Ein Eishockey-Team outet sich

Kiruna IF
Foto: Media Room Kiruna IF hat sich getraut und ein Zeichen gegen Vorurteile gesetzt.

Kiruna IF ist das erste Team in der "Männersportart", das sich traut, in Regenbogen-Farben zu spielen.

Im Juni 2014 wurde ein neues Kapitel schwedischer Sportgeschichte geschrieben. Kiruna IF, der Eishockey-Drittligist aus der gleichnamigen Bergbaustadt war das erste professionelle Team in Schweden, das für das LGBT (Anm.: Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender)-Zertifikat applizierte und sich im Zuge dessen dafür entschied, künftig in Dressen mit Regenbogen-Farben zu spielen.

Kiruna IF Foto: Media Room An diese Dressen wird sich die Eishockey-Welt gewöhnen müssen. Der mutige Schritt brachte dem Klub aus der nördlichsten Stadt Schwedens nicht nur weltweite Anerkennung und sämtliche Auszeichnungen aus der LGBT-Szene, sondern auch einen harten Kampf um Sponsoren und ihre Fan-Basis. "Der Hauptgedanke dahinter sind dieselben Rechte für alle", sagt Klubsprecher Johan Kohler und beklagt die Folgen der Klub-Bekenntnis: "Anfangs verließ uns unser Fan-Club. Nach unserem ersten Match in den neuen Dressen verließen uns die meisten Anhänger - und kamen nicht mehr zurück. Unsere Spieler stehen allerdings hinter uns".

Vor allem die älteren Fans konnten sich mit der neuen Vereinspolitik nicht anfreunden. "Den Jungen macht es nichts aus. Ich glaube aber, dass die älteren Männer über 50 Jahre es am schwersten haben, unsere Entscheidung zu akzeptieren. Es wird eine Weile dauern, ich bin mir dennoch sicher, dass wir sie am Ende zurückgewinnen werden. Wir haben von ihnen jedenfalls kein Feedback bekommen, deshalb werden wir aber auch auf sie nicht zugehen", sagt Kohler.

Neue Horizonte

Kiruna IF Foto: Media Room Das Team bei einer LGBT-Parade. Schweden ist darum bemüht, Flagge für die LGBT-Community zu zeigen. Heuer fanden so in Stockholm die Eurogames, das weltweit größte schwul-lesbische sportliche Großereignis, das vor allem die Integration der Schwulen und Lesben im Sport und die Bekämpfung der Diskriminierung von Menschen mit anderer sexueller Orientierung zu seinen Zielen zählt. Dem Event, das über 5.000 TeilnehmerInnen verzeichnete, wohnten etwa 250.000 Zuschauer bei. Das Bewusstsein für das komplexe Thema Gendering wird im skandinavischen Land überhaupt früh geschaffen, an den Schulen ist es längst ein wichtiger Punkt im Lehrplan.

"Ich glaube, dass der Sport noch sehr traditionell geprägt ist. Die Normen sind in die Wände gemeißelt. Wenn die Wände noch da sind, bleiben auch die Normen", erklärt Kohler und genießt die Rolle des Vorreiters. "Ich glaube, dass wir eine Botschaft senden, die zeigt, dass wir das Thema sehr ernst nehmen. Die gesamte Eishockey-Community in Schweden steckt in einem Wandel. Wir lösen die Grenzen des Eishockeys auf. Es fühlt sich toll an".

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(kurier) Erstellt am
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