Was Ex-Moderatorin Nora Frey über den ORF zu sagen hat
Nora Frey
Schon in ihrer Schulzeit hatte Nora Frey (75) ein Talent fürs Reden. 22 Jahre war sie beim ORF, galt dort als Radiopionierin und hat unzählige Sendungen wie u. a. den Ö3-Wecker, Radio Holiday oder Ö3-Freizeichen moderiert. Letzteres war eine echte Innovation, da auch erstmals live Zuhörerinnen und Zuhörer zugeschaltet wurden.
"Es ist so schade, dass es so eine Sendung nicht mehr gibt. Da haben Politiker ihre Karriere bei mir ausgehaucht. Manchmal ist auch ein Studiogast schreiend rausgelaufen, wie der Klaus Maria Brandauer. Und zwei Männer haben einmal zu boxen begonnen, weil sie unterschiedlicher Meinung waren. Da ist schon sehr viel passiert", erzählt sie in der KURIER TV-Sendung "Herrlich ehrlich – Menschen hautnah".
Das ganze Interview
Frey hat sich kein Blatt vor den Mund genommen, alle Themen angesprochen und damit natürlich polarisiert, was ja auch so gewollt war. Sie habe zu der Zeit einen Coach gehabt, denn "wenn man 250 Konflikte im Jahr inszenieren, dann geht das nicht spurlos an einem vorüber."
In der heutigen Radiolandschaft würden Werbeeinschaltungen dominieren, was sie schade findet. "Es gäbe viele große Möglichkeiten, das anders zu machen. Aber da ist das Budget nicht da und eine Musiksendung ist halt billiger als eine Wortmeldung."
Trotzdem ist sie sich sicher, dass Radio nie sterben wird, "weil es Bilder im Kopf erzeugt. Und wenn man Bilder im Kopf malen kann, dann kann man sehr viel mehr bewegen, als wenn man den Menschen vorgefertigte Bilder vorhält."
Der ORF ist ja derzeit in einer tiefen Kritik und Belästigungsvorwürfe stehen im Raum. "Es ist eine Community und eine Gruppe von Menschen und da passieren die Dinge, genauso wie sie in anderen Firmen passieren. Der ORF hat das Pech, dass er eine Alleinstellung hat und dass das hinauskommuniziert wird und aufgegriffen wird. Und es ist gut, dass das aufgegriffen wird! Ingrid Thurnher hat jetzt alle Hände voll zu tun. Sie ist eine ganz ernsthafte Frau und wird wirklich versuchen, das in Ordnung zu bringen, und das ist auch wichtig. Es darf in keiner Firma und nirgendwo passieren und natürlich soll es nicht im ORF passieren!", so Frey dazu.
KURIER-Redakteurin Lisa Trompisch im Gespräch mit Nora Frey
Auch sie selbst musste einst gegen einen Kollegen vorgehen – mit Erfolg. "Ich habe ihm eine Ehrenerklärung abgerungen und er musste relativ viel an Frauenhäuser zahlen und wir haben uns verglichen." Ihr Credo in allem, was sie tut: "Aufgeben steht nicht auf der Agenda."
Aufgegeben hat sie auch nicht nach ihren zwei schweren Unfällen. 2009 beim Tauchen und im Jahr darauf überlebte sie nur mit viel Glück einen Absturz mit einem Ultraleicht-Flieger. "Ich bin jetzt über 50 Prozent invalid. Das Glas ist halb leer oder halb voll – und für mich ist es ganz voll."
Nora Frey ist nach wie vor als Mediencoach tätig und sie unterrichtet an der Theresianischen Militärakademie in Wr. Neustadt (Medientraining). "Ich freue mich, dass ich das Leben spüren kann."
Warum sie vier Mal aus dem ORF geflogen ist und noch viel mehr, sehen Sie im Video oben.
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