Sport | Wintersport
05.12.2011

Teure Sommertrainings der Ski-Asse

Der ÖSV schickt im August 100 Personen und 20 Tonnen Gepäck um die Welt. Kostenpunkt: 750.000 Euro.

Winter mitten im Sommer" heißt es diesen August einmal mehr für Österreichs alpine Ski-Asse. Nach mehrwöchigen Konditionsblöcken und den ersten Schnee-Kursen in Hallen sowie auf europäischen Gletschern, geht es nun ab zu den Pinguinen auf die Südhalbkugel. Bei den Trainings in Neuseeland, Chile und Argentinien wird die Basis für die Erfolge im kommenden Winter gelegt. Die prominentesten Abwesenden in Übersee sind Benjamin Raich, Hans Grugger und Kathrin Zettel.

Raich steigt nach seinem im Februar erlittenen Kreuzbandriss Mitte August zu Hause erstmals wieder auf Ski. Zettel ist noch mit dem körperlichen Aufbau beschäftigt, Grugger verarbeitet sein Schädel-Hirn-Trauma. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) verschickt dennoch wieder ein Großaufgebot von rund 100 Personen und fast 20 Tonnen Gepäck quer über den Erdball. Die Gesamtkosten für das " Sommertraining", bei dem Elisabeth Görgl und Co. mehrtägige Anreisen und Jetlags in Kauf nehmen, betragen rund eine dreiviertel Million Euro.

Die Wintercamps auf der Südhalbkugel sind der kostspieligste Teil des ÖSV-Sommertrainings, das von Mai bis Oktober geht und Skirennsport längst zu einem Ganzjahressport gemacht hat. Deshalb greifen selbst in Österreich die Rennläufer mittlerweile in die eigene Tasche und schießen einen "Selbstbehalt" von bis zu 1.000 Euro zu.

Chile, Argentinien und Neuseeland

Den Anfang machten diese Woche die von Görgl, Marlies Schild, Anna Fenninger und Nicole Hosp angeführten Damen von Cheftrainer Herbert Mandl mit dem über 25-stündigen Flug nach Neuseeland. Mit den von Lindsey Vonn und Julia Mancuso angeführten US-Damen ist die Konkurrenz bereits dort. Mandl hat seinen gesamten Weltcupkader am pazifischen Tor zur Antarktis versammelt, der Schwerpunkt Technik-Training gilt auch für die Abfahrerinnen.

Die Herren-Slalomtruppe rund um Marcel Hirscher und Reinfried Herbst folgt nach einem weiteren Schneekurs am Stilfserjoch den Damen am 19.8. ins "Kiwi"-Land, während die Speed-Herren von Trainer Andreas Evers mit Klaus Kröll und dem wieder fitten Mario Scheiber ab 18. August in Portillo (Chile) trainieren.

Wenn alle Anfang September hoffentlich heil wieder in der Heimat sind, stehen die Skifahrer bereits über vier Monate im Training. Mit weiteren Gletscherkursen im Herbst holen sie sich dann den Feinschliff für die fünfmonatige Rennsaison, die diesmal am 22./23. Oktober in Sölden beginnt und mit der großen WM-Generalprobe von 14. bis 18. März 2012 in Schladming endet.

Dass Skirennsport auf Topniveau ein kostspieliges Ganzjahresereignis ist, weiß niemand besser als ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. "Das war es aber immer schon", so der langjährige Alpinchef. Für die Camps in Neuseeland und Südamerika wünscht sich Pum vor allem zwei Dinge: "Dass gut trainiert werden kann und dass alle wieder gesund nach Hause kommen."