Sport | Wintersport
08.12.2018

Stadlober: „Schau, dass du ja richtig abbiegst“

Teresa Stadlober war bei Olympia auf Medaillenkurs. Dann verirrte sie sich in der Loipe. Wie sie mit dem Malheur umgeht.

Manche Fragen würde man sich als Journalist manchmal lieber verkneifen. Um nicht in alten Wunden zu bohren, sondern die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Als wäre Teresa Stadlober mit ihrer Geschichte nicht ohnehin schon gestraft genug.

Andererseits war das, was der Salzburger Langläuferin bei Olympia widerfahren ist, dermaßen kurios, dass man fast nicht umhin kommt, bei Teresa Stadlober nachzufragen, ob und wie sie das alles weggesteckt hat. „Das wird die Teresa ihr Leben lang verfolgen“, weiß Trainerpapa Alois, „so was bleibt hängen.“

Auf Medaillenkurs

Rückblende, der 25. Februar, Schlusstag der Winterspiele in PyeongChang. Als letzte österreichische Athletin ist Teresa Stadlober im Einsatz, 30 Kilometer in der klassischen Technik, der erklärte Lieblingsbewerb der 25-Jährigen. Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) hat extra um eine Verlängerung der Meldefrist für den offiziellen Fahnenträger bei der Schlusszeremonie gebeten, weil alles auf ein Happy End in der Loipe hofft.

Als Stadlober schließlich zehn Kilometer vor dem Ziel in der Verfolgergruppe eine Attacke startet und allein hinter der Norwegerin Marit Bjørgen Richtung Silbermedaille läuft, werden im Haus Austria in PyeongChang bereits Fangesänge auf die Langläuferin angestimmt. Wenige Augenblicke später herrscht dort, wo zuvor noch riesige Euphorie zu spüren war, plötzlich nur mehr blankes Entsetzen.

Dumm gelaufen

Noch heute fragt sich Papa Alois Stadlober, der damals das Rennen für den ORF kommentierte: „Wie kann so etwas passieren?“ Wie in aller Welt konnte es passieren, dass Teresa Stadlober in der Loipe auf einmal die Spur verlässt, rechts abbiegt und einen Hügel hinauf läuft, anstatt wie in den Runden zuvor die Abfahrt zu nehmen? Wie konnte es beim wichtigsten Wettkampf des Jahres nur so dumm laufen?

„Du rechnest mit vielem. Dass vielleicht ein Ski oder ein Stock bricht, dass man in einer Abfahrt stürzt. Aber du rechnest nicht damit, dass sich wer verläuft“, sagt Alois Stadlober, der bei der Liveübertragung völlig fassungslos auf das Malheur seiner Tochter reagierte. Die Bilder und der Kommentar vom perplexen TV-Experten und Papa („Ich weiß nicht, wo die hin rennt. Die Silbermedaille kann sie jetzt auf Papier aufzeichnen und ausschneiden“) gingen um die Welt.

Auch Teresa Stadlober hat sich diese Übertragung später angesehen. „Einmal, das hat mir gereicht“, verrät die Radstädterin. Manch andere hätte ein solcher Fauxpas womöglich aus der Bahn geworfen, viele hätten sich nach so einem Lapsus verkrochen und über dieses Ereignis ein für allemal den Mantel des Schweigens gehüllt.

Keine Schlafstörung

Aber genau das tut Teresa Stadlober eben nicht. Sie hat auch überhaupt kein Problem damit, dass sie heute noch immer auf das 30er-Rennen in PyeongChang angesprochen wird. „Ich kann ja sogar verstehen, dass das die Leute interessiert. Wie’s mir geht, ob ich das alles schon verdaut habe“, sagt Stadlober im KURIER-Gespräch.

Wer die Salzburgerin bei ihren starken ersten Weltcuprennen in Skandinavien erlebt hat, der weiß, dass die verpasste Olympiamedaille bei ihr keine Spuren hinterlassen hat. Ganz im Gegenteil, ihr Erfolgshunger ist dadurch nur noch größer geworden. „Unabhängig von Olympia hatte ich ja die beste Saison meiner Karriere, ich habe gesehen, dass ich unter die ersten drei laufen kann“, meint Stadlober. „Deshalb trauere ich der Medaille nicht nach und habe auch keine Schlafstörungen.“

Viel Humor

Es war bei der Aufarbeitung des Irrlaufs sicher kein Nachteil, dass Teresa Stadlober aus einer großen Sportlerfamilie stammt, deren Mitgliedern (Papa Alois war Langlauf-Weltmeister, Mama Roswitha Steiner hat zwei Mal den Slalomweltcup gewonnen) in ihren Karrieren auch das eine oder andere Missgeschick erlebt haben. Und dass in der Langlauf-Familie seit jeher der Schmäh rennt, hat vermutlich ebenfalls geholfen. Alois Stadlober, der seine Tochter als Trainer zu vielen Rennen begleitet, gibt seiner Tochter neuerdings gerne den Ratschlag mit auf die Loipe: „Schau, dass du ja richtig abbiegst.“

Der Popularität von Teresa Stadlober haben die skurrilen Szenen bei Olympia jedenfalls nicht geschadet. „Das hat Wellen geschlagen“, weiß die 25-Jährige, „ich glaube nicht, dass die Leute bei einer Medaille so viel über sie geredet hätten", meint Alois Stadlober.

Die nächsten Schlagzeilen will Teresa Stadlober dann allerdings wieder sportlich schreiben. Ihr ganzes Augenmerk gilt der WM in Seefeld (19. Februar bis 3. März). Dort genießt sie Heimvorteil, und dort will sie im Jänner auch noch öfter zu Trainingszwecken die WM-Loipe ablaufen.

Sicher ist sicher.