Christian Qualtinger.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Qualtinger lebt!
10/05/2014

Qualtinger lebt!

"Der Herr Karl" als Comicbuch von Maler Christian Qualtinger. Der Universalkünstler über Comics, seinen Vater Helmut und den Herrn Karl.

von Maria Gurmann,

Alle Fenster sind offen, die Sonne durchflutet die Gemeindebau-Wohnung. Zeichnungen und Malzubehör auf dem Boden und an den Wänden. Skizzen für sein neues Comic-Buch "Der Herr Karl" auf dem Holztisch. An diesem Tisch saß Christian Qualtinger schon als Kind mit seinem Vater Helmut, Wiens legendärem Schauspieler, Schriftsteller, Komödianten und Gesellschaftskritiker. 1990 bekam der Gemeindebau im 19. Bezirk den Namen seines berühmten Bewohners: Helmut-Qualtinger-Hof.

Christian Qualtinger

Christian Qualtinger…

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Christian Qualtinger

Christian Qualtinger

Christian Qualtinger

Christian Qualtinger, Der Herr Karl, Maria Gurmann…

Authentisch

Grantig erklärt der 56-jährige Universalkünstler, dass hier Fotografieren nicht erlaubt ist. Später, beim Steinbruch im Wienerwald, wenn er nach ein paar Schluck aus der Rotweinlikör-Flasche milder wird, erklärt er seinen anfänglichen Grant. "Über Frauen kann ich mich unberechtigt und viel zu schnell ärgern." Macht nichts. Erstens, weil sein weiches Herz schon bald hinter der rauen Schale zu spüren ist. Und zweitens, weil man Christian Qualtinger für die wortgewaltigen Satzkreationen am liebsten abbusseln möcht’.

Wenn er zum Beispiel über das Wien seiner Kindheit sinniert. "Alles war grau und traurig. Das war abturnend für die Jugend." Als Schulabbrecher habe er Glück gehabt, dass der Maler Arnulf Rainer sein Lehrmeister war. "Er hat mich aufgenommen und mir geholfen. Er ist kein raunzer, sondern ein zacher Hund."

Wenn er über die Doppelmoral der Österreicher sinniert. „Du kannst in einer Talkshow sagen: (er spricht nasal) Ich habe heute sieben Mal Sex gehabt, ein Mal oral, zwei Mal anal. Aber wenn du sagst: (wienerisch)Heast i hob a nosse F.., dann kommt die Wega und du bist verhaftet als furchtbares Schwein und als Übeltäter.“

Wenn er sich an seine Mutter erinnert, der er im Pubertätsalter für alles die Schuld gab. Leomare Qualtinger, in den 60er- und 70er-Jahren als Kolumnistin des KURIER bekannt, "war schon sehr launisch. Aber eh leiwand. Frauen schaffen sich ein Geschöpf an, das ihnen ein Leben lang gehört, egal ob Mann, Kind oder Hund".

Wenn er sich an den Geruch der Vinylplatten erinnert. Die Jazz-Platten wurden in London bestellt und waren sauteuer. "Wer damals einen Plattenspieler und fünf Platten gehabt hat, war ein König." Alle Qualtinger-Bronner-Lieder – von "Der g’schupfte Ferdl" bis "Der Papa wird’s schon richten" – hörte er sich schon als Siebenjähriger genussvoll an. Christian hängte die Schullaufbahn mit 16 an den Nagel und begleitete seinen Vater auf Tournee. "Mit den Lesungen, Reminiszenzen an die österreichische Literatur, hat er sich saniert, wenn er wieder einmal neger war. Da ist er nach Deutschland gefahren, nur ein Koffer mit Büchern. Das war ur-interessant. Meine Kindheit war sieben Mal interessanter als die meiner Töchter", meint der begnadete Zeichner und ehemalige Arnulf-Rainer-Schüler auf dem Weg zur Sisi-Kapelle beim Caritas-Standl. Der Rotweinlikör wird unser Proviant. Seine Töchter Sophie (19) und Leonie (7) leben nur ein paar Minuten von ihm entfernt bei ihrer Mutter. "Aber ich kümmere mich gerne um meine Kinder und wandere oft mit Leonie durch den Wienerwald."

Unangepasst

Georg, ein alter Freund des Künstlers, bezeichnet Qualtinger als authentisch und ehrlich. "Er ist eine Mischung aus Universal-Genie und Universal-Dilettant. Er spielt einen feinen Blues und Boogie, schauspielert, schreibt und malt feine Sachen wie ,Wein, Weib, Gesang‘, die er viel zu billig verscherbelt. Er ist einer meiner wenigen wirklich guten Haberer." Auch André Heller schwärmt von Qualtinger junior: "Er ist wahrlich aus einer Rippe vom Helmut geschaffen, blitzgescheit, hochoriginell und unangepasst."

Alkohol ist, wie schon bei seinem Vater, ein zentrales Thema. Warum? "Es ist die Existenzangst. In meinem Alter brauche ich einen Job, sonst werde ich unrund." Seine Stiefmutter, Schauspielerin Vera Borek, und Qualtingers Verleger Ulrich Norbert Schulenburg haben ihn zu dem Comicbuch, für das er sehr diszipliniert und konsequent mehr als 100 Zeichnungen und Gemälde gemalt hat, ermutigt. "Was der Haderer kann, kannst du noch besser."

Prediger

Auch der alte Qualtinger habe aus Angst getrunken, ist Christian überzeugt. "Aus Angst vor dem Krieg, vor dem Leben, vor Menschen, vor dem, was die Welt wirklich ist und nicht, wie sie sich im Kitsch darstellt."

Auf dem Rückweg wird die zweite Flasche Likör mitgenommen. Die Aggression ist weg, der Redefluss nicht zu bremsen. "Am liebsten würde ich wie ein Pfarrer predigen. Aber dabei verdient man kein Geld, ich muss ja was hackeln." Vor 25 Jahren, als sämtliche Qualtinger-Lieder auf CD überspielt wurden, rollte der Tantiemen-Rubel für Christian. Die Zeiten sind vorbei. "Ich glaube, ich muss ein bissl vom hohen Ross obekreun, das hat noch nie wem geschadet. Ich kann ja wieder aufekreun, wenn sich’s ergibt." Mild ist er geworden, aber trotzdem nicht angepasst.

Info: Ausstellung mit Christian Qualtingers Bildern und Zeichnungen vom "Herrn Karl" in der Galerie Fichtegasse 1, 1010 Wien am 5. November.

Am 4. und 5. Oktober ist Qualtinger auf der "Comix" Messe und am 16.11. auf der "Buch Wien".

Buchtipp:"Der Herr Karl", Das Comicbuch von Christian Qualtinger und Reinhard Trinkler, Texte von Carl Merz und Helmut Qualtinger, Amalthea, 19,95 €

7 Fragen - 7 Antworten

Der Gemeindebau ist leistbar.

Ärgern kann ich mich viel zu schnell und vor allem unberechtigt über Frauen.

Mein Vater sagte immer: Absichtlich auch noch!

Meine Mutter sagte immer: Du darfst alles, nur nicht Motorradfahren und zum Bundesheer gehen, weil dann bist du hin. Beides hab’ ich nicht gemacht.

Ohne Alkohol komme ich schon bis am Abend aus.

Alkohol hilft gegen die Angst.

Angst gehört zu einem Künstler.

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