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Ski alpin
12/03/2014

Die Bewährungsprobe der Lindsey Vonn

Nach zwölf Monaten Verletzungspause gibt US-Star Lindsey Vonn in Lake Louise ihr Weltcup-Comeback.

von Christoph Geiler

Es war abzusehen, dass alles so ablaufen würde. Lindsey Vonn wäre nun einmal nicht Lindsey Vonn, hätten sie und ihre PR-Abteilung sich nichts einfallen lassen. So spektakulär, wie sie meist über die Piste rast, so divenhaft, wie sie mitunter auftritt, so hollywoodreif, wie sich ihre Beziehung mit Tiger Woods gestaltet, so dramatisch, wie zuletzt ihre Stürze verliefen, war es klar, dass sie sich nicht mit einer nüchternen Presseerklärung aus dem Krankenstand zurückmelden würde.

So etwas will schon richtig in Szene gesetzt sein. Mit perfekt geschminktem Gesicht und frisch lackierten Fingernägeln, mit grellen Spots und qualmenden Nebelmaschinen, mit wummernden Bässen und einer theaterreifen Kulisse. Das Salzlager, eine riesige Location in Hall in Tirol, 1200 groß, Platz für 1500 Menschen, war angemietet worden, um die internationale Presse davon zu überzeugen, dass Lindsey Vonn wieder ganz die Alte ist. Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin.

Es war Anfang Oktober, als die Amerikanerin showverdächtig ihre Fitness unter Beweis stellte, indem sie akrobatisch vor einem schweren PistenBully herumturnte, sich in der Abfahrtshocke von einer wilden Windmaschine die Haare durcheinanderwirbeln ließ und sich mit Reportern ein Wettrennen lieferte. Davor, dazwischen und danach wurde sie nicht müde zu betonen, dass sich in ihrer Karriere nun endlich alles wieder zum Guten wenden würde. Idealerweise schon am Wochenende bei ihrem offiziellen Comeback in Lake Louise.

Aber wird es das wirklich? Wird Vonn tatsächlich als jene Dominatorin zurückkehren, als die sie vor knapp zwei Jahren bei der WM in Schladming abgetreten war? Oder wird sie das gleiche Schicksal erleiden wie schon einige Skistars vor ihr, die nach schweren Knieverletzungen nie mehr richtig auf die Beine gekommen sind?

Großer Ehrgeiz

"Wenn es jemand schaffen kann, dann sie. Mir sind kaum Sportler untergekommen, die so ehrgeizig sind wie Lindsey Vonn", sagt Robert Trenkwalder. Der langjährige Coach von Günther Mader und der österreichischen Abfahrer ist Mentor und Betreuer der US-Skilady, und er weiß um die außergewöhnlichen Fähigkeiten seines Schützlings. Trenkwalder weiß allerdings auch, dass eine Zwangspause zwangsläufig ihre Spuren hinterlässt. "Sie hatte in den vergangenen zwei Jahren viel Zeit zum Nachdenken", gibt Trenkwalder zu bedenken. Übersetzt: Niemand könne derzeit vorhersehen, wie sich Lindsey Vonn in Extremsituationen verhalten wird. Ob die Angst künftig zum lästigen Begleiter wird, und ob sie nach zwei schweren Knieoperationen immer noch in der Lage sein wird, diese extremen Linien und Kurvenradien zu fahren, denen sie den Kosenamen "Speed-Queen" zu verdanken hat.

Kreuzbandriss, Innenbandriss, Bruch des Schienbeinkopfs – das war die Diagnose nach dem Sturz im WM-Super-G in Schladming im Februar 2013. Kreuzbandriss, Meniskusschaden – das waren die Folgen eines Trainingssturzes im Spätherbst 2013. Die zweite Verletzung, so erklärte Vonn, sei sogar die kompliziertere gewesen.

Das verflixte ’13er Jahr hat ihre Karrierepläne über den Haufen geworfen. Einmal noch Olympia in Sotschi, dann als "krönender Abschluss" die Heim-WM in Vail – so hatte es sich Vonn ausgemalt. "Ich bin nun auch schon dreißig", erinnert sie. Aber so kann und will eine Speed-Queen nicht abdanken. "Deshalb mache ich bis 2018 weiter."

Große Schinderei

Lindsey Vonn hat sich in den vergangenen zwölf Monaten geschunden wie noch nie in ihrer Karriere. Mindestens sechs Stunden am Tag, mitunter saß sie spätabends noch auf dem Rad und war um sechs Uhr früh schon wieder in der Kraftkammer. "Sie ist eine Herausforderung für einen Trainer", berichtet Mentor Trenkwalder. "Sie hinterfragt viel. Ihr kannst du nichts vormachen."

Das Ergebnis der Plagerei ist eine austrainierte und top-fitte Lindsey Vonn. Beobachter behaupten sogar, ihr körperlicher Zustand sei so gut wie noch nie zuvor. Das wird auch notwendig sein. Denn auch der 30-Jährigen ist klar: "So eine Knieverletzung darf mir nicht mehr passieren." Sonst wird es nichts mit all den Rekorden, die sie noch anstrebt. Da ist einmal die Bestmarke von Annemarie Moser-Pröll (62 Weltcupsiege), die Vonn (59 Siege) noch in diesem Jahr knacken will. Und da ist noch der Wunsch, sich einmal mit den Herren zu messen. "Das werde ich sicher noch machen."

Und wenn es dann wirklich so weit ist, dann wird sie es gewiss hollywoodreif inszenieren.

Die Speed-Queen

Lindsey Caroline Vonn (* 18. Oktober 1984 als Lindsey Kildow) ist die erfolgreichste Ski-Rennläuferin der USA. Sie wurde in Saint Paul (Minnesota) geboren, mit elf Jahren übersiedelte die Familie (zwei Brüder und zwei Schwestern) in den Wintersportort Vail.

Seit dem Debüt am 18.11.2000, gewann Vonn 59 Weltcup-Rennen wurde Olympiasiegerin (Abfahrt, 2010), zweifache Weltmeisterin (Super-G, Abfahrt 2009) und holte vier Mal den Gesamtweltcup. Bei der WM in Schladming 2013 stürzte sie im Super-G und zog sich einen Kreuz- und Innenbandriss im rechten Knie zu. Ein erneuter Teilabriss des Kreuzbandes und 12 Monate Zwangspause folgten.

Programm in Lake Louise

Mittwoch: Abfahrtstraining
Donnerstag: Abfahrtstraining
Freitag: Abfahrt (20.30 MEZ)
Samstag: Abfahrt (20.30)
Sonntag: Super-G (19.00)

Der harte Weg zurück

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