Egle/Kipp jagen Olympia-Medaille: Geteilte Freude ist doppelte Freude

Selina Egle und Lara Kipp im Eiskanal von Cortina
Selina Egle und Lara Kipp machen Jagd auf die Doppelsitzermedaille. Bei der Olympia-Premiere des Bewerbs gehen die Tirolerinnen als Favoritinnen ins Rennen.

Man muss immer verdammt vorsichtig sein, wenn man von Medaillen spricht, die auf dem Silbertablett liegen. Die programmierten Erfolge erweisen sich gerne als Trugschluss und die große Vorfreude kippt dann schnell in riesige Enttäuschung.

Selina Egle und Lara Kipp ist bewusst, dass sich viele von ihnen heute eine Medaille nicht nur erwarten, sondern sogar fix davon ausgehen, dass die beiden im Eiskanal von Cortina zuschlagen werden (17 Uhr, live ORF1). „Das ist in gewisser Weise ein Privileg, das uns das zugetraut wird“, sagt Steuerfrau Egle.

Egle/Kipp: Dominatorinnen im Doppelsitzer

Das allseits beliebte Tiefstapeln, das Athleten vor großen Rennen gerne betreiben, würde man Selina Egle und Lara Kipp aber auch nicht wirklich abnehmen. Die beiden Tirolerinnen dominieren das Doppelsitzerrodeln und ziehen seit geraumer Zeit eine Erfolgsspur durch die Eiskanäle dieser Welt.

2024 und 2025 rodelte das Duo zu WM-Gold, dazu kommt der Triumph im Gesamtweltcup in der Saison 2024/’25, in den letzten 14 Weltcuprennen landeten Egle/Kipp immer unter den ersten zwei. „Wir wollen uns trotzdem nicht zu viel Druck auflasten, sondern einfach das machen, was wir immer machen“, sagt Lara Kipp.

Gefunden, ohne sich gesucht zu haben

Selina Egle (23) und Lara Kipp (23) haben sich gefunden, ohne sich überhaupt gesucht zu haben. Die österreichischen Trainer wollten bei der Premiere des Frauen-Doppelsitzerrodelns im Rahmen der Olympischen Jugendspiele 2018 unbedingt auch ein rot-weiß-rotes Duo an den Start bringen.

Die baumlange Selina Egle (1,79 Meter) als Steuerfrau und die um einen Kopf kleinere Lara Kipp (1,65) als Unterfrau schienen wie gemacht für diesen neuen Bewerb. Seither bilden die zwei Tirolerinnen ein Doppel, das diesen jungen Sport geprägt und belebt hat. Die Olympia-Premiere des Frauen-Doppelsitzerrodelns stellt nun den nächsten Schritt auf der Karriereleiter dar. „Wir haben uns mega gefreut, als wir gehört haben, dass unser Bewerb nun endlich auch olympisch ist“, erklärt Selina Egle. „Und wir haben auch jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet.“

Nach all den bisherigen Erfahrungen würden die beiden auch nicht mehr zu den Einsitzern zurückkehren. Die gemeinsamen Fahrten auf dem Schlitten schweißen zusammen, „es ist schon etwas anderes, wenn du ins Ziel kommst und gemeinsam jubeln kannst“, sagt Unterfrau Lara Kipp. Geteilte Freude ist nun einmal doppelte Freude.

"Wissen oft selbst nicht, warum wir so schnell sind"

Auf dem Schlitten haben die zwei 23-Jährigen inzwischen längst ein blindes Verständnis. Die Abläufe sind eingespielt, die gemeinsamen Lenkbewegungen automatisiert. Auch wenn sie im Eiskanal einmal auf die schiefe Bahn geraten, weiß jede, was zu tun ist. „Du kannst dich ja während der Fahrt nicht absprechen, deshalb ist es wichtig, dass du intuitiv das Richtige machst“, erklärt Steuerfrau Selina Egle. „Wir wissen oft selbst nicht, warum wir so schnell sind.“

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