ÖSV-Star Julia Scheib: Warum der Mittelweg auf die Siegerstraße führt
Julia Schein gewann den Weltcup-Auftakt in Sölden. Nun will die Steirerin im Riesentorlauf in Copper Mountain nachlegen
Der Reifeprozess und die Entwicklung von Julia Scheib lassen sich nicht nur von den Ergebnislisten ablesen. Man erkennt es auch an ihrem Umgang mit der Sektflasche bei den Siegerehrungen.
2024 musste sich Julia Scheib beim Öffnen der Sektflasche noch von Siegerin Federica Brignone helfen lassen
Nach ihrem ersten Podestplatz (3.) vor einem Jahr in Sölden hatte sich Scheib noch sehr schaumgebremst präsentiert und beim Öffnen fremde Hilfe benötigt. Heuer ließ die Steirerin nach ihrem Sensationssieg in Sölden schon sehr souverän die Korken knallen.
„Ich würde jetzt nicht behaupten, dass das routiniert ausgesehen hat. Aber es ist sicher ein Riesenschritt passiert“, sagt die 27-Jährige vor dem zweiten Saison-Riesentorlauf am Samstag in Copper Mountain (18/21 Uhr, live ORF1)
Lange Leidenszeit
Julia Scheib ist endlich dort angekommen, wo sie die Trainer schon lange sehen: Ganz oben auf dem Treppchen. Die Riesentorlauf-Juniorenweltmeisterin von 2018 war immer schon bekannt für ihren schnellen Schwung und die optimale Kurventechnik.
Allerdings wurde die Steirerin im Laufe ihrer Karriere allzu oft von Verletzungen und Krankheiten ausgebremst.
Julia Scheib beendete die österreichische Durststrecke im Riesentorlauf
Zwei Kreuzbandrisse, das Pfeiffersche Drüsenfieber und andere Rückschläge waren dafür verantwortlich, dass Julia Scheib erst spät im Weltcup der Durchbruch gelungen ist. „Ich habe mich in der Vergangenheit auch oft unter Wert verkauft“, sagt die 27-Jährige. „Ich war immer sehr ehrgeizig.“
Der erste Weltcupsieg vor einem Monat in Sölden, der erste einer ÖSV-Riesentorläuferin seit fast zehn Jahren, war für Julia Scheib wie ein Befreiungsschlag.
„Dadurch ist viel Druck von mir abgefallen“, erzählt die Edeltechnikerin aus der Südsteiermark. „Man kann nach so einem Sieg ganz anders weiterarbeiten, mit einer gewissen Ruhe und Gelassenheit.“
Julia Scheib ließ sich in Sölden von den Teamkolleginnen feiern
Wichtige Erkenntnis
Scheib hat sich selbst eingebremst, um schneller an die Weltspitze zu kommen. Das war eine Lehre aus den letzten beiden Wintern, in denen sie mitunter in den Rennen zu großes Risiko einging und immer wieder leichtfertige Fehler einstreute.
„Oft war mein Denken: Ich muss hundert Prozent geben, sonst reicht es nicht“, sagt Scheib. „Aber das war ein Irrglaube. Der Mittelweg ist das Geheimnis, um richtig schnell zu sein und um Rennen zu gewinnen.“
Von dieser Devise will die 27-Jährige auch in Copper Mountain nicht abweichen. Der erste Weltcupsieg hat Julia Scheib Lust auf mehr gemacht. Wie meinte sie doch gleich vielsagen vor dem ersten von drei Riesentorläufen in Übersee?
„Mir gefällt mein Skifahren momentan.“
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