Jagr mit dem Puck zum 1888 Scorerpunkt und dem goldenen Schläger

© APA/AFP/GETTY IMAGES/Joel Auerbach

Eishockey
12/24/2016

Warum Jaromir Jagr mit 44 Jahren noch zu den Besten zählt

Der 44-jährige Eishockey-Star Jaromir Jagr ist mit 1888 Scorerpunkten die Nummer 2 der Scorerwertung.

von Peter Karlik

Mit 1:3 verloren die Florida Panthers am Donnerstag gegen die Boston Bruins.

In Miami kümmerte sich kaum jemand um den sportlichen Ausgang der Partie. Der Grund dafür ist die Zahl 1888. So viele Scorerpunkte erreichte Jaromir Jagr mit seinem Assist beim einzigen Treffer von Florida. Damit ist der Tscheche die Nummer zwei in der ewigen Bestenliste hinter dem mit 2857 Punkte uneinholbar Führenden Wayne Gretzky. Mark Messier (1887) ist jetzt Dritter.

Die Legenden stellten sich sofort mit Videobotschaften ein. "Gratulation. Du bist auf der ganzen Welt ein großartiger Botschafter des Eishockeys", sagte Gretzky, der gegen den Jagr neun Saisonen in der National Hockey League gespielt hatte.

23. NHL-Saison

Als Jagr am 5. Oktober 1990 mit 18 Jahren in die NHL zu Pittsburgh kam, waren 20 seiner jetzigen Teamkollegen bei Florida noch nicht einmal geboren. Die aktuelle Saison ist bereits die 23. des 44-Jährigen. In 34 Partien hat er sechs Tore erzielt und leistete 14 Assists. Über den Rekord-Scorerpunkt gab er lächelnd zu: "Ich dachte, es wird ein Tor oder ein schöner Pass. Aber sie haben mir einfach auf den Hintern geschossen."

Im Frühjahr hatte Jagr Gordie Howe überholt. Jenen kanadischen Dauerläufer, der 1946 als 18-Jähriger in die NHL kam und mit 52 Jahren 1980 seine letzte Saison spielte. Howe hatte 1850 Scorerpunkte gesammelt. Und er prägte einen Begriff: Bei einem "Gordie-Howe-Hattrick" kommt ein Spieler auf ein Tor, einen Assist und eine Schlägerei in einer Partie."

Vertragsbedingung

Mit den Fäusten war Jaromir Jagr kaum zu sehen. Ihm geht es nur um das Spiel. Bei Vertragsverhandlungen war Geld natürlich ein Thema, aber genauso wichtig war ihm bei seinen letzten Teams der uneingeschränkte Zugang zu den Trainingshallen. Meistens bleibt Jagr nach dem Mannschaftstraining auf dem Eis und übt weiter. "Wenn du lange spielen willst, dann musst du sich anpassen. Vor 15 Jahren wusste ich, dass die Hälfte meiner Schüsse ins Tor geht. Heute sind die Goalies so gut, dass das nicht mehr klappt", sagte er nach dem Spiel am Donnerstag. Geehrt wurde Jagr mit einem vergoldeten Schläger. Sein erster Gedanke? "Der ist ja genauso schwer wie die Schläger 1990, als ich in die NHL gekommen bin."

Der Anfang

Jagr erinnerte sich nach der Zeremonie, weshalb er Eishockey-Profi wurde: "Es war eine harte Zeit für meine Eltern im Kommunismus. Mein Vater wusste, dass ich ein guter Sportler werden muss, um ein besseres Leben zu haben als er. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar. Sie haben sich für mich aufgeopfert." Jagr hat einen unbändigen Willen entfacht. "Ich habe von klein auf acht Stunden am Tag trainiert. Für mich ist Eishockeyspielen wie Urlaub."

Nicht nur seine Eltern sind für den 44-jährigen immer präsent. Auch sein Großvater: Jagrs Rückennummer 68 wählte er zur Erinnerung an seinen Großvater, der 1968 während des Prager Frühlings im Gefängnis gestorben ist.

Gerüchte

Obwohl Jagr in seiner Karriere mehr als 120 Millionen Dollar verdiente, halten sich Gerüchte, er müsste aus finanziellen Gründen wegen Spielschulden weiterspielen. In der laufenden Saison kassiert er in Florida vier Millionen Dollar. Es klingt trotz aller Gerüchte glaubhaft, wenn Jagr sagt: "Ich liebe dieses Spiel so sehr und werde alles machen, damit ich noch möglichst lange auf dem Eis stehen kann."

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