Sport
31.08.2017

WM-Qualifikation: Gleichschritt statt Wechselschritt

Julian Baumgartlinger bleibt wohl in Leverkusen, bei Aleksandar Dragovic ist ein Transfer in Schwebe, Guido Burgstaller fällt aus.

"Wenn ein Spieler jetzt noch wechselt, dann stört das absolut nicht die Konzentration auf das Wales-Spiel", meint Routinier Martin Harnik bezüglich des möglichen Transfers von Aleksandar Dragovic. Damit tritt genau jenes Szenario ein, das Teamchef Marcel Koller ein wenig befürchtet hat, weil es die Vorbereitung auf das WM-Qualifikations-Spiel am Samstag (20.45 Uhr, live in ORFeins) in Cardiff beeinflussen könnte.

Dragovic ist in Leverkusen aktuell nur Reservist. Olympiakos Piräus soll das Ziel des Wieners sein, hieß es am Mittwoch. Ein Wechsel nach Griechenland zum Champions-League-Starter im Tausch mit dem gestern von Leverkusen verpflichteten Panagiotis Retsos ist laut KURIER-Informationen aber vom Tisch. Interesse bekundeten zuletzt auch AS Roma und Inter Mailand. Neben den italienischen Klubs dürfte es für den 26-Jährigen aber vor allem noch die eine oder andere Option in der Premier League geben.

Gelassenheit

Dragovic’ Klubkollege Julian Baumgartlinger fristet derzeit ebenfalls ein Reservistendasein, auch bei ihm wurde über einen Transfer spekuliert. Zur Sprache kamen Hoffenheim und Atalanta Bergamo. "Gerüchte sind eben Gerüchte", so der Teamkapitän, der zugibt, aktuell mit seiner Lage nicht glücklich zu sein. "Das ist aber normal für einen Fußballer, der nicht spielt. So ist das Geschäft. Damit muss man umgehen können." Routinier Baumgartlinger kann das. "So wie es aussieht, bleibe ich bei Leverkusen." Einschränkender Nachsatz: "Aber im Fußball weiß man bekanntlich nie."

Auch vergangenen Herbst erlebte Baumgartlinger bei Leverkusen eine ähnliche Phase mit wenig Spielpraxis. Und das, obwohl er kurz davor aus Mainz geholt worden war. "Natürlich macht das keinen Spaß, aber das ist Teil des Jobs. Mein Vertrag läuft noch drei Jahre. Und für mich zählen die Verträge, die ich unterschreibe." Durch den Wechsel von Kevin Kampl zu Leipzig könnten Baumgartlingers Chancen auf mehr Einsätze steigen. "Ich mache meine Entscheidungen aber nicht von anderen abhängig."

All die Transfergerüchte stören nicht die Vorbereitung auf das Spiel gegen Wales, wie der Kapitän versichert, der mit dem Druck der Öffentlichkeit vor dem Alles-oder-Nichts-Match gut umgehen kann. "Der Druck war von Beginn an in der Quali sehr groß. Wir haben aber auch mit der guten EM-Qualifikation davor die Latte sehr hoch gelegt."

Aufwärtstrend

Der 29-Jährige ortet im Jahr 2017 dennoch einen Aufwärtstrend. "Weil seit der EURO sehr viel Negatives geschehen ist, und wir haben uns schon aus dieser Situation heraus gekämpft. Diesen Trend wollen wir in Cardiff bestätigen." Martin Harnik teilt diese Meinung. "Die Ergebnisse in dieser Qualifikation waren weniger gut als unsre Leistungen. Wir haben in Irland zum Beispiel eine Hälfte lang wirklich gut gespielt." Letztlich zu wenig für einen Sieg.

Im Herbst soll das Maximum erreicht werden. "Wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst. Wie gegen Irland wird es gegen Wales ein sehr physisches Spiel, noch dazu mit zwei Weltklassespielern wie Bale und Ramsey. Aber wir stehen ja auch noch auf dem Platz." Vor allem das spielerische Element soll ins Treffen geführt werden, "weil wir spielerisch besser sind als Wales".

Geprellter Burgstaller

Kaum gerieten sämtliche Transfergerüchte wieder in den Hintergrund, hatte Marcel Koller mit einer anderen Unwägbarkeit zu kämpfen. Der Teamchef muss in Cardiff auf Guido Burgstaller verzichten. Der Schalke-Stürmer fällt aufgrund einer Prellung am rechten Fuß aus. Koller hat Stefan Hierländer von Sturm Graz nachnominiert. Somit wird wahrscheinlich Marc Janko einmal mehr als Spitze fungieren.

Vielleicht wird ihm Hannover-Stürmer Harnik als zweiter Angreifer zur Seite stehen, möglich, dass er wie üblich über die rechte Flanke für frischen Wind sorgt. "Ich bin offensiv recht flexibel. Ich habe ein Raumgefühl und bewege mich gut in die freien Räume", meint er nicht ohne Selbstvertrauen.

Mögliche Transfers hin, Ausfälle her. Die Stimmung im Team ist nach Meinung der Spieler ungebrochen gut. Auch bei jenen, die über wenig Spielpraxis verfügen. Harnik: "Wir reden miteinander, sind aber keine Therapie-Gruppe. Alle sind Profis, alle wissen, dass es in unserem Job nicht immer nur in die eine Richtung gehen kann."