Stars 15.03.2017

Harvey Weinstein: Die gefürchtete Macht in Hollywood

Harvey Weinstein mit Jennifer Lawrence. © Bild: REUTERS/MIKE BLAKE

Er ist der Filmproduzent mit dem richtigen Riecher: Harvey Weinstein wird 65

Wer in seiner Gunst steht, kann im Handumdrehen zum Hollywood-Star werden – so wie beispielsweise sein aktuelles Liebkind Jennifer Lawrence (26): Der Filmproduzent ( Miramax) Harvey Weinstein (64), der am Sonntag 65 Jahre alt wird, gilt als einer der mächtigsten Macher in Hollywood – obwohl er in New York lebt. Für seine Wutausbrüche ist er ebenso berühmt wie für seinen extrem guten Riecher, was erfolgreiche Blockbuster angeht.

Die opulente Pre-Oscar-Party, die er jährlich veranstaltet, gehört zu den hochkarätigsten und absolut privaten Society-Events, auf der Showbiz-Kaliber wie Beyonce und Jay-Z auf der Tanzfläche zu finden sind.
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NEW YORK, NY - FEBRUARY 10: (L-R) Harvey Weinstein, Blake Lively, and Ryan Reynolds attend the 2016 amfAR New York Gala at Cipriani Wall Street on February 10, 2016 in New York City. Jamie McCarthy/ Getty Images/AFP ++ KEINE NUTZUNG IN TAGESZEITUNGS-BEILAGEN! NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG IN TAGESZEITUNGEN, TAGESAKTUELLER TV-BERICHTERSTATTUNG (AKTUELLER DIENST) UND DIGITALEN AUSSPIELKAN€LEN (WEBSITES/APPS) IM UMFANG DER NUTZUNGSVEREINBARUNG. S€MTLICHE ANDERE NUTZUNGEN SIND NICHT GESTATTET.++
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Actress Stone and movie producer Weinstein attend
Actress Sharon Stone (L) and movie producer Harvey Weinstein (R) attend the amfAR's Cinema Against AIDS 2013 event in Antibes during the 66th Cannes Film Festival May 23, 2013. REUTERS/Jean-Paul Pelissier (FRANCE - Tags: ENTERTAINMENT)
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Harvey Weinstein, Milla Jovovich
U.S. producer Harvey Weinstein, right, speaks with actress Milla Jovovich, left, prior to British fashion designer John Galliano's Fall-Winter 2009-2010 ready-to-wear collection, Paris, Wednesday, March 11, 2009. (AP Photo/ Thibault Camus)
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Miramax Films and Weinstein Company co-founder Harvey Weinstein (L) talks to actress Nicole Kidman (R) sits at their table at the annual White House Correspondents Association dinner as he checks his phone at the start of the dinner in Washington April 27, 2013. REUTERS/ Jim Bourg (UNITED STATES - Tags: ENTERTAINMENT BUSINESS POLITICS)
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Film director Quentin Tarantino and producer Harvey Weinstein attend Italian composer Ennio Morricone's Hollywood Walk of Fame Star ceremony on February 26, 2016 in Hollywood, California. Morricone received the 2,574th Star on the walk of fame in the category of Live Performance/Theater. / AFP / FREDERIC J. BROWN
Nie unterschätzen

Glaubt man ihren Konkurrenten, sollte man die Weinstein-Brüder nie unterschätzen. "Meine eine Lektion aus dem Wettbewerb mit ihnen ist, sie niemals abzuschreiben", sagte etwa Joe Pichirallo, der bereits bei den Filmstudio Fox Searchlight Pictures und Focus Features im Vorstand saß. "Ich habe die Totenglocke oft für die Weinsteins läuten hören, nur um sie zurückrauschen zu sehen." Der ältere Bruder Harvey Weinstein hat der US-Filmbranche schon so manches Schnippchen geschlagen.

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/ Steve Grayson
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Brothers Bob Weinstein (R) and Harvey Weinstein will meet with executives of Walt Disney Co. this week to iron out the details of their exit from Oscar-winning powerhouse Miramax Films, a source with knowledge of the talks said on Feb. 22, 2005. The brothers founded the Disney unit and guided it to best film Oscars for 'Chicago' in 2002, but have for years had a contentious relationship with Disney chief executive Michael Eisner. The Weinsteins are shown in 1999. Photo by Steve Grayson/ Reuters

Mehr als unfassbare 300 Oscar-Nominierungen haben die von Weinstein produzierten Filme schon eingefahren, mehr als 75 Mal räumte ein von ihm und seinem Bruder Bob (mit-)produziertes Werk die Statuette ab. Unter ihren bekanntesten Titeln finden sich sowohl Klassiker wie "Der englische Patient" (1996), "Shakespeare in Love" (1998) und "Gangs of New York" (2002) als auch Hits wie die "Herr der Ringe"-Trilogie, "Inglourious Basterds" (2009), "The Artist" (2011), "The King's Speech" (2011), "Silver Linings" (2012) oder "Django Unchained" (2012).

Wegen sexueller Belästigung beschuldigt

200 Millionen Dollar soll Harvey heute schwer sein, die sich einmal seine fünf Kinder aufteilen. Drei davon hat er mit seiner Ex-Frau Eve Chilton. 2004 ließ er sich von seiner ehemaligen Assistentin scheiden - nach 27 Jahren Ehe.

Seit 2007 ist er nun mit Designerin Georgina Chapman (40) liiert, zwei Kinder folgten - und eine Ehekrise als er beschuldigt wurde, ein Model während eines Business-Meetings begrapscht zu haben. Man einigte sich schließlich außergerichtlich. Heute zeigt sich das Paar wieder happy am Red Carpet.

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89th Academy Awards - Oscars Vanity Fair Party
89th Academy Awards - Oscars Vanity Fair Party - Beverly Hills, California, U.S. - 26/02/17 – Producer Harvey Weinstein and fashion designer Georgina Chapman. REUTERS/Danny Moloshok

Es war wohl die Liebe zum Kino gekoppelt mit ihrem Unternehmergeist, die den aus dem New Yorker Stadtteil Queens stammenden Weinstein an die Spitze der umkämpften Filmindustrie führte. Mit den Einnahmen von Harvey und Bobs ersten selbst produzierten Film "The Secret Policeman's Other Ball" (1982) gründeten sie die Produktionsfirma Miramax (ein Wortspiel aus den Vornamen ihrer Eltern), die Hollywood auch nach dem Verkauf 1993 an Disney kräftig durcheinanderwirbeln sollte.

Miramax beherrschte vor allem die US-Kinos der 1990er- und 2000er-Jahre. Doch mit einigen Vorschlägen stießen die Brüder beim damaligen Disney-Chef Michael Eisner auch auf taube Ohren: Eisner lehnte den Michael-Moore-Film "Fahrenheit 9/11" als zu politisch ab. Die Weinsteins realisierten die Hit-Doku mit ihrem Privatvermögen. Und auch mit der kostspieligen "Herr der Ringe"-Trilogie wollte Disney zunächst nichts zu tun haben - sie spielte weltweit fast drei Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro) ein.

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AP/ Tina Fineberg
Harvey Weinstein, co-founder of Miramax Films, lef…
Harvey Weinstein, co-founder of Miramax Films, left, and Michael Moore pose for photographers during a special screening of Moore's new film "Fahrenheit 9/11" Monday June 14, 2004 in New York. (AP Photo/ Tina Fineberg)

Wieder und wieder bewies der für seine Wutausbrüche berüchtigte Weinstein, der unter dem Spitznamen "The Punisher" (Der Bestrafer) bekannt wurde, dass er am Ende doch auf das richtige Projekt setzte. "Filme kann ich im Schlaf machen", sagte er 2009 in einem Interview - und genau deshalb hätte er vielleicht dabei bleiben sollen.

Flop im Mode-Business

Denn der Versuch, sich mit der 2005 gegründeten und von Goldman Sachs mitfinanzierten Weinstein Company etwa auch in der Mode- und Internet-Branche zu versuchen, ging eher nach hinten los.

Konzentriert sich auf Fernsehen

Auch wegen des schwächelnden DVD-Markts und zahlreicher gefloppter Filmproduktionen übt sich der kräftige, bullig wirkende Weinstein inzwischen eher im Bereich Kabelfernsehen und Streaming. "TV ist an diesem Punkt in meiner Karriere einträglicher und viel einfacher. Wenn man Filme macht, läuft man auf dem Hochseil", sagte er der "Los Angeles Times" im Jänner. Produziert hat er bislang die TV-Show "Project Runway" mit Heidi Klum und Serien wie "Marco Polo".

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The Project Runway's Heidi Klum kisses Harvey Wein
The Project Runway's Heidi Klum kisses Harvey Weinstein before the designers present their collections during Fashion Week in New York, Friday Sept. 12, 2008. (AP Photo/ Richard Drew)

Angesichts von nur sechs von den Weinsteins produzierten Filmen im vergangenen Jahr wird klar: Die Brüder wollen sich im Bereich Kino nur noch auf jene Werke konzentrieren, die das Publikum wirklich packen, also mehr Klasse als Masse produzieren.

Kein kommerzieller Kram mehr

Inzwischen hat Harvey Weinstein sich andere Ziele gesetzt, etwa der Kampf für die Reform des US-Strafrechtssystems mit einer TV-Serie. Mit Rapper Jay-Z will er die Geschichte des Ex-Insassen Kalief Browder im Doku-Format verfilmen, der von Aufsehern misshandelt wurde und sich nach seiner Entlassung das Leben nahm.

"Wir haben eine Menge kommerziellen Kram gemacht", sagte Weinstein der "New York Daily News" kürzlich. Es sei jetzt an der Zeit, "Menschen zu motivieren".

( Agenturen , kurier.at , mich ) Erstellt am 15.03.2017