Nachhaltig? Die ersten olympischen Ziele wurden bereits verfehlt

Es sollten die ersten umweltverträglichen Winterspiele werden und dem Steuerzahler nichts kosten. Inzwischen steht fest: Dem ist nicht so.
Die Olympischen Ringe sind bereit

Als Italien 2019 den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026 bekam, hieß es, dies würden die nachhaltigsten Spiele werden, die es bis dato gegeben hat. Jetzt, einen Tag vor der Eröffnung, fällt die Bilanz schon weniger erfreulich aus.

Die Spiele finden nicht an einem Ort statt, sondern erstrecken sich über ein großes Gebiet, das von Mailand über Livigno-Bormio bis nach Cortina reicht. Während die Frauen die Pisten in Cortina hinunterflitzen, machen die Männer dasselbe in den knapp fünf Stunden entfernten Skiorten Livigno und Bormio. Zwischen den Hauptquartieren Mailand und Cortina liegen mehr als 400 Kilometer.

Ziel dieser weitläufigen Verteilung war, bestehende Sportanlagen zu nutzen, statt neue zu errichten. Als Neubauten waren ursprünglich nur das Olympische Dorf und die Hockey Arena in Mailand Santa Giulia vorgesehen.

Wie so oft, kam es aber anders. Zum Beispiel im Fall der Bobbahn in Cortina. Anfangs dachte man daran, die aus dem Jahr 1956 stammende Struktur nutzen zu können – Olympia gastierte damals auch in Cortina. Die Anlage erwies sich aber als nicht sanierbar, weswegen im Rekordtempo das Cortina Sliding Centre errichtet wurde, in dem die Bob-, Rodel und Skeletonwettbewerbe stattfinden werden.

Die Ice Arena wurde neu gebaut

Die Ice Arena wurde neu gebaut

Neubau in Antholz

Auch das Biathlon-Stadion in Antholz wurde neu gebaut. Obwohl dieser Bau nicht zwingend war, wie auch der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher in einem Interview zugab. Doch der Wunsch einer neuen Anlage, wo man das ganze Jahr trainieren kann, war doch zu groß, um die Gelegenheit nicht am Schopf zu packen.

Und dann ist da noch der Ausbau der Verkehrsverbindungen, neben Schienen vor allem Straßen. Nicht nur die Gegend um Cortina ist zu einer riesigen Baustelle mutiert. Wobei mehr als 50 Prozent der Verbindungsinfrastruktur erst im Laufe dieses oder des nächsten Jahres, manche sogar erst um 2030 fertig werden. Als Paradebeispiel kann man die Gondelbahn von Socrepes nehmen. Diese sollte die Zuschauer von Cortina direkt hinauf zu den Pisten bringen. Jetzt sollen doch Shuttlebusse eingesetzt werden.

Die prachtvolle Kulisse von Antholz

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500 gerodete Lärchen

Umweltfreundlich wollten diese Olympischen Spiele sein. Aus der jüngst veröffentlichten Studie des New Weather Institute entnimmt man, dass die dafür erzeugten CO2- Emissionen für das Schmelzen von rund zwei bis drei Quadratkilometern Schneedecke verantwortlich sind. Hinzu kommen 14 Millionen Tonnen Gletschereis und die 500 zum Teil jahrhundertalten Lärchen, die für den Bau der Bobbahn gerodet wurden.

Nachhaltig sollte Milano-Cortina auch finanziell sein. Anfangs hieß es, es werde keinen Cent aus der Staatskasse geben. Giovanni Malagò, ehemaliger Vorsitzender des italienischen Olympischen Komitees, sprach von der ersten Low-Cost-Veranstaltung dieser Art. Er berechnete die Kosten auf 1,36 Milliarden Euro: Das erste Drittel sollte das Internationale Olympische Komitee übernehmen, das zweite die Sponsoren, das letzte aus dem Kartenverkauf kommen. Mittlerweile belaufen sich die Kosten alleine für die Steuerzahler auf 5,3 Milliarden Euro.

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