über Busfahrten bei der Ski-WM
02/06/2015

Danke, Mandy!

von Christina Pertl

Irgendwie übt der öffentliche Verkehr in den USA auf mich eine gewisse Faszination aus.

Christina Pertl | über Busfahrten bei der Ski-WM

Ja, schon wieder Busfahren. Ich weiß. Vielleicht auch nicht der letzte Kommentar zu diesem Thema. Aber irgendwie übt der öffentliche Verkehr in den USA auf mich eine gewisse Faszination aus. Vielleicht auch, weil vieles so anders abläuft als zu Hause.

Da gibt es zum Beispiel Mandy. Die Dame Ende 40 fährt einen Shuttle-Bus, der während der WM zwischen den Parkplätzen hin - und herpendelt. Gegen fünf Uhr nachmittags dreht sie zum letzten Mal ihre Runde. Mandy ist fröhlich. Das ist in den USA kein ungewöhnlicher Zustand für den Lenker eines öffentlichen Verkehrsmittels.

"Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen", lautet in Österreichs Bussen der Warnhinweis. Ein Gebot, das man in Colorado vergebens sucht. Nicht dass so ein Schild unsere resolute Mandy davon hätte abhalten können, ihrem neuen Freund Jake ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Der 25-jährige Herr mit der schwarzen Schirmkappe ist vor zwei Stationen zugestiegen. Mittlerweile haben die beiden schon die Themen Beruf (Mandy war bereits bei den X-Games in Aspen vor Kurzem Shuttle-Fahrerin), Familie (erstes Enkelkind wird erwartet) und Hobbys (Natur und Wildtiere schauen) durch. Hätte die Fahrt noch länger gedauert, Jake und Mandy hätten wohl einen gemeinsamen Sommer-Urlaub geplant.

Solche Unterhaltungen über Gott und die Welt zwischen völlig Fremden stehen in amerikanischen Bussen an der Tagesordnung. Wer Gesprächsbedarf hat oder auf der Suche nach einem Lebensmenschen ist, wartet ganz einfach an der Haltestelle.

"Woher kommen denn Sie?", "Wien, wirklich? Ich kenne da jemanden, kennen Sie den zufällig auch?" Oder einfach: "Wie geht’s?" – auf solch indiskrete Fragen muss man beim Einsteigen vorbereitet sein. Als auf Abweisung getrimmter österreichischer U-Bahn-Fahrer unterdrückt man den Reflex des "Was geht denn Sie das an?"

Und siehe da, man stellt fest: Es kann eigentlich mitunter ganz charmant sein, zu wissen, wer Schulter an Schulter neben einem sitzt.

Danke, Mandy!

christina.pertl@kurier.at

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