Änderung der britischen Thronfolge

Britain's Prince William leaves the King Edward VI
Foto: Reuters/ANDREW WINNING William und Catherine bekämen eine echte Prinzessin.

Königin Elizabeth gab die Änderungen fast 100 Jahre alter Regeln bekannt.

Gleichberechtigung im britischen Königshaus: Sollten Prinz William und seine schwangere Frau Kate im Sommer ein Mädchen bekommen, wäre das Baby eine echte Prinzessin. Dies stellte Königin Elizabeth am Donnerstag klar, indem sie Änderungen fast 100 Jahre alter Regeln bekannt gab.

Nach einer Proklamation von König George V. aus dem Jahr 1917 dürfte nur der älteste Sohn des Paares den Titel Prinz tragen. Mädchen müssten sich mit der Bezeichnung "Lady" begnügen und kämen nicht in den Genuss der Anrede "Ihre Königliche Hoheit".

Nach dem Willen von Königin Elizabeth sollen alle Kinder des Paares in der Titelfrage künftig gleichberechtigt behandelt werden. Es könnten also noch mehr Prinzen oder Prinzessinnen folgen.

Am 29. April  2013 jährt sich der Hochzeitstag von Kate und William zum zweiten Mal. In dem vergangenen Jahr hat sich die 30-Jährige perfekt in ihre Rolle eingefügt - dank royaler Hilfe. Der Fehler, den die Royals bei Prinzessin Diana begingen, wurde nicht wiederholt. Diana war jung, unbedarft und mit ihrer neuen Rolle  überfordert. Warum das Ganze bei Catherine so gut funktionierte, liegt Beobachtern zufolge daran, dass das Königshaus sie ganz fest an der Hand hält. Naiv, eitel, zu dünn - zurzeit die wenigen negativen Kommentare über Herzogin Kate aufzuspüren, ist gar nicht so einfach. Denn die 30-Jährige bekommt für ihr Auftreten fast nur Lob. Sie stand in den vergangenen Wochen oft im gnadenlosen Rampenlicht: Während ihr Mann Prinz William zu einem Einsatz auf den Falklandinseln war, absolvierte Kate eigene Auftritte, begleitete die Queen und die Schwiegereltern, und sie hielt ihre erste Rede. "Anders als bei Diana arbeitet diesmal die ganze königliche Familie - "die Firma" - zusammen, um sicherzustellen, dass ihr neuester Zugang sich sicher und als Teil des Teams fühlt", meint Eleanor Mills von der britischen Zeitung "Sunday Times". Nach außen strahlt Kate stets - doch wenn man ihr hinter den Kulissen begegne, seien die Augenränder und die eingefallenen Wangen nicht zu übersehen, erklärt Mills: "Man sagt, sie hat große Angst vor Einzelauftritten."   Stand ihr seit Bekanntgabe der Verlobung im Herbst 2010 ihr William zur Seite, waren ... ... die letzten Monate als Williams Angetraute eine einzige Feuerprobe. Doch die Royals gaben Rückendeckung. So nahm Williams Oma, die britische Königin Elizabeth II., Kate zur Eröffnung ihrer Tour zum 60. Thronjubiläum mit. Symbolischer geht es kaum. Vorher war die Queen bereits mit Kate und Schwiegertochter Camilla in einem Edelkaufhaus in London zu Gast gewesen. Kates Schwiegereltern Charles und Camilla stehen ohnehin hinter ihr. Mit ihnen besuchte sie zum Beispiel eine Galerie und eine Kinderhilfsorganisation. Ganz alleine war sie unterwegs, als sie ihre erste Rede in einem Kinderhospiz hielt. Zwar zitterte die Stimme ein bisschen, doch der Text saß. Auch die PR-Maschine des Palastes blickt mit eiserner Miene auf alles, was über Kate geschrieben und von ihr gezeigt wird. Im Notfall gibt es eine Warnung. So wies der Palast im März über den britischen Presserat "aus gegebenem Anlass" darauf hin, dass die Gesundheit Kates absolut privat sei. Auch im Nacktfotoskandal gab man Rückendeckung. Bisher scheint sie alles zu meistern. Doch man dürfe nicht vergessen, dass hinter der glänzenden Fassade eine eher zerbrechliche junge Frau stecke, warnt Mills, die Kate bei einigen der Auftritte beobachtet hat. Jetzt aber kann sie sich erst einmal voll und ganz auf ihre Schwangerschaft konzentrieren. Buchtipp für royale Fans: Mehr über die europäische Aristokratie, einen Blick hinter die Kulissen und interessante Informationen finden Sie hier:Lisbeth Bischoff"Adel Inside" - Hinter den Kulissen der HerrscherhäuserAmalthea Verlag
Hintergrund

Thronfolge - erstmals auch für ein Mädchen

Eine Änderung der Thronfolgeregelung wurde von Commonwealth-Staaten bereits beschlossen.

Das erste Kind von William und der einst bürgerlichen Kate wird in der Thronfolge Rang drei einnehmen, hinter Kronprinz Charles und William. Die Frage, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, spielt für die Thronfolge erstmals keine Rolle mehr.

Die 16 Commonwealth-Nationen, deren Staatsoberhaupt die britische Königin Elizabeth II. ist, haben im vergangenen Jahr eine Reform der Thronfolgeregelung beschlossen. Demnach wird das erstgeborene Kind eines Thronfolgers automatisch in die Rangfolge aufgenommen - ganz gleich, ob es männlich oder weiblich ist.

Bisher kamen Prinzessinnen nur zum Zug, wenn sie keine Brüder hatten. So war es auch bei der derzeitigen Queen, Elizabeth II. Deren Enkel William, dessen bevorstehende Vaterschaft am Montag offiziell verkündet wurde, ist hinter seinem Vater Charles die Nummer zwei der Thronfolge. Williams erstes Kind wird seinen Bruder Harry von Platz drei verdrängen.

Im Oktober 2011 hatten die 16 Commonwealth-Staaten, deren Staatsoberhaupt Königin Elizabeth II. ist, bei einem Gipfeltreffen in Perth für eine Änderung gestimmt - allen voran hatte sich Neuseeland dafür eingesetzt, die Thronfolgeregelung an die modernen Zeiten anzupassen. Großbritanniens Premierminister David Cameron sprach von einer "historischen Entscheidung".

Nun müssen die Parlamente der 16 Staaten noch ihre Zustimmung geben - dies dürfte aber eine Formsache sein. Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg sagte im November sogar, mit der Entscheidung von Perth sei die Änderung schon in Kraft getreten. Sollten bei der möglichen Geburt eines Mädchens nicht die Zustimmungen aller Parlamente vorliegen, "werden wir uns so verhalten, als sei der Vorrang der männlichen Thronfolge aufgehoben", sagte er. Ein Sprecher der britischen Regierung erklärte allerdings, selbst wenn die Reform "de facto" in Kraft getreten sei, bedürfe sie der rechtlichen Absicherung.

(apa / mod) Erstellt am
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