Hotelangesteller nach Ofarims Dschungel-Sieg: "Es gibt keinen Schweigedeal"

Sänger Gil Ofarim
Im Oktober 2021 erhob Ofarim schwere Vorwürfe gegen einen Hotelangestellten. Diese endeten vor Gericht. Markus W. gab nun ein Interview: "Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin."

Die Wogen nach dem überraschenden Sieg von Gil Ofarim beim diesjährigen RTL-Dschungelcamp gehen weiterhin hoch. Sehr überraschend meldete sich nun auch der frühere Hotelangestellte Markus W. zu Wort, dem der Sänger vorwarf, aufgrund seiner Davidsternkette ein Zimmer verweigert zu haben. Die Causa landete vor Gericht. Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus.

Dem Nachrichtenportal zeit.de gab Markus W. ein Interview.

Markus W.: "Das wirkt für mich sehr befremdlich"

Markus W. betont, das Dschungelcamp nicht verfolgt zu haben, doch die jüngsten Schlagzeilen blieben ihm nicht verborgen. Besonders die Andeutungen Ofarims, es habe eine Verschwiegenheitsvereinbarung gegeben, machen ihn wütend. "Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv, und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?" Ofarims Aussagen im Camp bezeichnete er als "zweifelhafte Andeutungen".

Der Sänger sprach im Dschungelcamp, trotz Drängen der anderen Kandidaten, nicht über den Skandal und berief sich dabei auf eine Verschwiegenheitsvereinbarung. Laut Markus W. sei das nicht die Wahrheit. "Es gibt übrigens auch keinen Schweigedeal oder eine Verschwiegenheitsverpflichtung, obwohl Herr Ofarim das nahelegt. Er kann über die Vorgänge in der Lobby sprechen", so der 37-Jährige.

"Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich. Er hat im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette des Hotels verwiesen hätte. Und er darf auch keine ähnlichen Aussagen tätigen, die andeuten, dass eine antisemitische Äußerung stattgefunden habe. Das ist alles."

Markus W. über die Überwachungsvideos

Irritiert sei er auch über Ofarims Andeutung,  die Überwachungsvideos aus dem Hotel seien manipuliert worden, so Markus W. gegenüber zeit.de. "Es macht mich fassungslos. Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen – ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen."

Das vereinbarte Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro habe er von Ofarim bisher nicht erhalten, fügte er hinzu. 

Gil Ofarim "inszeniert sich als Opfer – obwohl ich das bin"

Markus W. äußert im Interview auch sein Unverständnis darüber, wie Ofarim sich in der Öffentlichkeit darstellt. "Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte. Denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt." Und weiter: "Die Staatsanwaltschaft hat Tatsachen ermittelt, die vor Gericht Bestand hatten. Gil Ofarim hat diese Tatsachen irgendwann bestätigt, indem er sich bei mir entschuldigte und das Video löschte. Nun habe ich den Eindruck, dass alles wieder infrage gestellt wird." 

Markus W. findet deutliche Worte: "Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich."

Morddrohungen und Rückzug

Die Vorwürfe Ofarims hatten massive Auswirkungen auf das Leben des Hotelmitarbeiters, erinnert sich Markus W. im Interview. "Man hatte große Sorge, dass ich nicht mehr sicher bin." Er erhielt Morddrohungen, unter anderem per E-Mail. "Mein damaliger Chef rief am Abend an, um mir anzubieten, mich für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen."

Markus W. zog sich zurück, mied öffentliche Auftritte und private Feiern aus Angst vor negativen Reaktionen. "Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas?"

Nochmals zur Erinnerung: Ofarim hatte 2021 Schlagzeilen gemacht, als er sich bei Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen des Hotelmitarbeiters Markus W. darstellte. Die Vorwürfe stellten sich als falsch heraus - Ofarim nahm seine Darstellung in einem Verleumdungsprozess gegen ihn zurück. Das Verfahren wurde eingestellt.

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