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Sport Wintersport
08/24/2020

Warum der ÖSV Geisterrennen leicht verschmerzen kann

Die Ticketerlöse sind nicht die wichtigste Einnahmequelle des Skiverbandes. Alles dreht sich um den TV-Vertrag.

von Christoph Geiler

Wenn die Skistars in nicht einmal zwei Monaten zum Weltcupauftakt ins Ötztal reisen, dann werden sie Sölden und den Rettenbachferner kaum wiedererkennen. Normalerweise steht die 3000-Seelen-Gemeinde, die in Österreich nach Wien die meisten Nächtigungen verzeichnet, beim Winter-Opening Kopf und ist bis auf das letzte Hotelbett ausgebucht. Wegen Corona wird der Ort diesmal verwaist sein, weil die Hotels am 17. und 18. Oktober ausschließlich für die Athleten, Betreuer, Offiziellen und Journalisten öffnen.

Auch hoch oben am Gletscher wird sich den Sportlern rund um die Geisterrennen ein ungewohntes Bild bieten. Es fehlen ja nicht nur die Fans entlang der Piste und auf den Tribünen. Ohne die riesigen Showbühnen, die Besucherzelte und Verkaufsstände wird sich kaum ein Rennläufer nach dem Abschwingen im Zielraum eines Weltcuprennens wähnen.

Sicherheit geht vor

Grundsätzlich wäre es dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) als Veranstalter sehr wohl möglich gewesen, die Gletscherrennen auch vor einer kleinen Zuschauerkulisse durchzuführen. Seitens der Behörden hätte es diesbezüglich keine Einwände gegeben, doch die Verantwortlichen beim ÖSV nahmen sehr rasch von dieser Idee Abstand. Man wolle im ersten Rennen des Winters kein unnötiges Risiko eingehen und tunlichst negative Schlagzeilen verhindern, heißt es aus der Verbandszentrale. Die notwendigen Sicherheitskosten für 3.000 oder 4.000 Fans würden zudem in keinem Verhältnis zu den Eintrittserlösen stehen.

Ohnehin hält sich für den Skiverband der finanzielle Schaden durch die Geisterrennen in Grenzen: Die Zuschauereinnahmen sind bei weitem nicht so ein wichtiger Faktor wie in anderen Sportarten. „Das Entscheidende ist die Erfüllung des TV-Vertrages. Das heißt: Die Rennen müssen gefahren werden“, lässt ein ÖSV-Mitarbeiter verlautbaren. Der zweitwichtigste Faktor sind die Werbeeinnahmen, die Ticketerlöse seien „leichter zu verkraften“. Vor allem dann, wenn um teures Geld Zusatztribünen und andere mobile Infrastruktur-Einrichtungen aufgestellt werden müssen.

Anders stellt sich die Situation beim Skispringen dar: Bei den beiden Tourneespringen am Bergisel und in Bischofshofen gibt es bestehende Stadien, entsprechend hoch und wichtig sind für diese Veranstaltungen auch die Eintrittserlöse. Sollten diese beiden Wettkämpfe ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, wäre der finanzielle Schaden enorm.

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