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11.02.2017

Schlangen-Verschwörung sorgt für erste WM-Absage

Der Nebel war der Spielverderber auf der Corviglia-Piste in St. Moritz. Nun werden beide Abfahrten am Sonntag stattfinden.

Die Designer von Postkarten hätten an diesem Samstag in St. Moritz ihre helle Freude gehabt. Der Himmel über dem Oberengadin schillerte blitzblau, auf den Gipfeln funkelte der Neuschnee, die Sonne überstrahlte diese beeindruckende Kulisse.

St. Moritz machte sich bereit für das nächste Schweizer Skifest nach den zwei Medaillen vom Freitag in der Damen-Kombination. Eine lange Menschenschlange zog sich schon am Vormittag von der Ortsmitte über die unzähligen Stufen und den schneebedeckten Weg bis hinauf ins Zielstadion.

Doch dann hatte eine andere Schlange ihren großen Auftritt: die gefürchtete Malojaschlange. So wird jene Nebelbank genannt, die sich bei Südwind meistens an der nördlichen Talseite von Maloja bis St. Moritz zieht, in 2300 bis 2500 Metern Höhe entlang der Hänge. Über diesen lästigen Spielverderber wurde 1924 sogar ein Kurzfilm gedreht.
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Kuriose Idee

Gian Franco Kasper fiel aus allen Wolken. Der FIS-Präsident, der sich als waschechter St.Moritzer mit den lokalen Wetterphänomen eigentlich auskennen sollte, behauptete im Schweizer Fernsehen, dass es sich bei dem Nebel im mittleren Streckenteil keineswegs um die Malojaschlange handeln würde. Den Veranstaltern gab er den Rat, die Hubschrauber aufsteigen zu lassen, um den Nebel zu verblasen.

Ob nun Lokalmatador Gian Franco Kasper oder doch die Meteorologen recht hatten, ist egal. Tatsache ist: Die stundenlange Schlangen-Beschwörung der 38.000 Fans war umsonst. Nach vielen Verschiebungen wurde die Herren-Abfahrt abgesagt.

Große Probleme

"Das war die einzige Entscheidung. Wir hätten kein faires Rennen herunter gebracht", sagte ÖSV-Herrencoach Andreas Puelacher. Die Absage stellt die Teams und die Veranstalter freilich vor einige Probleme. Denn angesichts von fixen TV-Übertragungszeiten, bereits ausverkauften WM-Bewerbstagen und einem engen Terminkalender steht die FIS nun vor einem Dilemma. Die zeitgleich stattfindende Biathlon-WM in Hochfilzen erschwert die Situation zusätzlich. In wichtigen Werbemärkten wie in Deutschland, Frankreich und in Osteuropa liegt die Priorität der TV-Sender auf den Biathleten.

Am Samstagnachmittag fiel dann in der Mannschaftsführersitzung der Damen die Entscheidung: Beide Abfahrten werden am Sonntag stattfinden. Jene der Damen wurde von 12.00 Uhr auf 11.15 Uhr vorverlegt, die der Herren soll um 13.30 Uhr stattfinden.

Gute Stimmung

Die Fans bekamen von den Diskussionen auf dem Berg nur wenig mit. Sie wurden im Ziel bestens unterhalten.

Die Sonne, die Flugshow der Patrouille Suisse, das Bild von Renndirektor Markus Walder auf der Video-Wand, der alle 30 Minuten eine Verschiebung bekanntgeben musste.

Sie harrten bis zuletzt aus. Und wenn es schon keinen Abfahrts-Weltmeister zu feiern gab, so feierten sie sich zumindest selbst. Palettenweise wurde das Calanda-Bier in den Zielraum geschleppt, dementsprechend lang waren die Schlangen (schon wieder Schlangen!) vor den viel zu wenigen mobilen Toiletten. Um 8 Franken gab es eine Bratwurst zu kaufen, sofern man sich lange genug anstellte, um 9,90 eine WM-Sonnenbrille um 19,90 ein WM-Stirnband. Im Zielraum unterhielt Rapper Knackeboul auf Schweizerdeutsch die Menschen. Zu verstehen waren für den Österreicher nur Wortfragmente wie "Beat" oder " Nebel weg".