hab das alles allein geschafft", scherzte sie zu Beginn ihrer Dankesrede.

Stärkster Moment

Den emotionalsten und stärksten Moment zum Thema unterdrückte Frauen im Filmgeschäft, hatte Frances McDormand. Als sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Leistung in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" entgegennahm, forderte sie alle nominierten Frauen im Raum auf, von ihren Plätzen aufzustehen.

"Seht euch um, meine Damen und Herren. Wir alle haben Projekte, die Finanzierungen brauchen. Sprecht mit uns nicht bei den heutigen Partys darüber. Ladet uns in eure Büros ein oder kommt in unsere, was auch immer euch lieber ist. Ich habe nur zwei Worte, die ich euch heute mitgebe: Inclusion rider".

Damit spricht sie die Inklusionsklausel an, die immer Schauspielerinnen fordern - eine vertraglich festgelegte Quote."Seht euch um, meine Damen und Herren. Wir alle haben Projekte, die Finanzierungen brauchen. Sprecht mit uns nicht bei den heutigen Partys darüber. Ladet uns in eure Büros ein oder kommt in unsere, was auch immer euch lieber ist. Ich habe nur zwei Worte, die ich euch heute mitgebe: Inclusion rider" - derstandard.at/2000075478170/Frances-McDormand-bedankt-sich-fuer-Oscar-mit-feministischem-Plaedoyer

Scherze über #metoo

Die #metoo Debatte stand einige Male im Fokus der Gala, wenn auch nur untergeordnet. So präsentierten Salma Hayek, Ashley Judd und Annabella Sciorra - alle drei machten zuvor ihre brutale Erfahrung mit Harvey Weinstein öffentlich - ein Video für mehr Diversität im Film.

Witze über #metoo kamen von Oscar-Host Jimmy Kimmel. Die Oscar-Statue sei der beste Mann in Hollywood. "Er hat seine Hände dort, wo man sie immer sehen kann, er sagt keine beleidigenden Dinge und er hat keinen Penis."

Seitenhieb auf Mel Gibson

Dann legte er mit einem ordentlichen Seitenhieb auf Schauspieler Mel Gibson nach: "Dass Hollywood keinen Clou von Frauen hat, zeigt die Tatsache, dass es einen Film mit dem Titel 'Was Frauen wollen' mit Mel Gibson in der Hauptrolle gibt."

Für seine lockeren und dennoch gut akzentuierten Postulate für mehr Frauen im Film gab es viel Lob für Kimmel.

Geschwister-Liebe: Heute macht sie auf Mutter Teresa, vor einigen Jahren aber wollte Angelina Jolie mit provokanten Sagern und Aktionen auf sich aufmerksam machen.

Als sie im Jahr 2000 einen Oscar für "Durchgeknallt" bekam, gab sie ihrem Bruder James Haven einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen. Etwas zuviel Geschwisterliebe für das prüde Amerika.

Verarscht: Noch einmal Angelina Jolie. Mit ihrem Extrem-Bein-Posing bei der Oscar-Verleihung 2012 sorgte die Schauspielerin für Lacher.

Witzige Fotomontagen gab es danach im Netz zu bewundern. Jolie hat danach angeblich ihre Stylistin gefeuert.

Heulkrampf: Überwältigt sind wohl die meisten Gewinner eines Oscars - Halle Berry hat sich 2002 aber gar nicht mehr eingekriegt auf der Bühne der Academy Awards.

Berry plärrte so sehr über ihren Oscargewinn für "Monsters Ball", dass sie beinahe hyperventilierte.

Kratzbürstig: Cameron Diaz gab sich am Red Carpet der Oscarverleihung 2007 zwar zuckersüß, hinter den Kulissen soll das "All American Girl" dann aber ausgezuckt sein. Der Grund: die Flirtlaune von Justin Timberlake.

Der soll Jessica Biel bei den Oscars schöne Augen gemacht haben, was seine frischgebackene Ex Cameron Diaz angeblich zur Weißglut brachte.

Konservativ: Weltweit für Empörung sorgten homophobe Statements einiger Jury-Mitglieder im Jahr 2006. Sie wollten sich den Film "Brokeback Mountain" nicht ansehen, weil sie behaupteten, sich durch die homoerotischen Szenen angegriffen zu fühlen.

Nackig: Als der britische Schauspieler David Niven 1974 seine Rede hielt, flitzte ein nackter Mann über die Bühne, um sich über die Show zu mokieren. Niven nahm's gelassen und riss einen Schmäh über den Nackedei.

Geschmacksfrage: Sie hat den Vogel abgeschossen. Björks Schwan-Kleid bei den Oscars 2001 geht in die Red Carpet-Geschichte ein.

Sie war damals für den besten Song ("I've Seen It All") nominiert. Oscar gab es keinen dafür, wir verleihen der exzentrischen Sängerin aber den Preis für das ungewöhnlichste Outfit am roten Teppich.

Überzeugend: 1940 gewann die afro-amerikanische Schauspielerin Hattie McDaniel den Oscar als beste Nebendarstellerin. Bei der Verleihung musste sie aufgrund ihrer Hautfarbe getrennt von  weißen Schauspielern sitzen. Kollegin Fay Bainter (re.) hielt daraufhin bei der Verleihung eine flammende Rede für die Gleichstellung aller Menschen.

Gewagt. Mit den Worten "Shame on you, Mr. Bush, shame on you!" beendete Michael Moore seine Dankesrede für den Oscar seines Films "Bowling for Columbine". Der Unruhestifter unter den Filmschaffenden nutze die Gelegenheit, um die Politik des damals amtierenden Präsidenten George W. Bush zu kritisieren.

Frech: Südkorea war nicht amused: Der Schauspieler Sacha Baron Cohen schritt 2012 als Diktator verkleidet über den Red Carpet. Und er ging noch weiter: In den Händen hielt er eine Urne, die das Gesicht des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-Il zeigte.

Demonstrativ: Wegen Vergewaltigungsvorwürfen bleibt Roman Polanski bis heute die Einreise in die USA verwehrt. Als er 2003 dennoch den Oscar für die beste Regie bekam, blieb ein großer Teil des Publikums applauslos sitzen.

Empörend: 1978 wurde Vanessa Redgrave für ihre Rolle in "Julia" ausgezeichnet. In ihrer Rede beschimpfte sie die vor den Türen demonstrierenden Juden als "bunch of zionist hoodlums" (dt.: Haufen zionistischer Ganoven). Daraufhin benötigte sie auf dem Weg nach Hause Polizeischutz.

Kompromisslos: Schon 1970 bezeichnete der Autor George C. Scott die Oscar-Verleihung als Fleischbeschau, die nichts mit Schauspielkunst zu tun habe und von der er nichts halte. Und er blieb konsequent. Als ihm sein Oscar übergeben werden sollte, schwänzte er die Veranstaltung.

Abwesend: 1973 lehnte "Der Pate"-Schauspieler Marlon Brando seinen Oscar kurzerhand ab. Er boykottierte die Zeremonie und schickte an seiner Stelle Sacheen Littlefeather auf die Bühne. Die las einen Brief Brandos vor, in dem er den Umgang mit amerikanischen Ureinwohnern heftig kritisierte. 

Diebisch: Ein Statement gegen die Oscar-Verleihung setzten Diebe im Jahr 2000. Sie wollten die Veranstaltung verhindern. Zuerst ließen sie die Abstimmungskarten für die Jury-Mitglieder verschwinden. Als das nichts half, stahlen sie die Oscar-Trophäen. Ohne Erfolg, die Verleihung fand dennoch statt.