Sport
26.04.2017

Zweiter Aufschlag für die "angehimmelte Sünderin"

Nach 15-monatiger Dopingsperre ist die Russin wieder Teil der Tenniswelt. Prompt spaltet sie die Szene.

Das Damen-Tennisturnier in Stuttgart ist bestens besucht. Aus den Top Ten der Weltrangliste schlagen seit Montag im Süden Deutschlands auf: die Nummer zwei, drei, fünf, sechs, acht und neun. Im Mittelpunkt steht keine von ihnen, sondern eine Dame, die aktuell nicht mehr in der Weltrangliste geführt wird: Maria Scharapowa.

15 Monate war die mittlerweile 30-jährige Russin zum Zuschauen verdammt – wegen der Einnahme des seit Anfang 2016 verbotenen Herz-Kreislauf-Medikaments Meldonium. Am Dienstag lief die vom Sportgerichtshof CAS verhängte Sperre aus, heute, Mittwoch schlägt sie wieder auf. Dank einer Einladung von Turnierveranstalter Porsche, der auch ihr Privatsponsor ist.

Seit bekannt ist, dass Dopingsünderin Scharapowa eine der wenigen Wildcards zugesprochen bekommt und sie sich dadurch die mühsamen Qualifikationsrunden erspart, regt sich Widerstand. "Sie hätte durch die Qualifikationen müssen, ohne jede Hilfe", sagt ihre heutige Erstrunden-Gegnerin Roberta Vinci (ITA). Sogar Deutschlands Nummer eins Angelique Kerber, ebenfalls Porsche-Botschafterin, nannte es "ein wenig seltsam".

Am Veranstalter prallt die Kritik ab: "Maria hat sich so große Verdienste um dieses Turnier erworben, dass wir ihr diese Wildcard aus gutem Grund geben. Sie hat das Turnier weltweit populär gemacht", sagt Turnierdirektor Markus Günthardt über die dreifache Stuttgart-Siegerin. Dass ihr Erstrundenmatch für Mittwoch angesetzt wurde, exakt einen Tag nach Ablauf der Sperre, sei Zufall. Bis gestern durfte weder der Veranstalter noch die Profi-Tour mit Scharapowa werben, auch ein Trainingsplatz durfte ihr offiziell nicht organisiert werden.

"Größte Attraktion"

Werbung war gar nicht nötig. 250 Journalisten haben sich akkreditiert, so viele wie noch nie in Stuttgart. "Man kann die Turnier-Ausrichter nicht kritisieren, da sie nun einmal die größte Attraktion sein wird", sagt Boris Becker.

Scharapowas Fall zeigt, wie die internationale Sportwelt tickt. "Angehimmelte Sünderin" nannte sie die Zeitung Die Welt. Die Russin ist eine ausgezeichnete Tennisspielerin. Ihre 41 Turniersiege, darunter fünf bei Grand-Slam-Turnieren, brachten ihr 36 Millionen US-Dollar Preisgeld ein. Etwa zehn Mal so viel lukriert aus Werbung.

Maria Scharapowa ist eine von nur wenigen weiblichen Weltmarken im Sport – neben Serena Williams. Die Nummer eins der Welt pausiert derzeit. Freiwillig. Denn sie ist schwanger.