Schmerzhafte Erfahrung: Wellinger ging mehrmals k.o.

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Sport | Wintersport
01/07/2019

Tourneebilanz: Die Flugbegleiter des Alleinunterhalters

Viele Favoriten stürzten ab, ein junger Österreicher zeigte auf, und ein Japaner stahl sowieso allen die Show.

Die 67. Vierschanzentournee war für die Österreicher bereits zur Halbzeit gelaufen: Wie in der vergangenen Saison spielten  die ÖSV-Adler im Kampf um den Gesamtsieg keine  Rolle. Immerhin nahm die Tournee in Bischofshofen  mit dem dritten Rang von Stefan Kraft ein versöhnliches Ende.

Der KURIER lässt die Tournee noch einmal Revue passieren und vergibt Haltungsnoten.

- 0,5 Die Prevc-Brüder

Es ist noch nicht so lange her, dass Ryoyu Kobayashi ein Slowene war und auf den Namen Peter Prevc hörte. Der 26-Jährige dominierte dereinst das Skispringen ähnlich wie der Japaner in diesem Winter. Noch immer hält Peter Prevc die Bestmarke für die meisten Siege (15) und Punkte (2303) in einer Saison. Mit dem Rekordmann aus dem Winter 2015/’16 hat der Slowene seit einiger Zeit nichts mehr gemeinsam: Nach seinem 61. Platz in der Qualifikation von Partenkirchen beendete er die Tournee vorzeitig und nahm seinen jüngeren Bruder Domen gleich mit.

- 7,0 Sabyrschan Muminow

Man kann nicht behaupten, dass der Kasache auf der Schanze einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Selbst die Vorspringer waren oft länger in der Luft als der 24-Jährige, der immerhin zwei Mal in der Qualifikation Vorletzter wurde. Weit spektakulärer war, was Sabyrschan Muminow im Auslauf anstellte. Am Bergisel raste der Kasache nach seinem Sprüngchen ungebremst in die Werbebande am Gegenhang und flog kopfüber in den Zuschauerbereich. Das wichtigste: Muminow blieb bei diesem Ausritt unverletzt.

  •  14,0 Andreas Wellinger

Der Deutsche wird erleichtert gewesen sein, als beim finalen Bewerb in Bischofshofen der K.-o.-Modus ausgesetzt wurde, nachdem der 23-Jährige bei dieser Tournee pausenlos k.o. gegangen war. Und stets hatte der Olympiasieger von PyeongChang in einem Österreicher seinen Meister gefunden. In Oberstdorf wurde Wellinger von Markus Schiffner eliminiert, in Partenkirchen und in Innsbruck war er Daniel Huber unterlegen.

  •  15,5 Piotr Zyla

Bis zur Tournee war der Pole ein Muster an Konstanz (fünf Podestplätze) und wurde daher zurecht in den Rang eines Mitfavoriten auf den Gesamtsieg erhoben. Am Ende war Zyla vom Triumph in etwa so weit entfernt wie sein Heimatort Cieszyn von Bischofshofen. Über Weihnachten ist dem Routinier die Form abhandengekommen, in Innsbruck schaffte er nicht einmal mehr den Sprung in den zweiten Durchgang.

  •  17,5 Jan Hörl

Der junge Österreicher (20) lieferte eine gelungene Talentprobe ab. Es gibt nicht viele Springer, die bei ihrem ersten Weltcupeinsatz gleich in den Punkterängen landen. Der 29. von Innsbruck ist ein Versprechen für die Zukunft.

  •  18, Stefan Kraft

Er werde sich vor der nächsten Tournee möglicherweise für einige Tage in Garmisch einmieten, hatte Stefan Kraft während dieser Tournee gemeint. Vielleicht hilft das ja, damit sich der Salzburger endlich mit dem Olympia-Bakken anfreundet. Wie  im Vorjahr verpatzte Kraft die Tournee beim Neujahrsspringen. Der  49. Platz von Garmisch trübte die Bilanz von Kraft,  der drei Mal auf dem Podest landete

  •  18,5 Anton Innauer

Wer dem Doyen des Skispringens zuhört, der braucht nicht diese neumodischen Absprung-Anzeigen und Daten, die bei dieser Tournee ständig eingeblendet wurden. Der frühere ÖSV-Direktor veranschaulichte in seiner Rolle als ZDF-Experte den komplizierten Absprungvorgang dodeleinfach mit einem Meterstab. „So habe ich das Skispringen schon in Stams vereinfacht dargestellt“, meinte Innauer.

  •  19,0 Andreas Felder

Die Ruhe und Souveränität, die der Chefcoach ausstrahlt, würde man einigen seiner Springer wünschen. Den 56-jährigen Tiroler scheint nichts aus der Bahn werfen zu können, Felder weckt einerseits keine falschen Hoffnungen, andererseits spricht er die Probleme klar an. Und dass er nicht so ins Rampenlicht drängt wie so mancher seiner Vorgänger, ist ebenfalls eine Wohltat.

  •  20,0 Ryoyu Kobayashi

Bis zu dieser Saison hatte der Japaner in seiner Laufbahn ganze 242 Weltcuppunkte gesammelt und war lediglich V-Stil-Insidern bekannt. Über den Sommer hat der 22-Jährige sämtliche Sprossen auf der Karriereleiter übersprungen und lässt eine staunende Konkurrenz zurück. Als zweiter Japaner nach Kazuyoshi Funaki (1997/'98) gewann er die Tournee, als dritter Springer nach Sven Hannawald (GER) und Kamil Stoch (POL) holte er sich den Grand-Slam und feierte vier Tagessiege. Woher kommt diese Leistungsexplosion? Wie macht er das bloß? Was ist sein Geheimnis? „Eigentlich macht er nichts Besonderes“, sagt ÖSV-Coach Andreas Felder, „er macht einfach nur das richtig, was er richtig machen muss.“

  •  20,0 Skiclub Bischofshofen

Wer die Schneemassen gesehen hat, die in den vergangenen Tagen auf Bischofshofen niedergegangen sind, der hätte es nie für möglich gehalten, dass das Springen am Sonntag programmgemäß stattfinden würde. Die fleißigen Helfer vom Skiclub Bischofshofen schaufelten sich in etlichen Sonderschichten die Finger wund und machten mit ihrem unermüdlichen Einsatz das Finale perfekt. In Wahrheit ist sogar die 20,0 noch zu niedrig.