Steuerfrau Tanja Frank (hinten) mit Lorena Abicht

© Tobias Stoerkle

Interview
07/27/2020

Wunderkind und Olympia-Heldin: "Vom Sport leben kann ich nicht"

Tanja Frank saß mit zweineinhalb allein im Segelboot und mit 14 auf der Uni. 2016 rettete die Wienerin Österreichs Ehre in Rio.

von Philipp Albrechtsberger

Wie so viele Österreicher derzeit sehnt sich auch Tanja Frank nach dem Meer. Wellen bedeuten für die 27-jährige Wienerin weniger Erholung, sondern vielmehr harte Arbeit. Die Weltklasseseglerin steuert mit Lorena Abicht, ihrer Partnerin in der 49er-FX-Bootsklasse, auf Olympia in Tokio zu. Seit Samstag wird vor Santander (Spanien) trainiert. Vor vier Jahren in Rio hatte Frank an der Seite von Thomas Zajac für die einzige österreichische Olympia-Medaille gesorgt.

KURIER: Frau Frank, internationaler Segelsport und eine weltweite Pandemie – wie geht sich das aus?

Tanja Frank: Ich habe mir, wie wohl viele, den Sommer 2020 anders vorgestellt. Statt in Amstetten bei einem Medientermin sollte ich eigentlich in Tokio sein und die letzten Trainingsfahrten im olympischen Gewässer absolvieren.

Auch die Austragung der Spiele 2021 ist unklar. Wie geht man als Sportlerin mit dieser Ungewissheit um?

Ich hab’ auch keine anderen Informationen. Wir müssen einfach davon ausgehen, dass die Spiele stattfinden. Das ist auch das, was wir wollen. Wenn man bald fünf Jahre auf eine einzige Woche hintrainiert, dann will man auch, dass es klappt.

Sie waren dennoch viel in Europa unterwegs. Wie haben Sie die Krise wahrgenommen?

In Kroatien hat man von Einschränkungen überhaupt nichts gemerkt. Keine Masken, kein Mindestabstand – das hätte ich anders erwartet. In Spanien herrscht hingegen einfach immer und überall Maskenpflicht. Und die Leute sind sehr vorsichtig.

Wird Corona den Segelsport verändern?

Ganz bestimmt. Und zwar längerfristig. Athleten aus Segelnationen wie Australien oder Neuseeland dürfen weiterhin nicht ihr Land verlassen. Alleine das beeinflusst unseren Sport. Und es gibt Länder wie Österreich, die aktuell weniger im Meer an der Welle trainieren können. Das ist ein heftiger Einschnitt. Auch die Vergleiche mit anderen Teams und Booten fehlen.

Wie sieht Ihr Training und die Trainingsplanung derzeit aus?

Im Moment können wir nur dorthin fahren, wo wir auch unser Equipment selbst hinbekommen können. Alles andere wäre zu risikoreich. Daher sind wir oft mit Auto und Anhänger unterwegs. Derzeit können wir nur von Trainingslager zu Trainingslager planen. Wir versuchen, einen mittelfristigen Plan aufzustellen, aber meistens muss der eine Woche später schon wieder umgeworfen werden. Immerhin kenne ich mich schon ganz gut aus, wenn es darum geht, rasch Flüge umzubuchen.

Video: Die verschiedenen Bootsklassen im Vergleich

Was bedeutet ein Jahr mehr Vorbereitung auf Olympische Spiele finanziell?

Kurz gesagt: Es bedeutet höhere Kosten. Wir hoffen einfach mal, dass wir die Unterstützung vom Staat haben. Wir waren jetzt einige Monate kaum bis gar nicht unterwegs, daher konnten wir ein bisschen was zur Seite legen für die kommenden Monate.

Wie gut können Sie vom Sport leben?

Vom Sport leben kann ich überhaupt nicht. Ich bin froh, wenn ich am Ende des Tages nichts draufzahlen muss. Privatsponsoren und Förderungen gehen natürlich direkt und zu 100 Prozent in den Sportbetrieb. Die Anstellung beim Bundesheer ermöglicht mir ein Privatleben mit einer Mietwohnung und dergleichen.

Hat die Bronzemedaille von Rio gar keinen Effekt gehabt?

Langfristig nicht. Wir waren zwar am Anfang öfter in den Medien und bei vielen PR-Terminen. Aber überspitzt kann man sagen: Mit dem ersten Skirennen im Herbst war’s auch schon wieder vorbei mit der Aufmerksamkeit.

Hatten Sie mehr erwartet?

Die Hoffnung war da. Ich hätte geglaubt, dass man nach so einem großen Erfolg etwas leichter Sponsoren findet. Vielleicht war die Annahme auch ein wenig naiv. Ich wusste schon, welchen Stellenwert der Segelsport in Österreich hat.

Die am 24. Jänner 1993 geborene Tanja Frank wurde als Baby von einer Segelschulbesitzerin adoptiert. Mit zweieinhalb Jahren steuerte sie alleine ein Boot der Klasse „Optimist“.

IQ-Wert von 137
Schon als Kind zeichneten sich ihre Begabungen ab. Mit einem IQ von 137 kam sie im Alter von fünf direkt in die zweite Klasse, mit 14 begann die Wienerin nebenbei zu studieren. Während des Corona-Lockdowns schloss sie ein MBA-Studium im Burgenland ab. Tanja Frank lebt in Wien und Neusiedl und ist liiert.

Segelkarriere
Der internationale Durchbruch gelang ihr 2011 mit Gold bei der Junioren-WM. Als Vorschoterin von Thomas Zajac holte sie 2016 Bronze bei Olympia im Nacra17. Seither segelt sie wieder  als Steuerfrau mit Lorena Abicht in der Klasse 49er FX, 2018 holte das Duo WM-Silber.

Sie haben nach Rio Segelpartner und Bootsklasse gewechselt. War es ein Risiko, ein Erfolgsduo aufzugeben?

Der Gedanke kam mir nie. Es war immer klar, dass ich irgendwann wieder zurück ans Steuer will. Ich hab’ immer davon geträumt, als Steuerfrau zu den Spielen zu fahren. Ich weiß nicht, wie es ausgesehen hätte, wenn wir in Rio knapp an der Medaille vorbeigesegelt wären. Aber mit einer gemeinsamen Olympia-Medaille kann man schon leichter sagen: Ich probier’ noch einmal etwas Neues.

Sie galten immer schon als Ausnahmetalent, in der Schule sogar als Wunderkind, das Klassen überspringt. War das nie eine Belastung?

In der Schule war es nicht einfach. Denn die Lehrer haben dementsprechend viel verlangt. Und wenn man im Gymnasium mit 15 oder 16 immer die mit Abstand Jüngste ist, wird es manchmal auch unangenehm. Aber es war ja nie meine Idee, eine Klasse zu überspringen.

Sondern?

Es war die Idee der Lehrer. Mein Direktor wollte irgendwann auch, dass ich noch eine zweite Klasse überspringe. Das kam für mich nicht mehr infrage. Als Alternative hat er angeboten, ich soll doch nebenbei studieren gehen.

Mit 14 ging es auf die Uni, zunächst Biologie, später Ernährungswissenschaften ...

Leider ist man mir dort überhaupt nicht entgegengekommen, was Prüfungstermine angegangen ist. Daher hab’ ich es irgendwann sein lassen, obwohl mich die Studien sehr interessiert haben.

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