Nadja Maleh über Stimmverlust und ihre Haltung zu Gewalt an Frauen

Die Mimin und Kabarettistin sorgt derzeit mit neuem Programm für Lacher, aber das „Zuckergoscherl“ kann auch die ernsten Töne.
Frau mit dunklen Haaren und blauen Augen sitzt auf einem roten Sofa, trägt einen blauen Blazer und schaut direkt nach vorn.

Sie wollte schon immer Schauspielerin werden und ihre Eltern, ein syrischer Arzt und eine Tiroler Psychotherapeutin, die bis 2021 auch Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich war, haben sie bei diesem Berufswunsch immer unterstützt. 

„Meine Eltern haben mich meinen Weg gehen lassen. Sie haben auch immer an mich geglaubt und das ist wirklich ein Privileg“, erzählt Nadja Maleh in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“.

Die ganze Sendung:

Herrlich ehrlich: Nadja Maleh

Stimmverlust drohte

„Eine große Liebe und Leidenschaft“ ist auch das Singen, dabei drohte im jugendlichen Alter Stimmverlust. Mit 15 war Maleh in einer Schulband, strapazierte ihre Stimmbänder zu sehr und zusätzlicher Stress verschlimmerte es auch noch. 

„Ich habe mir die Stimme für ungefähr 12 bis 15 Jahre kaputtgemacht“, erzählt die Künstlerin. Ärzte diagnostizierten, dass sie nie Schauspielerin oder Sängerin werden könne. „Ich weiß nicht, wie viele Tränen ich geweint habe.“

Doch aufgeben war keine Option, es habe zwar sehr lange gedauert, aber „ich habe psychotherapeutisch begabte Gesangslehrerinnen und Gesangslehrer gefunden, die meine Stimme geöffnet und in den Körper zurückgebracht haben. Ich habe es mit Übungen wieder hinbekommen.“

Die Stimme ist jetzt ihr wichtigstes Instrument, wie man auch in ihren Kabarettprogrammen hören kann, denn Maleh singt da nicht nur, sondern spielt auch virtuos mit Akzenten und Dialekten. 

Schon in der Schule habe sie bemerkt, dass sie mit Humor „total in Resonanz“ geht, dass Kabarett und Sketche spielen das ihre sind.

Zuckergoscherl

Mit ihrem 7. Programm „Zuckergoscherl“ tourt die Kabarettistin derzeit durch Österreich. Sie betrachtet darin „die verschiedenen Facetten der Süße des Lebens“, wie sie erzählt. 

„Ein Zuckergoscherl ist süß, aber auch goschert!“, so Maleh lachend. „Kluge Gedanken treffen sich mit hemmungsloser Blödelei“, bescheinigte ihr ORF-Satiriker Peter Klien.

Mit dem Vorurteil, dass Frauen ja gar nicht wirklich lustig sein können, wurde auch sie vor allem in ihren Anfängen konfrontiert. 

„Frauen mussten nie lustig sein, wenn man sich die Geschichte anschaut. Wir mussten immer fürsorglich, liebevoll und schön sein. Das waren die Werte, die mit uns assoziiert wurden. Vielleicht muss die Gesellschaft sich erst daran gewöhnen.“

Zwei Frauen sitzen in roten Sesseln in einem modernen Studio, zwischen ihnen ein kleiner Tisch mit einer Orchidee und zwei Gläsern Wasser.

Lisa Trompisch im "Herrlich ehrlich"-Studio mit Nadja Maleh.

Maleh setzt ihre Stimme aber auch für ernste Themen, wie zum Beispiel rund um die derzeitige brandaktuelle Diskussion um Gewalt an Frauen, ein. Ein sehr komplexes Thema, wie Maleh sagt. 

Jede öffentliche Stellungnahme würde nur einen Teilaspekt beleuchten und schnell auf Gegenargumente stoßen, obwohl klar sei, dass jedes Opfer von Gewalt eines zu viel ist. Und Gewalt an Frauen würde nun mal „zu 97 Prozent von Männern“ ausgehen. 

„Das heißt, es sind keine Einzelfälle, sondern es ist ein strukturelles Problem, aber Strukturen bestehen aus Menschen, das ist ja nichts Abstraktes.“ Sie betont, dass Gewalt grundsätzlich alle betreffen kann – Frauen, Männer und Kinder – und dass neben der Debatte vor allem konkrete Lösungen und politische Maßnahmen nötig seien, statt immer wieder nur dieselben Fragen zu stellen.

Schutz für alle Opfer

„Ich würde mich freuen, wenn es mal eine Sendung geben würde, wo man sagt, man macht einen Zehn-Punkte-Plan. Was sind zehn konkrete Lösungen? Was muss politisch passieren, was kann ich persönlich für Männer und Frauen beitragen? Man möchte nicht glauben, wie viele Frauen antifeministisches Bashing betreiben. Und wie viele Männer tolle Sachen, wenn ich mich in den sozialen Medien dazu geäußert habe, bei mir kommentiert haben. Es betrifft wirklich beide Geschlechter“, so Maleh. 

Ihr Resümee: „Opfer von Gewalt gehören geschützt, egal welche Couleur, welches Geschlecht, welches Alter.“

Im Sommer ist Nadja Maleh auch auf der Bühne in der Komödie „Gerüchte, Gerüchte“ in Berndorf zu finden. „Ich spiele die Cookie, eine sehr schräge Figur, die sich Gott sei Dank irrsinnig schirch anziehen darf. Ich liebe es, schirch zu sein. Sie ist deppat und schirch und ich liebe sie, weil sie ein gutes Herz hat“, erzählt die Schauspielerin lachend.

Auch sie hat schon Gerüchte über sich gehört, zum Beispiel, dass sie lesbisch sein soll. „Na, wenn das das ist, was die Leute über mich sagen?! Ich bin nicht lesbisch, aber es macht mir nichts aus, wenn die Leute glauben, dass ich es bin“, so Maleh schmunzelnd. 

„Was ich manchmal auch lese: “Bezahlte Sozi-Staatskünstlerin„. Ich verstehe den Ansatz überhaupt nicht. Gerade Kabarettistinnen und Kabarettisten sind keine Staatskünstler. Ich finanziere meine Programme selbst, mach mein eigenes Management, ich fahre wohin, spiele das Programm, das ich selbst geschrieben habe, und fahre wieder nach Hause. Ich finanziere eher den Staat, weil ich hohe Steuern zahle.“

Noch viel mehr über Nadja Maleh, ihre Ansichten und aktuellen Projekte sehen Sie im Video oben.

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