Sport | Wintersport
11.10.2018

Sport ist nicht mehr alles im Leben von Marcel Hirscher

Der Jung-Vater pfeift auf die Abfahrt, reduziert den Terminplan und bittet um Respekt.

24 Grad und ein wolkenloser Himmel über Altenmarkt: Wie so oft schon präsentierte sich der Pongau auch an diesem Donnerstag von seiner schönsten Seite, als Atomic seine Skistars zum medialen Schaulaufen ins Stammhaus bat. Und heuer war der Andrang noch größer als im vergangenen Jahr, als sich mancher schon gefragt hatte, ob, wo und wie noch mehr Menschen überhaupt Platz finden sollen.

Sie fanden. Und weil die Athleten um die Gesamtweltcup- und Olympiasieger Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher  für die erfolgreichste Saison seit Langem gesorgt hatten,  gekrönt vom Sieg in der Medaillenbilanz der Winterspiele von PyeongChang, trug die Belegschaft entsprechend frohe Mienen zur Schau.

Erstaunt

Prinzipiell wäre das auch Marcel Hirscher gut zu Gesicht gestanden, jedoch: Der Jung-Vater war noch immer reichlich erstaunt, dass die frohe Botschaft über seine neue Familie nicht einmal 48 Stunden nach der Niederkunft von Ehefrau Laura den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatte. „Dabei haben wir uns alle Mühe gegeben, es geheimzuhalten.“ So bat der siebenfache Gesamtweltcupsieger denn auch einmal mehr um Respekt: „Es ist mein Privatleben. Hier und heute geht es um mich, ich bitte das zu respektieren.“

Gleichwohl wirkt sich das private Glück auf Hirschers berufliche Pläne aus: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auf die Nordamerika-Rennen verzichte. Wenn ich woanders gebraucht werde, werd’ ich sicher keine Rennen fahren.“

Das anhaltend schöne Wetter gefällt dem 29-Jährigen jedenfalls: „Ich bin heuer sehr relaxed, denn ich weiß, dass die anderen ja auch nicht trainieren können, weil der Schnee fehlt. Ich fahre sicher nicht Ski nur um des Skifahrens willen, damit ich etwas gemacht habe.“ Gleichwohl hat Hirscher noch einiges vor, „ich habe noch längst nicht ausgelernt in meinem Leben. Vielleicht kann ich ja meinen Linksschwung noch verbessern.“  

Das leidige Thema Abfahrt aber ist nun erledigt, „das kommt für mich nicht mehr in Frage. Ich würde drei, vier Jahre brauchen, bis ich alle Strecken kenne, und bis ich richtig schnell bin, würde ich weitere zwei Jahre brauchen. Das bin nicht bereit einzugehen. Der Sport ist nicht mehr die Nummer eins bei mir. Trotzdem fahre ich nicht mit, um Dreißigster zu werden, das eine oder andere Podium sollte schon möglich sein - und vielleicht geht’s sich ja aus, dass ich auch ab und zu gewinne.“
 

Shiffrin bremst

Vorsicht lässt auch Mikaela Shiffrin walten vor ihrem ersten Bewerb, dem Riesenslalom in Sölden (27. Oktober, tags darauf folgen die Herren). „Das ist für mich jedes Jahr das aufregendste Rennen der Saison, weil ich keine  Ahnung habe, was mich erwartet und wo ich stehe.“  

Im Gegensatz zu Marcel Hirscher wird die 23-jährige Amerikanerin aber weiterhin auch in den schnellen Disziplinen zu sehen sein, „allerdings nur bei ausgewählten Rennen. In der letzten Saison habe ich schon gemerkt, dass ich teilweise am Limit war, mehr werde ich in diesem Winter sicherlich nicht fahren, sonst würde das Training darunter leiden.“ Und aufs Üben legt die penible Arbeiterin größten Wert, weiß sie doch: „Ich kann noch viel besser werden.“

Und während Gletscherskigebiete und Ski-Asse auf Kälte und Niederschläge hoffen, ist  Kitzbühel schon einen Schritt weiter: Dort beginnt am Samstag die Saison - auf Schnee aus dem letzten Winter, der in Depots den Sommer überdauert hat.