Existenzangst mit 90: Das bittere Schicksal von Bond-Girl Ursula Andress

Andress wird am 19. März 90 Jahre alt. Eine große Feier gibt es nicht.
Ursula Andress

Kein Geringerer als Marlon Brando soll ihr geraten haben, eine Karriere als Schauspielerin zu beginnen. 1962 wurde die Schweizer Schauspielerin Ursula Andress als Bond-Girl in "James Bond – 007 jagt Dr. No" berühmt, was den Startschuss für eine internationale Karriere markierte. 

Am 19. März feiert Andress ihren 90. Geburtstag. Trotz ihres Erfolgs dürfte es aber kein Freudenfest sein. Die Schauspielerin plagen nach einem Millionenbetrug Existenzängste. 

Ursula Andress um 18-Millionen-Vermögen betrogen

Im Jänner hat Andress Strafanzeige erstattet. Sie beschuldigt ihren einstigen Vermögensverwalter Eric Freymond, ihr 18 Millionen Franken (ca. 20 Mio. Euro) durch fragwürdige Transaktionen gestohlen zu haben.

"Ich stehe noch immer unter Schock. Man hat mich gezielt als Opfer ausgewählt", erzählte sie gegenüber der Schweizer Zeitung Blick. "Acht Jahre lang wurde ich umgarnt und umworben. Sie haben mich skrupellos angelogen und mein Wohlwollen und Vertrauen auf perfide, ja kriminelle Weise ausgenutzt, um mir alles zu nehmen. Dabei spekulierten sie auf mein Alter. Ich bin so niedergeschlagen."

Am Boden zerstört habe sie mit Schlafproblemen, Angst- und Wutausbrüchen zu kämpfen. "Und dieses Gefühl der Hilflosigkeit ist unerträglich – es bringt mich um", erzählte sie dem Schweizer Blatt Anfang des Jahres. 

Der inzwischen verstorbene Freymond soll ohne der Zustimmung des Filmstars mehrere Kunstwerke in Andress' Namen erworben haben. Die Kunstwerke, die er angeblich mit dem Vermögen des Filmstars erworben hatte, liefen auf den Namen seiner Frau Caroline. Die Transaktionen dienten angeblich dazu, ihm Liquidität zu verschaffen. Andress soll die Werke nie erhalten haben.

Zuvor stand Freymond bereits unter Verdacht, das Vermögen des Hermès-Erben Nicolas Puech veruntreut zu haben. Während einer Vernehmung gestand er 2025 einige der Vorwürfe ein, nahm sich zwei Wochen später allerdings das Leben.

"Mir geht es derzeit sehr schlecht", erzählte Andress im Vorfeld ihres 90ers. Interviews will sie zu dem Thema keine mehr geben. Gegenüber GlücksPost verriet ihr Bruder Heinz Andress Anfang März, dass es keine große Feier geben werde. "Ursi mag solchen Rummel überhaupt nicht mehr", erklärte Andress, der seine Schwester Ende März in Italien besuchen wird. "Und darauf freue ich mich sehr", meinte er.

Die Szene, die Andress unsterblich machte

Sie war nicht irgendein Bond-Girl, sie war das Bond-Girl: Ursula Andress, in schweizerischen Bern geborene Schauspielerin, steht für einen der ikonenhaften Momente der Filmgeschichte. In "James Bond - 007 jagt Dr. No", dem ersten Teil der zum Filmklassiker gewordenen Reihe aus dem Jahr 1962, verdreht Andress dem von Sean Connery gespielten Geheimagenten den Kopf - und mit ihm großen Teilen des weltweiten Filmpublikums.

Die Filmszene, die Andress so bekannt machte, ist denkbar kurz. Am Strand am Drehort in Jamaika wird der unter einem Baum schlafende Bond vom lieblichen Gesang einer Frau wach. Als der Agent die Augen öffnet, sieht er eine gerade aus dem Meer steigende Perlentaucherin im Bikini. Es war die Geburtsstunde der Andress als Sexsymbol - Fotos der damals 26 Jahre alten blonden Frau wurden zur besten Werbung für den Film. 

"Kleine Rolle in nettem Spionagefilm" 

Andress hatte mit dem Bond-Film womöglich ihre letzte Chance ergriffen, zum Star zu werden. Die am 19. März 1936 geborene Tochter eines Deutschen und einer Schweizerin wurde wegen ihrer Schönheit schon als Teenager von vielen Regisseuren angesprochen. Schon mit 18 Jahren gab das Hollywood-Studio Paramount ihr einen Vertrag - aber Andress lehnte fast alle konkreten Rollenangebote ab. Erst als sie mit 21 Jahren den US-Filmregisseur John Derek heiratete, bekam ihre Karriere mehr Zug. 1962 habe sie das Columbia-Filmstudio angerufen und ihr eine "kleine Rolle in einem netten Spionagefilm von Ian Fleming" angeboten, erinnerte sie sich später. 

"Also, dachte ich mir, dieses Mal kannst du nicht Nein sagen", blickte sie später zurück. 

Mit Hollywoodstar Kirk Douglas habe sie das Drehbuch studiert und herausgefunden, dass sich ihre Rolle auf das Herumlaufen im Bikini beschränkte. "Da kann ja nichts falsch laufen", habe sie gedacht. Der Filmdreh sei eine positive Erfahrung gewesen, sowohl Fleming als auch Connery seien nette Männer gewesen. Dass sie durch die Bikiniszene unsterblich werden würde, habe sie damals nicht erahnt. 

Später beklagte sich Andress aber öfter darüber, dass weder sie noch Connery an dem großen kommerziellen Erfolg des Bond-Films beteiligt worden seien.

Spielte mit Orson Welles, Alain Delon und Woody Allen 

Andress führte trotzdem ein privilegiertes Leben - und sie lernte die größten Weltstars kennen. Nach dem Erfolg mit "Dr. No" spielte sie an der Seite von Elvis Presley. Eigentlich habe sie den die Hüften schwingenden Sänger ordinär gefunden, aber sie habe sich geirrt. "Elvis war unheimlich reizend, liebenswürdig und nett." Auch mit James Dean war sie befreundet, der französische Filmstar Jean-Paul Belmondo war acht Jahre lang ihr Lebensgefährte.

Ursula Andress und Jean Paul Belmondo

Ursula Andress und Jean Paul Belmondo

Andress spielte auch mit Frank Sinatra, Peter O'Toole, Marcello Mastroianni, Orson Welles und Alain Delon

In "Was gibt's Neues, Pussy?" brachte sie 1965 Woody Allen um den Verstand. 

Rückzug von der Leinwand 

In den 80ern Ab den 80er-Jahren kehrte Andress dem Kino allmählich den Rücken. Sie wurde Mutter, mit 44 Jahren bekam sie ihr einziges Kind Dimitri. Vater ist der US-Schauspieler Harry Hamlin, von dem sie lange getrennt ist. 

"Ich hatte viele große Lieben in meinem Leben - bei jeder einzelnen glaubte ich, dass sie ewig halten würde", sagte Andress einmal. Doch es kam anders. Seit Jahrzehnten lebt Andress mittlerweile in der Nähe von Rom. Dort kümmert sie sich um ihren eigenen Garten. 

Ein ruhiger Lebensabend ist der Filmikone angesichts der Veruntreuungs-Klage allerdings nicht vergönnt. 

Kommentare