Sport
05.12.2011

Wo Österreich Weltklasse ist

Faustball ist die einzige Team-Ballsportart, in der Österreich Weltmeister ist. Am Sonntag beginnt die Heim-WM.

Österreich stellt nur in einer Ballsportart einen Mannschafts-Weltmeister. Bei der Faustball-WM 2007 im norddeutschen Oldenburg holte Österreich erstmals WM-Gold und geht daher als Titelverteidiger in die Heim-WM von Sonntag (7. August) bis 13. August.

Österreich ist eine von drei großen Nationen in einer Sportart, die zwar erst seit 51 Jahren einen eigenen Weltverband hat, deren Wurzeln aber sogar in die vorchristliche Zeit reichen.

Im dritten Jahrhundert vor Christus schrieb Dichter Plautus von einem "follis pugilatorius", einem Vorläufer des Faustballs. Im Mittelalter wurde das Ballspiel mit der Faust in Italien so etwas wie eine Nationalsportart, von der auch Goethe in seiner "Italienischen Reise" berichtete.

In der Neuzeit war der moderne Faustball-Sport zunächst klar Domäne der Deutschen. Deutschlands Herren gewannen von 1968 bis 1995 bei den ersten neun Weltmeisterschaften alle Goldmedaillen, auch die ersten fünf Europameisterschaften wurden eine Beute der Deutschen.

Seit 16 Jahren warten sie aber auf einen weiteren WM-Titel. Brasilien (1999, 2003) und Österreich (2007) haben zu den deutschen Herren aufgeschlossen. Diese drei Nationen haben die Medaillen bei den bisher zwölf Weltmeisterschaften fast ausschließlich unter sich ausgemacht, nur noch die DDR (Bronze 1968) und die Schweiz (Bronze 1982, Silber 1995) haben bei den Herren auch Medaillen gewonnen.

Oberösterreich

Mittlerweile hat der Weltverband (IFA - International Fistball Association) 35 Mitgliedsverbände mit weltweit ca. 80.000 Spielern, bei der WM sind Nationen aus allen fünf Kontinenten dabei. Mit Ausnahme einiger Halb-Profis in Brasilien ist der Sport ein reiner Amateursport.

In Österreich gibt es erst seit 1993 einen eigenen Verband, als sich die Faustballer vom Handball getrennt haben. Der österreichische Faustball-Bund (ÖFBB) umfasst derzeit rund 6.500 Aktive in 182 Vereinen.

Mit Abstand am stärksten verankert ist Faustball in Oberösterreich, das mit den beiden Mühlviertler Vereinen Union Arnreit (Damen) und Union Freistadt (Herren) auch die Europacup- und Weltcupsieger stellt. Auch in der zehnköpfigen WM-Auswahl von ÖFBB-Teamchef Winfried Kronsteiner sind nur Oberösterreicher zu finden.

30.000 Tickets verkauft

Gespielt wird die WM daher mit Schwerpunkt in Oberösterreich (Linz, Kremsmünster, Pasching), aber auch in Salzburg und in Wien, wo das heimische Team seine Gruppenphase bestreitet. Der Verband hofft damit, den Faustball künftig auf eine breitere Basis stellen zu können und einige der WM-Fans längerfristig für den Sport zu begeistern.

Immerhin sind schon rund 30.000 Tickets verkauft, die Viertelfinalespiele sind ausverkauft, für das Finale im Paschinger Fußball-Stadion (Waldstadion) sind von den aufgelegten 7.500 Karten nur noch rund 500 zu haben. Die Veranstalter überlegen daher, eventuell auch den Auswärtssektor im Waldstadion mit zusätzlichen 500 Plätzen zu öffnen. Die sollen dann das österreichische Team beim Finale am 13. August (20.15) zum neuerlichen WM-Titel schreien.