Lobende Worte für Schlierenzauers Sprünge

Der Tiroler wagt sich am Wochenende erstmals seit zwei Jahren über eine Flugschanze.

Heinz Kuttin musste sich erst gar nicht lange mit den Trainerkollegen beraten. Und auch das Nachfragen bei Gregor Schlierenzauer erübrigte sich. Ein Blick in das Gesicht seines Schützlings genügte, um sicher zu sein, dass Schlierenzauer bereit für den nächsten Schritt ist, bereit für das Skifliegen am Wochenende in Oberstdorf. "Er wird dabei sein, es spricht auch absolut nichts dagegen", erklärt der ÖSV-Cheftrainer.

Eigentlich hatten sie beim ÖSV vor, den erfolgreichsten Skispringer der Weltcup-Historie (53 Siege) nach seiner einjährigen Abwesenheit behutsam heranzuführen und ihm immer wieder Pausen zu gönnen. Doch nach den starken Auftritten am vergangenen Wochenende in Willingen mit Rang sieben im Einzel und dem zweiten Platz im Teambewerb sieht Kuttin keinen Grund, Schlierenzauers Aufwärtstrend unterbrechen zu müssen. "Er ist schon wieder auf einem sehr guten Level", lobt der Coach.

Vor allem aber scheint dem 27-jährigen Tiroler derzeit das Skispringen so viel Spaß zu machen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Freudenausbrüche wie jene nach seinen gelungenen Sprüngen in Willingen hatte man beim erfolgsverwöhnten Stubaier lange nicht mehr gesehen. "Es ist einfach schön, wenn die harte Arbeit mit guten Ergebnissen belohnt wird", sagte Schlierenzauer. "Ich freue mich im Moment auf alles, was kommt."

Teamspirit

Heinz Kuttin hat dieser Tage freilich nicht nur die sportliche Entwicklung des Tirolers im Auge, als Cheftrainer verfolgt er auch ganz genau das Auftreten Schlierenzauers und dessen Umgang mit den Teamkollegen. "Mir taugt es, wie bodenständig und mit welcher Demut er aufritt und wie gut die Mannschaft harmoniert", lobt der Kärntner. "Im Team herrschen derzeit eine große Gelassenheit und ein super Spirit." Sonst wären Leistungen wie in Willingen auch nicht möglich. Schlierenzauer war als Siebenter der viertbeste Österreicher. Hinter Stefan Kraft (2.), Manuel Fettner (3.) und Michael Hayböck (6.).

Ohne den Sitzungen des Verbandes vorgreifen zu wollen – dieses Quartett wird bei der Nordischen WM in Lahti im Einsatz sein, komplettiert wird das Team von Andreas Kofler, der heuer ebenfalls bereits in den Top drei war.

Kofler verzichtet auf ein Antreten beim Skifliegen auf der umgebauten Anlage in Oberstdorf und schiebt einen Trainingsblock ein. Neben Kraft, Fettner, Hayböck und Schlierenzauer gehen am Wochenende auch noch Clemens Aigner, Florian Altenburger und Philipp Aschenwald auf Weitenjagd.

Passionierter Flieger

Für Gregor Schlierenzauer wird es ein ganz besonderes Erlebnis. Seit fast zwei Jahren ist der passionierte Skiflieger nicht mehr über eine Flugschanze gegangen, die Heim-WM im Vorjahr hatte er verpasst. "Schön, wenn’s wieder einmal über 200 Meter geht", sagt der Tiroler, der mit Oberstdorf positive Erinnerungen verbindet. 2008 hatte er hier mit Skiflug-WM-Gold seinen ersten großen Einzeltitel gewonnen.

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