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07.02.2017

Hirscher: "Es ist für mich ein Job geworden"

Hirscher denkt an seine fünf WM-Starts und an ein Karriere-Ende. © Bild: APA/EXPA/JOHANN GRODER

Marcel Hirscher startet heute mit einer neuen Einstellung zum Sport in seine wohl letzte WM.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie souverän und sympathisch sich Marcel Hirscher im Rampenlicht bewegt. Vor seinem ersten WM-Einsatz erfüllte der Superstar geduldig Interviewwünsche und gewährte Einblicke.

Marcel Hirscher über ...

... Erfahrung

"Meine Motivation ist heute anders als früher. Als ich 18 Jahre alt war, war ich jeden Tag on Fire. Ich habe versucht, jeden Tag noch besser und schneller zu werden. Jetzt ist das Skifahren für mich ein Job geworden. Das ist wahrscheinlich in Ihrem Business auch so: Bei Ihrem ersten Interview werden Sie auch noch nervöser gewesen sein als jetzt."

... die Weltmeisterschaft

"Die WM ist etwas Spezielles, natürlich. Vierter werden interessiert hier gar keinen. Und ich bin schon ein paar Mal Vierter geworden. Dafür bin ich nicht da. Ich kann speziell bei einer WM noch mehr aus mir herausholen."

... die WM-Strecke

"Es ist nicht leicht, hier das Gelände einzusehen. Man hat hier keine Anhaltspunkte. Ich habe die Strecke für mich in drei Teile aufgeteilt, so merke ich mir das leichter."


ZUM KURIER-WM-CENTER

... Abfahrt und Super-G

"In Speed-Disziplinen braucht man Erfahrung, und die habe ich nicht. Ich habe bei der Besichtigung oft Probleme, das Renntempo einzuschätzen. Da denke ich mir: Ich werde diese Linie fahren – und dann sehe ich den Reichelt fünf Meter neben mir stehen. Dann merke ich erst: Öha, so wird’s nicht gehen."

... seine Chancen im Super-G

"Wir alle wissen: Wenn enge Kurven drinnen sind, dann kann ich schnell fahren. Wenn es geradeaus geht, tue ich mir nicht so leicht. Wenn es zum Überwinden wird, wird es für mich schwierig. Sollte der unwahrscheinliche Fall einer Medaille eintreten, würde ich mich riesig freuen. Aber Favoriten sind sicher andere."

... seine fünf WM-Starts

"Ich habe schon vor der WM gesagt: Jede Startnummer, die ich bekomme, nehme ich gerne an. Ich freue mich auf jedes Rennen. Ich bin sicher nicht da, um zu denken: So schön ist St. Moritz. Ich bin da, um Medaillen zu gewinnen. Jetzt ist die Frage: Wie viele sind möglich?"

... Erwartungshaltung

"Ich versuche, jeden Strohhalm zu ergreifen, um die Erwartungshaltung zu reduzieren. Manche reden davon, dass ich hier fünf Medaillen gewinnen kann. Möglich ist es auch, aber eigentlich ist es unmöglich. Eine Sensation wäre das. Es hat noch nicht viele Skifahrer gegeben, die das geschafft haben (Lasse Kjus 1999, Benjamin Raich 2005; Anm.). Wenn ich am Ende mit einer einzigen Medaille heimgehe, wäre ich schon zufrieden."

... WM-Stimmung

"Als ich vor ein paar Tagen hergekommen bin, habe ich mich gefragt: Was will ich da? Das ist nicht zu vergleichen mit Schladming vor vier Jahren. Damals hat man schon vor der WM lange auf den Tag X hingefiebert. Jetzt kommt meine Erfahrung dazu. Beim ersten Mal war die Aufregung schon groß. Jetzt kenne ich das alles. Ob das positiv oder negativ ist, sei dahingestellt. Es nimmt die Spannung, aber auch den Druck. Aber die Erfahrung ist sicher der Grund, weshalb ich jetzt relaxter bin als beim ersten Mal."

... seine Rolle als Fahnenträger

"Ich war noch nie Fahnenträger und habe das Angebot gerne angenommen. Denn vielleicht ist das meine letzte Weltmeisterschaft. Darum habe ich das gemacht. Wenn man einmal in der Karriere diese Möglichkeit hat, sollte man sie nutzen."

... seine Zukunft

"Dieses und nächstes Jahr fahre ich sicher. Dann schaue ich weiter."