Wegweiserin: Marlies Schild freut sich in Lienz und will mit ihrer Willenstärke auch anderen Rennläuferinnen ein Vorbild sein.

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Schild fährt von Platz sechs zum Rekord-Sieg
12/29/2013

Schild fährt von Platz sechs zum Rekord-Sieg

Die Österreicherin gewinnt zum 35. Mal einen Weltcup-Slalom und überholt damit Vreni Schneider.

von Christina Pertl

Da stand sie also, Marlies Schild, die erfolgreichste Slalom-Läuferin der Ski-Geschichte, und wirkte irgendwie unangebracht unaufgeregt: kein Ausraster, kein Freudentanz, keine Tränen – stattdessen ein Strahlen in den Augen und ein breites Grinsen. Marlies Schild freute sich in Lienz still über ihren 35. Slalom-Sieg im Weltcup. Jenen, mit dem sie Geschichte schrieb. So, wie sie halt ist, die Slalom-Königin. "Es ist unglaublich. Wenn ich diese Zahl 35 höre, ist das schon ein Wahnsinn. Ich weiß gar nicht, wie ich das realisieren soll", suchte die 32-jährige Salzburgerin nach Worten, um das zu beschreiben, was ihr am Sonntag in Osttirol gelungen war. Dank einer überragenden Fahrt im zweiten Lauf hatte die Halbzeit-Sechste die Weltmeisterin Mikaela Shiffrin (USA) sowie die Allrounderin Maria Höfl-Riesch (D) auf die Plätze verwiesen. Vor allem im untersten Abschnitt war die Wahl-Tirolerin wieder einmal in ihrer eigenen Liga unterwegs. "Ich hatte natürlich auch Glück, dass andere ausgefallen sind", versuchte sie zu relativieren.

Dabei war sich die Ältere der Schild-Schwestern im Ziel nicht sicher gewesen, ob ihre Leistung überhaupt für ein Top-3-Ergebnis reichen würde. "'Des war’s nicht', habe ich zu unserem Pressebetreuer gesagt", erzählte sie und musste dabei im Nachhinein selbst lachen. "Ich habe nach dem ersten Lauf heute wirklich nicht damit gerechnet zu gewinnen. Der ist mir nicht gut gelungen, da bin ich zu hart gefahren", sagte jene Dame, die mit ihrem 35. Slalom-Sieg mit dem großen Alberto Tomba gleichziehen konnte. Doch aus solchen Zahlen macht sich Marlies Schild ohnehin nicht viel. Genauso wenig wie aus der Frage nach dem einzigen Rekord, den es für sie noch zu brechen gäbe: die 40 Slalom-Siege von Rekordhalter Ingemar Stenmark. "Ich habe in meiner Karriere extrem gute Jahre gehabt und dann wieder extrem schwierige, wo ich verletzt war", erklärt Schild. "Da doch immer wieder aufzustehen und zurückzukommen, da bin ich schon irgendwie stolz drauf. Das ist vielleicht auch ein gutes Vorbild für andere", gibt sich die Beste der Besten bescheiden und gleich auch wieder ein bisschen nachdenklich.

Wiederholung

Lienz blieb auch am Sonntag ein Ort für Serientäter. Nachdem Anna Fenninger am Samstag ihren Erfolg von 2011 im Riesentorlauf wiederholte – zum dritten Mal an einem 28. Dezember – legte Marlies Schild einen Tag später nach: Zum vierten Mal siegte sie in Osttirol – nach zwei Triumphen auf dem Semmering war es bereits der sechste Sieg an einem 29. Dezember. Mikaela Shiffrin, immerhin die amtierende Slalom-Weltmeisterin, fasste die Leistung ihres Vorbildes mit einem einzigen, ehrfürchtigen Wort zusammen: "Wow". Auch die 18-jährige US-Dame sorgte für eine Wiederholung: auf dem Podest nach Rang drei im Riesentorlauf am Samstag musste sie sich im Slalom nur Schild geschlagen geben. "Das ist okay für mich, so lange ich mit Marlies auf dem Podium stehen kann", sagte Shiffrin. Wenig erfreulich endete der Arbeitstag für Kathrin Zettel und Michaela Kirchgasser – beide schieden aus. Genauso wie Bernadette Schild, Halbzeit-Fünfte und Schwester der Slalom-Königin. Die konnte aber bald wieder lachen: "Natürlich freue ich mich für meine Schwester, aber es tut auch weh, weil ich weiß, dass ich ganz gut dabei war."

Slalom in Lienz - Endstand
1. Marlies Schild (AUT) 1:55,63 56,85 58,78
2. Mikaela Shiffrin (USA) 1:56,04 +00,41 56,16 59,88
3. Maria Höfl-Riesch (GER) 1:56,26 +00,63 56,70 59,56
4. Marie-Michele Gagnon (CAN) 1:56,64 +01,01 57,22 59,42
5. Nina Löseth (NOR) 1:56,87 +01,24 57,53 59,34
6. Frida Hansdotter (SWE) 1:57,06 +01,43 56,87 1:00,19
7. Chiara Costazza (ITA) 1:57,11 +01,48 57,34 59,77
8. Christina Geiger (GER) 1:57,27 +01,64 57,58 59,69
9. Wendy Holdener (SUI) 1:57,35 +01,72 56,99 1:00,36
10. Anne-Sophie Barthet (FRA) 1:57,76 +02,13 58,51 59,25
11. Brittany Phelan (CAN) 1:58,08 +02,45 58,16 59,92
12. Sarka Strachova (CZE) 1:58,29 +02,66 58,15 1:00,14
13. Magdalena Fjällström (SWE) 1:58,53 +02,90 58,15 1:00,38
14. Nicole Hosp (AUT) 1:58,56 +02,93 58,23 1:00,33
15. Tina Maze (SLO) 1:58,64 +03,01 57,74 1:00,90
16. Resi Stiegler (USA) 1:58,70 +03,07 58,32 1:00,38
17. Alexandra Daum (AUT) 1:58,71 +03,08 57,88 1:00,83
18. Marion Bertrand (FRA) 1:58,78 +03,15 58,99 59,79
19. Emelie Wikström (SWE) 1:58,86 +03,23 59,07 59,79
20. Barbara Wirth (GER) 1:59,10 +03,47 58,68 1:00,42
21. Denise Feierabend (SUI) 1:59,12 +03,49 58,69 1:00,43
22. Susanne Riesch (GER) 1:59,17 +03,54 57,96 1:01,21
23. Michelle Gisin (SUI) 1:59,19 +03,56 58,64 1:00,55
24. Tanja Poutiainen (FIN) 1:59,37 +03,74 59,01 1:00,36
25. Nastasia Noens (FRA) 2:00,02 +04,39 59,01 1:01,01
26. Bernadette Schild (AUT) 2:06,18 +10,55 56,83 1:09,35

Die meisten Weltcup-Siege

Die Salzburgerin Marlies Schild hat am Sonntag im Alpin-Slalom von Lienz ihren 35. Ski-Weltcupsieg in dieser Disziplin gefeiert und damit Rekordsiegerin Vreni Schneider überholt. Die Schweizerin hatte ihre Siege in den Achtzigern und Neunzigern geholt.

Schild hat jetzt auch mehr Weltcupsiege (37) als ihr Lebensgefährte Benjamin Raich (36).

Die meisten Weltcup-Siege
1. Annemarie Moser-Pröll (AUT) 62 Siege
2. Lindsey Vonn (USA) 59 *
3. Vreni Schneider (SUI) 55
4. Renate Götschl (AUT) 46
5. Anja Pärson (SWE) 42
6. Marlies Schild (AUT) 37 *
. Katja Seizinger (GER) 36
8. Hanni Wenzel (LIE) 33
9. Erika Hess (SUI) 31
10. Janica Kostelic (CRO) 30

* noch aktiv

Die meisten Slalom-Siege
1. Marlies Schild (AUT) 35 Siege *
. Vreni Schneider (SUI) 34
3. Erika Hess (SUI) 21
4. Janica Kostelic (CRO) 20
5. Anja Pärson (SWE) 18

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