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Kaiser Franz zieht Bilanz
12/08/2013

"Die Abfahrt ist der beste Lehrmeister fürs Leben"

In Bad Kleinkirchheim feierte Franz Klammer seinen 60. Geburtstag. Im Interview erzählt er über sein Leben als Glückspilz, wie er über Jörg Haider denkt und über seinen Freund Gerhard Dörfler.

von Ida Metzger

Herr Klammer, am Dienstag wurden Sie 60. Schmerzt der Sechser?

Franz Klammer: Das Einzige, was schmerzt, sind die Nachwehen von meiner Geburtstagsparty, die bis 10 Uhr vormittags dauerte (lacht).

Sie haben kein Problem mit dem Älterwerden?

Wieso denn? Ich bin sogar lieber 60 als 57, 58 oder 59. Die Zahl 60 ist wenigstens ein Statement.

Welche Pläne hat Kaiser Franz für die nächsten 20 Jahre?

Ich hatte das ganze Leben nie einen genauen Plan. Ich wollte einmal Skifahrer werden, aber dass ich einmal Olympiasieger werde, habe ich nie gedacht. Das hat sich so ergeben. Die Abfahrt ist der beste Lehrmeister fürs Leben, ständig muss man improvisieren. Wenn ich ein Abfahrtsrennen fahre und auf eine schwierige Kurve zukomme, dann sehe ich, wie ich zu reagieren habe. Und so agiere ich auch im Leben. Sicher habe auch ich einen Masterplan, aber manchmal verliert man die Spur, und dann muss man flexibel sein und offen sein für neue Gelegenheiten.

Das klingt, als würden Sie an das Schicksal glauben?

Im groben Sinne schon, denn im Leben ist vieles Schicksal. Ich bin nach Tunesien mit dem Skiteam gefahren und habe dort meine Frau kennengelernt. Aber die ist eigentlich für eine Freundin nur eingesprungen. Ist das jetzt Zufall oder Schicksal?

Ihre Frau Eva wusste beim Kennenlernen nicht, wer Franz Klammer ist. War sie nie eifersüchtig auf Groupies?

Sie war immer sehr relaxt, sonst würden wir heute nicht mehr beisammen sein. Ich bin eine Person öffentlichen Interesses und viel unterwegs, wenn man da ständig Zweifel hegt, dann ist das für den Partner nicht einfach.

Sie sind der Glückspilz der Familie, und Ihr Bruder ist seit vielen Jahren querschnittgelähmt. Haben Sie sich die Frage gestellt: Warum er und nicht ich?

Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Der Sturz war eine Verkettung von vielen unglücklichen Zufällen. Mein Bruder sieht die Situation selber am vernünftigsten. Er definiert die Lähmung als seinen Rucksack, den er zu tragen hat. Ich glaube, sich in seine Situation hineinzuversetzen, ist jenseits jeder Vorstellungskraft.

Was ist Ihr Ehe-Geheimnis?

Dass ich nie da bin (lacht). Wir lassen jedem genug Freiraum. Eva hat mich nicht versucht zu ändern, und ich habe das auch bei ihr nicht versucht. Die eigenständige Persönlichkeit darf in der Ehe nie verloren gehen. Und der Humor kommt bei uns nie zu kurz. Wir sind beide sehr selbstironisch und nehmen uns nicht zu ernst. Mein Motto lautet: „Man ist weniger wichtig, als man glaubt.“ Mit diesem Leitspruch ist das Leben weniger hektisch.

Wie stehen Sie zu Ihrem Beinamen „Kaiser Franz“? Sind Sie stolz darauf oder ist Ihnen diese Art von Verehrung peinlich?

Als Star wird heute schon jeder bezeichnet. Wenn einer drei Mal im Kreis bei Taxi Orange fährt, ist er auch schon ein Star. Aber einen Nickname zu bekommen, ist schon etwas Spezielles. Das erhalten nur jene, die wirklich etwas geleistet haben. In den USA haben die ganz Großen einen Beinamen. Ich habe meinen Nickname Kaiser eigentlich sehr gerne. Vor allem in den USA kommt es gut an, wenn du mit „The Kaiser“ angekündigt wirst.

Was genießen Sie am Leben als Kaiser Franz?

Es ist nicht der Ruhm, es ist nicht das Geld, sondern es ist das Privileg, dass ich mir in meinem Job die Zeit selber einteilen kann. Ich kann wählen, wann ich was machen will. Wenn ich viel unterwegs bin, dann lege ich wieder eine Woche Pause ein. Welcher Vater kann schon in der Schulzeit zu Hause sein, wenn die Kinder von der Schule kommen? Ich war zwar wenig anwesend bei den Kindern, aber in diesen Wochen habe ich ein wenig aufholen können.

Wie schwer ist es nach einer so großen Karriere, im Leben seine Bestimmung zu finden? Armin Assinger wurde TV-Moderator. War das nie eine Option für Sie?

Nach meiner Karriere wusste ich nur eines, als Holzknecht möchte ich nicht mehr arbeiten. Ein paar Mal hat es mich auf die Gosch’n gehaut. Aber wenn du nichts daraus lernst, hat es dich umsonst auf die Gosch’n gehaut. Ich wusste bald, dass ich für den Manager nicht geschaffen bin. Beim ORF habe ich es als Co-Moderator vor dem Armin versucht. Aber bald konnte ich mir den ORF nicht mehr leisten. Das Honorar war bescheiden, und anders als heute durfte ich keine Werbeverträge abschließen. Ich musste aber eine Familie ernähren. Also habe ich gefunden, was ich heute mache – als Werbeträger zur Verfügung zu stehen, und weil ich Menschen ganz gut unterhalten kann, gehe ich mit ihnen Ski fahren.

Sollten Menschen, die sich einen Skitag um 12.000 Euro mit Franz Klammer leisten können, Reichensteuer zahlen?

Da bin ich absolut dagegen. Denn Menschen, die viel verdienen, haben schon überproportional viel an Steuern gezahlt.

Sie mussten mit vielen Kärntner Landeshauptmännern in die Kamera lachen. Wie sind Sie zu Jörg Haider gestanden?

Jörg Haider hat viel bewegt in Kärnten, die Kärntner lieben ihn immer noch. Ich hatte nie ein Problem mit ihm, aber ich habe mich auch mit Christoph Zernatto gut verstanden. Und Gerhard Dörfler kannte ich schon lange, bevor er in die Politik eingestiegen ist. Er ist ein sehr guter Freund von mir.

Sind Sie überrascht, wenn gute Freunde von Ihnen auf der Anklagebank sitzen?

Natürlich, und er ist nicht der einzige meiner Freunde, der jetzt mit einem Bein im Kriminal steht. Aber ich bin verwundert, was Gerhard Dörfler getan haben soll, dass er auf der Anklagebank sitzt. Mir ist das nicht ganz klar.

Sind Sie von Jörg Haider und den Skandalen enttäuscht?

Ich sehe es als späte Abrechnung. Er hat die Politik in Österreich auf Trab gehalten, jetzt kann er sich gegen Vorwürfe nicht mehr wehren.

Welche Träume haben Sie noch?

Mein Leben ist ein einziger Traum. Wenn man es vom armen Bergbauernbuben bis zum Olympiasieger schafft, was will man mehr?

60 Jahre und kein bisschen müde: Kaiser Franz feierte bis zum Abwinken

„Der Franz ist ein echtes Urvieh. Er war brutal schnell, aber konnte auch feiern. So etwas gibt es heute nicht mehr “, bringt Ex-Skistar Lisi Kirchler das Charisma von Franz Klammer auf den Punkt. Und auch noch mit 60 gibt „Kaiser Franz“ ordentlich Gas. Sein tatsächlicher Geburtstag war am 3. Dezember – an diesem Tag feierte er mit seinen besten Freunden bis in die späten Morgenstunden im Gasthaus Klammer in seiner Heimatgemeinde Moosbrugg.

Gestern stand die nächste große Party in Bad Kleinkirchheim auf dem Programm. Die 15 angereisten Skilegenden schnallten sich ihre Skier an und wagten sich über einen steilen Riesentorlauf-Hang. „Die Piste ist zu steil, zu eisig und zu lang, aber für den Franz nehmen wird das in Kauf“, meinte ORF-Star Armin Assinger bei der Besichtigung und eisigen Minusgraden. Auch Ex-Slalomstar Michael Tritscher, Olympia-Dritter von Sarajewo Jimmy Steiner, Ex-Olympiasieger David Zwilling, Skilegende Annemarie Moser-Pröll und Ex-Abfahrts-Weltmeister Michael Walchhofer, Gustav Thöni, Hans Enn und Olympiasieger von Salt Lake City Fritz „The Cat“ Strobl sowie Ex-Skistar Marc Girardelli waren mit von der Partie beim Jux-Rennen.

Am Abend wurde dann mit rund 200 Gästen im Hotel Pulverer zünftig gefeiert, für die Fotografen wurde ab 23 Uhr ein Fotoverbot verhängt. Woher Kaiser Franz seine Konstitution fürs Feiern nimmt? „Nur weil er 60 ist, ist man doch kein alter Mann. Wenn man immer im Training ist wie der Franz, spielt das keine Rolle“, so Annemarie Moser-Pröll. Zum Geburtstag gratulierten auch Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser, Film-Regisseur Otto Retzer, Ex-ORF-Sport-Regisseur Lucky Schmidtleitner und Unternehmer Thomas Rettl.

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