Katharina Truppe wurde als 15. bestplatzierte Österreicherin. 

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Sport Wintersport
10/17/2020

Ski-Saisonauftakt in Sölden: Debakel für ÖSV-Damen

Keine Österreicherin schafft im Riesentorlauf den Sprung in die Top Ten. Die Italienerinnen feiern einen Doppelsieg.

Alles anders am ersten Renntag der neuen Saison im Skiweltcup: Keine Zuschauer, keine Stimmung, Mikaela Shiffrin mit Rückenproblemen daheim in Colorado, Viktoria Rebensburg in der Skipension - ungewohnt still war es an diesem Samstag am Rettenbachferner hoch über Sölden. Dazu hing während des ersten Durchgangs im obersten Teil des Kurses im Ötztal eine hartnäckige Nebelbank, dennoch konnte vom Originalstart gefahren werden.

Was sich nicht geändert hat: die Stärke der italienischen Damen. Marta Bassino, 24 Jahre jung und im Piemont daheim, knallte im ersten Lauf mit 1:09,54 Minuten eine Bestzeit hin, an der sich die Kolleginnen auf eisiger Piste die Zähne ausbissen. "Ich bin auch schon im Training gut gefahren", sagte die Riesenslalom-Spezialistin, die im November 2019 in Killington ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte. "Aber ich muss es im zweiten Lauf noch einmal zeigen."

Das tat sie dann auch - und sicherte sich mit 0,14 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Federica Brignone ihren zweiten Erfolg im Weltcup. Dritte wurde die im zweiten Durchgang bärenstarke Slowakin Petra Vlhova, die zur Halbzeit nur auf Rang zehn gelegen war.

Enttäuschende ÖSV-Damen

Die ÖSV-Damen hatten mit der Entscheidung überhaupt nichts zu tun. Erstmals in der Geschichte landete bei einem Weltcup-Riesentorlauf in Sölden keine Österreicherin in den Top Ten. Das bisher schlechteste Ergebnis war Platz 10 von Alexandra Meissnitzer 1996 gewesen. Katharina Truppe war als ÖSV-Beste 15.

Von elf ÖSV-Damen kamen fünf in den zweiten Durchgang. Hinter Truppe landete Stephanie Brunner auf Position 17, Ramona Siebenhofer wurde 19. und Franziska Gritsch 24. Katharina Liensberger schied im zweiten Durchgang nach Halbzeit-Position 23 aus. Eva-Maria Brem, Bernadette Schild, Elisa Mörzinger und Nadine Fest verpassten die Qualifikation für das Finale, Ricarda Haaser und Katharina Huber fielen aus.

Zurück zum Start

"15, 17, 19 ist nicht das, was wir uns erwartet haben", gestand Damen-Rennsportleiter Christian Mitter. "Es passt halt einfach nicht zusammen im Moment. Wir müssen besser werden. Wir stehen dort, wo wir angefangen haben." 

Der Slalom-Spezialistin Truppe unterliefen in ihrem zweiten Lauf auf einer pickelharten Piste zu viele Fehler, die Kärntnerin rutschte dadurch vom elften Rang noch zurück. "Es war jetzt ein gescheiter Kampf. Ich bin nur hinten drinnen gesessen. Meine Schenkel haben schon so gebrannt", sagte Truppe. "Ich bin aber trotzdem zufrieden. Es war ein solider Saisonstart."

Brunner begann ihr Comeback bei im ersten Durchgang nicht idealen Sichtverhältnissen als Halbzeit-Neunte. Das erste Saisonrennen war für die Zillertalerin gleichzeitig ihr erstes seit 21 Monaten. Im Sommer 2019 hatte sich die Riesentorlauf-Spezialistin zum dritten Mal das Kreuzband im linken Knie gerissen.

"Vielleicht wollte ich ein bisschen zu viel. Ich bin in den Steilhang schon zu grad rein", meinte sie nach dem zweiten Durchgang. "Ich habe mir nichts erwartet. Von dem her ist ein 17. Platz auch nicht schlecht. Dass ich besser Skifahren kann, das weiß ich selber. Es ist im Training sehr gut gelaufen. Aber es ist ein Prozess, den man im Rennen umsetzen muss. Ich brauche einfach einen Rennrhythmus."

SKI-WELTCUP IN SÖLDEN: RIESENTORLAUF DAMEN: SCHILD (AUT)

Zu viel geschaut

Siebenhofer haderte mit ihrem eher verhaltenen Zugang. "Im oberen Teil und im unteren war es ganz okay. Ich war mit dem ersten ganz zufrieden", meinte die Steirerin. Dann habe sie sich aber "einfach zu viel zurückgehalten, zu viel auf die Linie geschaut. Zu viel geschaut, dass es technisch sauberes Skifahren ist." Auf dem steilen Hang in Sölden müsse man aber brutaler fahren.

Schild gelang ein Jahr nach ihrem in Sölden erlittenen Kreuzbandriss das Comeback wie Brunner nicht ganz nach Wunsch. Vor allem die schlechte Bodensicht veranlasste Schild, es etwas schaumgebremst anzugehen. "Für mich war vor allem wichtig, dass ich rausgestartet bin. Ich hab's gemacht und es ist eigentlich nichts passiert", bilanzierte sie trotz allem positiv. "Ich werde mich jetzt auf Levi vorbereiten, mich wirklich auf den Slalom konzentrieren."

Den Parallel-Riesentorlauf in Lech/Zürs am 13. November werde sie definitiv auslassen. In Sölden folgt davor am Sonntag (Startzeiten 10.00 Uhr und 13.15 Uhr) noch das Herren-Rennen auf dem Rettenbachgletscher - wegen der Coronavirus-Situation ebenfalls ohne Zuschauer an der Strecke.

1.

Marta Bassino (ITA)

2:19,69

 

1:09,54

1:10,15

2.

Federica Brignone (ITA)

2:19,83

+00,14

1:10,12

1:09,71

3.

Petra Vlhova (SVK)

2:20,82

+01,13

1:11,56

1:09,26

4.

Michelle Gisin (SUI)

2:20,99

+01,30

1:10,72

1:10,27

5.

Mina Fürst Holtmann (NOR)

2:21,44

+01,75

1:10,46

1:10,98

6.

Sofia Goggia (ITA)

2:22,16

+02,47

1:11,30

1:10,86

.

Meta Hrovat (SLO)

2:22,16

+02,47

1:11,95

1:10,21

8.

Lara Gut-Behrami (SUI)

2:22,25

+02,56

1:10,93

1:11,32

9.

Tessa Worley (FRA)

2:22,48

+02,79

1:12,20

1:10,28

10.

Paula Moltzan (USA)

2:22,50

+02,81

1:12,43

1:10,07

11.

Andrea Ellenberger (SUI)

2:23,23

+03,54

1:13,18

1:10,05

12.

Alice Robinson (NZL)

2:23,34

+03,65

1:10,72

1:12,62

13.

Romane Miradoli (FRA)

2:23,38

+03,69

1:13,01

1:10,37

14.

Sara Hector (SWE)

2:23,40

+03,71

1:12,72

1:10,68

15.

Katharina Truppe (AUT)

2:23,52

+03,83

1:11,62

1:11,90

.

Nina O'Brien (USA)

2:23,52

+03,83

1:12,98

1:10,54

17.

Stephanie Brunner (AUT)

2:23,65

+03,96

1:11,46

1:12,19

18.

Jekaterina Tkatschenko (RUS)

2:24,47

+04,78

1:13,13

1:11,34

19.

Ramona Siebenhofer (AUT)

2:24,59

+04,90

1:12,84

1:11,75

20.

Ester Ledecka (CZE)

2:24,73

+05,04

1:13,30

1:11,43

21.

Ana Bucik (SLO)

2:25,06

+05,37

1:13,22

1:11,84

22.

Priska Nufer (SUI)

2:25,08

+05,39

1:12,86

1:12,22

23.

Kaja Norbye (NOR)

2:25,38

+05,69

1:13,45

1:11,93

24.

Franziska Gritsch (AUT)

2:25,74

+06,05

1:12,37

1:13,37

25.

Valerie Grenier (CAN)

2:25,79

+06,10

1:13,44

1:12,35

26.

Wendy Holdener (SUI)

2:26,97

+07,28

1:11,26

1:15,71

27.

Alexandra Tilley (GBR)

2:27,78

+08,09

1:13,34

1:14,44

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Katharina Huber (AUT), Ricarda Haaser (AUT)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Katharina Liensberger (AUT), Tina Robnik (SLO), Maria Therese Tviberg (NOR)

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