Sport | Wintersport
05.12.2011

Unbeeindruckte Vonn hängt alle ab

Mit knapp zwei Sekunden Vorsprung verhöhnt die US-Amerikanerin in der Abfahrt die Konkurrenz geradezu.

Man muss weit zurückblättern, um etwas zu finden wie das, was sich am Freitag in der Damen-Abfahrt Lake Louise zugetragen hat. In die Ära einer gewissen Annemarie Moser-Pröll, um genau zu sein, die in den 1970er-Jahren ihre Konkurrenz das Fürchten lehrte. In Chamonix schaffte die Salzburgerin im Winter 1972/'73 einmal den Rekordvorsprung von 2,96 Sekunden auf die bemitleidenswerte Wiltrud Drexel, die war damals die Beste vom Rest der Welt.

Ähnlich gefrotzelt hätten sich am Freitag die Konkurrentinnen von Lindsey Vonn fühlen müssen. Rückstand zwischen 1,95 Sekunden (wie bei der Liechtensteiner Zweiten Tina Weirather) und 6,94 Sekunden (wie bei der amerikanischen Letzten Brooke Wales).

Ja, sie hätten sich veralbert vorkommen müssen, aber das taten sie nicht. Stattdessen gab es Lob und Bewunderung dafür, wie Lindsey Vonn dem emotionalen und medialen Hurrikan standgehalten hat, der seit Montag über die in Scheidung befindliche 27-Jährige hinwegbraust.

Voglreiter beste Österreicherin

"Sie ist unglaublich, dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen", sagte die Deutsche Maria Höfl-Riesch über ihre Jetzt-doch-wieder-Freundin, die sich artig bedankte für den Rückhalt, den ihr Team, Familie und Freunde geben. "Das war eine Demonstration, einfach schön", sagte Weltmeisterin Elisabeth Görgl, die noch mit den Folgen ihres Trainingssturzes vom Donnerstag zu kämpfen hatte.

Und Lindsey Vonn? "Ich hab' einfach gedacht, o.k., ich werde alles geben, weil das Skifahren das ist, wo ich mich wohlfühle. Bei all dem, was um mich herum im Moment passiert, ist das einfach nur ein Traum."

Einen solchen erlebte auch Tina Weirather, 22, die nach schweren Verletzungen wieder den Anschluss an die Weltspitze gefunden hat. Und Mariella Voglreiter rettete als Fünfte das Ergebnis der Österreicherinnen und mehr noch sich selbst vor dem Verzweifeln. Denn dem, so gestand die 21-Jährige, dem sei sie nach so vielen Problemen schon ganz nah gewesen.