Immer wieder: Auf der Tribüne in Beaver Creek war jeden Tag sportlich faire Partystimmung.

© APA/EXPA/ Johann Groder

WM-Schlussstrich
02/16/2015

WM-Bilanz: ÖSV-Medaillen- hagel und Partystimmung

Ein Tag schlechtes Wetter, doch kein Tag mit schlechter Stimmung - es war eine schöne, es war eine würdige Weltmeisterschaft.

von Christina Pertl, Stefan Sigwarth

Für manch einen ist es schade, dass die dritte WM im Vail Valley schon zu Ende ist. Philipp Schörghofer zum Beispiel, im Riesenslalom am Freitag Zehnter, könnte wohl schon bald auf dem Golfplatz von Beaver Creek einige Löcher spielen – das Tauwetter hat in den letzten zwei Wochen weite Flächen des Areals freigelegt. Und wer österreichischer Schülermeister war, der freut sich, auch einmal auf einem neuen Kurs spielen zu können.

War im Tal von Vail bei unserer Ankunft noch eine Art von Winter zu spüren, so hat sich das spätestens nach dem abgesagten Herren-Super-G gewandelt: Aus Schnee wurde Gatsch, aus Gatsch wurde Staub; Sonnenschutz war unabdingbar. Und am Samstag wurde der bisherige WM-Hitzerekord (16,6 Grad) an der Wetterstation in der Highlands Lane zu Beaver Creek in 2517 Meter Höhe sogar noch um vier Zehntelgrade überboten.

Trotzdem gab es tolle Bewerbe, alle Rennpisten sind ja auf Nordhängen angelegt, die Luftfeuchtigkeit ist niedrig, das hilft dem Schnee beim Nicht-Tauen; und bewundernswert war die Langmut, mit der die US-Fans das Warten aufs erste Gold ertragen haben.

Jubel, Trubel ...

Überhaupt, die Fans: "Do kummt jo eh kana" – Irrtum. Ob bei Damen- und Herren-Abfahrt nun wirklich jene knapp 20.000 Menschen an der Piste waren, von denen die Veranstalter schwärmten, sei einmal dahingestellt; aber um die 15.000 werden es schon gewesen sein. Insgesamt 125.000 sollten es nach den insgesamt elf Bewerben sein. Tatsache ist: Die Rennen waren gut besucht, sie waren überraschend stimmungsvoll – und wer einmal gesehen hat, wie 3500 Amerikaner, Franzosen, Österreicher, Schweizer, und, und, und, nach den Vorgaben der Cheerleader auf der Zieltribüne tanzen, um die TV-Werbepause zu überbrücken, der hat eine feine Erinnerung an eine Gänsehaut.

Wie das Wetter, so präsentierten sich auch die Gastgeber: sonnig. Keine Frage war zu blöd, kein Anliegen zu absurd, selbst die so streng aussehenden Herren von der Colorado State Police hatten ein Lächeln für die Gäste aus 70 Ländern übrig. Und dass Ceil Folz, die Chefin des Organisationskomitees, dafür sorgte, dass vor dem Pressezentrum ein Rauchereck mit Blechkübeln als Aschenbecher eingerichtet wurde, beendete eine lange Diskussion zwischen FIS-Chef Gian Franco Kasper und einem eifrigen Herren vom Sicherheitsdienst (der wir beiwohnten – und die wir mit der Blechkübel-Idee beendet haben, kein Schmäh).

... Heiterkeit!

Auch die Fahrten mit den Shuttlebussen waren stets ein Erlebnis. Mandy – Leser unserer Kolumne werden sich erinnern – haben wir mehrfach erlebt. Unvergessen blieb uns, wie sie einmal in der Mitte des Busses stand und wirklich jeden Kubikzentimeter mit Menschen füllte ("rückt zusammen, da passen noch drei rein") – und dann draufkam, dass da noch irgendetwas war: "Könntet Ihr mich mal nach vorn durchlassen? Ich bin die Fahrerin."

Jäger und Sammler

Sportlich gab es wenig Grund zur Klage, zumindest für die Fans des ÖSV:Anna Fenningerholte gleich im ersten WM-Bewerb Super-G-Gold (vor der SloweninTina Maze),Hannes Reicheltlegte im einzigen witterungsbedingt verschobenen Bewerb dieser zwei Wochen nach (nicht vor Tina Maze, sondern vor dem erstaunlichen Kanadier Dustin Cook). Die slowenische Führende im Gesamtweltcup revanchierte sich dann in der Abfahrt, Fenninger blieb Silber, während die ÖSV-Herren leer ausgingen, wie seit 2005 übrigens, als Michael Walchhofer Bronze holte. Dafür feierten die Schweizer ihre einzigen beiden Medaillen: Gold für Patrick Küng, Bronze fürBeat Feuz.

Auf Gold im Teambewerb folgten Silber (Nicole Hosp) und Bronze (Michaela Kirchgasser) hinter Tina Maze in der Damen-Kombi, bei den Herren siegte Marcel Hirscher. Und im Riesenslalom erntete Anna Fenninger ihr zweites Gold, während bei den Herren Marcel Hirscher sich einem unfassbar guten Ted Ligety beugen musste. Eine Verbeugung gebührt den Blechvögeln: Nicole Schmidhofer (Abfahrt), Cornelia Hütter (Super-G), Anna Fenninger (Kombi), Matthias Mayer (Abfahrt) und Romed Baumann (Kombi) wurden Vierte.

Ja, es war stressig, wir sind morgens um sieben Uhr aufgestanden und haben die Computer gestartet – und die Arbeitstage waren exakt vier Mal vor Mitternacht zu Ende (danke, Zeitverschiebung!). Das doch etwas gröbere Hoppala am letzten Mittwoch war dann jenes Sahnehäubchen, auf das wir gern verzichtet hätten.

Aber, und das sagen nicht nur wir, es war eine schöne, es war eine würdige Weltmeisterschaft. Und der oberste Alpinfunktionär des ÖSV hat ohnehin schon gescherzt, man solle doch einfach jede WM hier machen, wo es so viele Medaillen gegeben hat und so viel Ruhe für die Sportler. Wir sagen: Wegen uns gern – aber dann bitte ohne Zeitverschiebung.

Wie Deutschland bei der Fußball-WM haben wir unser Wintermärchen gehabt

Geschätzte 800 Millionen Fernsehzuschauer weltweit, Rekord-TV-Quoten für den Skisport in den USA – die Organisatoren der Ski-WM in Vail und Beaver Creek zogen höchst zufrieden Bilanz. Mit 125.000 Zuschauern bei den elf Bewerben wurden die Erwartungen deutlich übertroffen, und nach den Erfolgen von Ted Ligety und Mikaela Shiffrin wurden endlich auch die Mühen der Veranstalter und Fans belohnt.

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum freute sich, dass seine Athleten die Medaillenziele ("sechs bis acht") bei Weitem übertroffen haben. "So wie die Deutschen bei der Fußball-WM 2014 haben wir unser Wintermärchen gehabt", sagte der Oberösterreicher.

Freilich setzten die Herren Abfahrer auch mit Matthias Mayer, dem Olympiasieger von 2014, und Hannes Reichelt, dem Super-G-Weltmeister von Beaver Creek, ihre medaillenlose Serie bei Weltmeisterschaften fort. "Eine logische Erklärung gibt es nicht", erklärte Pum, "wir waren ja gut drauf und auch in den Trainings vorn dabei – und es sind ja immer andere Leute in unterschiedlichen Rennen am Start gewesen. Aber oft sind die Speedbewerbe bei Weltmeisterschaften nicht die Rennen der Favoriten, das hat beispielsweise auch Kjetil Jansrud merken müssen."

Das Nachwuchsproblem in den technischen Disziplinen ist derzeit jener Punkt, in den ein Großteil der Arbeit investiert wird. "Wir werden jetzt sicher nicht den Fehler begehen, uns auf den Lorbeeren dieser WM auszuruhen" , versichert Hans Pum. Denn die nächste WM, 2017 in St. Moritz, soll wieder so erfolgreich werden.

Hans Pum führt die WM-Reise weiter nach Schweden: Ab Donnerstag suchen die Nordischen in Falun ihre Besten. Pünktlich zum Start werden übrigens auch dort Plusgrade herrschen.