Erich Schleyer

© Helga Schneider

Stars Austropromis
03/01/2020

Erich Schleyer: "Es ist furchtbar, was Menschen einander antun“

Der Schauspieler, Autor und Moderator über seine Kindheit im Zweiten Weltkrieg und warum er trotzdem ein Glückskind ist.

von Dieter Chmelar

Es dauert sehr lange, bis man jung wird“, hat Pablo Picasso (gestorben 1973 mit 91) erkannt – für Erich Schleyer, der genau am heutigen Sonntag 80 wird, dauerte es sogar Jahrzehnte, um seine Kindheit aufzuarbeiten. Der Riese (1,98 m, Schuhnummer 50!) war noch nicht fünf, als drei Tage und Nächte der alliierte „Feuersturm“ wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs über Dresden wie die Apokalypse hereinbrach – Zehntausende Zivilisten starben, nein: sie schmolzen im Bombardement.

„Diese Eindrücke haben mein ganzes Leben bestimmt“, so Schleyer, „aber erst, als ich 70 war. Da kam alles wieder raus. Bis zu meinem 16. Lebensjahr habe ich ins Bett gemacht, wenn Gewitter war. Aber wir dürfen nicht vergessen: Die Nazis haben angefangen, die Welt kaputtzumachen. Wir dürfen das nicht instrumentalisieren, dass die anderen (USA, England) die Bösen waren.“

Der kleine Erich, sein Bruder und seine Mutter klammerten sich damals verzweifelt an Laternenmasten, „um nicht wegzufliegen“. Im Park krochen Menschen unter die Eisdecke des Teichs, so heiß war es: „Mein halbes Gesicht war in Fetzen. Ich weiß, was Syrien bedeutet. Es ist furchtbar, was Menschen einander antun.“

Und trotz allem bilanziert der Schauspieler, Autor und Moderator heute: „Ich bin ein Glückskind. Ich habe Dresden überlebt und ich schaffte später die Flucht aus der DDR in den Westen, ohne verpfiffen worden zu sein. 13 Menschen wussten davon, alle haben dichtgehalten! Mehr Glück kannst du nicht haben.“

Generationen hat er selbst glücklich gemacht: Als Märchenerzähler im Fernsehen. Rund 350 Rollen spielte Schleyer, wohl am einprägsamsten als „Reisebegleiter für Kinder ins Erwachsenenalter“ (im ORF etwa von „Bravissimo“ bis „Confetti TiVi“).

Fulminant im Fummel folgte sein Durchbruch in Wiens Theaterszene (nach Achtungserfolgen unter Boy Gobert in Hamburg, aber auch unter George Tabori an der Burg) – sein „Frank ’n’ Furter“ (der Transvestit in der „Rocky Horror Show“) am Schauspielhaus bleibt unvergesslich. Dieses „Zwei-Meter-Zwischenwesen“ in Straps hatte damals so qualvolles Lampenfieber, dass er noch am Tag der Premiere ums Haar geflohen wäre.

Was wünscht sich Schleyer am Ehrentag? Titel gibt’s keine mehr – er ist als vielfach ehrenzeichenvergoldeter Professor längst „ausdekoriert“. Also ein langes Leben noch? „Um Himmels willen nein!“, schreit Schleyer auf. Erst „jüngst“ starb der älteste Mensch, ein Japaner, mit 113. „Ich ersuche alle Weltreligionen, mich vorher abzuberufen – jedenfalls, bevor ich völlig gaga oder ein Pflegefall bin. Ich hab’ jetzt schon genug erlebt.“ Am 14. März feiert er im „MuTh“ den 80er mit Fans und Freunden.

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