Marcel Hirscher kann Platz für die nächste Glocke machen. 

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Sport Wintersport
01/13/2019

Marcel Hirscher, der Herrscher von Adelboden

Der Sieg im Slalom beschert dem Gesamtweltcupsieger eine ganze Reihe neuer Rekorde.

Nur einmal musste sich Marcel Hirscher an diesem Sonntag im Berner Oberland so richtig strecken: als er zum Siegerbild gebeten wurde zwischen  dem zweitplatzierten  Clément Noël und dem drittplatzierten Henrik Kristoffersen. Kein Wunder, der 21-jährige Elsässer, der für den Club des Sports de Val d’Isère startet,  misst 1,91 Meter, der Norweger ist 1,80 Meter groß. Ansonsten aber war Hirscher (1,73 Meter) wieder einmal der Größte.

Der Erfolg im Slalom war sein 67. Weltcupsieg, der 31. im Torlauf – und der neunte in Adelboden, das ist Rekord. Und mit 16 Podestplätzen am gleichen Ort hat der 29-jährige Salzburger auch jene Bestmarke hinter sich gelassen, die er bislang mit Aksel Lund Svindal (Lake Louise) geteilt hatte. Der 132. Podestplatz seiner Karriere bedeutet auch eine weitere Annäherung an den Rekord des Schweden Ingemar Stenmark (155). Schließlich feierte Hirscher auch noch den neunten Sieg in diesem Winter. Sein eigener Rekord aus der vergangenen Saison steht bei 13.

Sprachloser Schwarz

Leicht war die Aufgabe dennoch nicht. Und das hatte vor allem einen Grund mit Kärntner Ursprung, denn Marco Schwarz, 23, fährt seit einigen Wochen in einer ähnlichen Liga wie der beste Skifahrer der Gegenwart. Wie schon beim Slalom in Zagreb legte der Radentheiner im ersten Lauf wieder die Bestzeit hin – doch wie schon beim Slalom in Zagreb fiel Schwarz im Finale aus.

Das machte den Sympathikus zunächst sprachlos, doch als er sich berappelt hatte, konnte Marco Schwarz zurecht darauf verweisen, „dass ich gut und schnell skifahre. Deswegen muss ich das jetzt schnell wegstecken. Ich wusste ja, dass ich Gas geben muss, denn wenn Marcel einmal nicht in Führung liegt, gibt er immer Vollgas.“

Und das tat Marcel Hirscher auch, denn  der dritte Rang bei Halbzeit, 0,39 Sekunden hinter Schwarz und fünf Hundertstelsekunden hinter seinem Dauerrivalen Kristoffersen, war nicht gerade das, was sich der Annaberger erhofft hatte. „Ich war ein bissl träge unterwegs, nicht so spritzig, aber ich bin noch recht positiv.“

Hellwach

Der erklärte Langschläfer präsentierte  im Finale, was er unter „voll Schub“ versteht, „ich war wesentlich aufgeweckter und wacher. Schon bei der Besichtigung hab’ ich gemerkt, dass der Kurs jetzt wieder ein bissl anders und damit auch ein bissl mehr möglich ist. Nur gilt es das dann halt auch zu nutzen.“ 

Und das tat Hirscher, trotz immer nasser werdenden Schneefalls, der die Brillen verpickte und die Sicht reduzierte. Für den Routinier freilich keine neue Übung, oft sind die Bedingungen in Adelboden das, was der siebenfache Gesamtweltcupsieger als „Sauwetter“ bezeichnet. Zu raufen hat er freilich immer noch: „Ich habe heuer zwar gleich viele Skitage wie sonst auch, aber es ist nicht so viel Produktivität drin, weil die Bedingungen oft nicht gut waren.“

SKI-ALPIN-WORLD-MEN-SLALOM-PODIUM

Und genau hier könnten neuerliche Probleme für die Konkurrenz ihren Ursprung nehmen. Denn wie sagte Marcel Hirscher? „Ich habe einige Baustellen, die noch nicht abgeschlossen sind. Ich bin da mitten in einem Prozess. Es gilt, den nächsten Schritt zu machen  – und da ist auch eine gewisse Verunsicherung dabei. Aber das gehört dazu, da gilt es weiterzuarbeiten.“

Es könnte also bald noch schwieriger werden, der Nummer eins beizukommen. Henrik Kristoffersen kennt das Gefühl: Seit Kitzbühel 2018 hat er nicht mehr gewonnen. „Marcel ist der beste Skifahrer der Welt - da kann ich nur kämpfen.“

Endstand:

1.

Marcel Hirscher (AUT)

1:47,37

Min.

54,29

53,08

2.

Clement Noel (FRA)

1:47,87

+00,50

54,49

53,38

3.

Henrik Kristoffersen (NOR)

1:48,08

+00,71

54,24

53,84

4.

Alexis Pinturault (FRA)

1:48,10

+00,73

54,42

53,68

5.

Ramon Zenhäusern (SUI)

1:48,34

+00,97

54,67

53,67

6.

Elias Kolega (CRO)

1:49,34

+01,97

55,48

53,86

7.

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

1:49,35

+01,98

54,66

54,69

8.

Daniel Yule (SUI)

1:49,42

+02,05

54,62

54,80

9.

Jean-Baptiste Grange (FRA)

1:49,57

+02,20

55,38

54,19

10.

Stefan Hadalin (SLO)

1:49,59

+02,22

55,28

54,31

11.

Dominik Stehle (GER)

1:49,68

+02,31

55,26

54,42

12.

Julien Lizeroux (FRA)

1:49,86

+02,49

55,31

54,55

13.

Manfred Mölgg (ITA)

1:49,91

+02,54

55,20

54,71

14.

Alexander Choroschilow (RUS)

1:50,00

+02,63

55,69

54,31

15.

Felix Neureuther (GER)

1:50,10

+02,73

55,66

54,44

16.

Stefano Gross (ITA)

1:50,11

+02,74

55,38

54,73

17.

Simon Maurberger (ITA)

1:50,18

+02,81

55,40

54,78

.

Sebastian-Foss Solevaag (NOR)

1:50,18

+02,81

55,69

54,49

19.

Riccardo Tonetti (ITA)

1:50,27

+02,90

55,55

54,72

20.

Alex Vinatzer (ITA)

1:50,34

+02,97

55,56

54,78

21.

Christian Hirschbühl (AUT)

1:50,42

+03,05

55,28

55,14

22.

Marc Digruber (AUT)

1:50,80

+03,43

55,65

55,15

23.

Johannes Strolz (AUT)

1:50,90

+03,53

55,65

55,25

24.

Fabian Bacher (ITA)

1:51,34

+03,97

55,76

55,58

25.

Tanguy Nef (SUI)

1:57,54

+10,17

55,64

1:01,90

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Manuel Feller (AUT), Richard Leitgeb (AUT), Loic Meillard (SUI), Linus Straßer (GER), David Ryding (GBR), Andre Myhrer (SWE)

Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.: Marco Schwarz (AUT), Adam Zampa (SVK), Reto Schmidiger (SUI), Istok Rodes (CRO), Luca Aerni (SUI)