Rennabbruch in Gröden

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Der Abfahrtsklassiker musste wegen zu starken Windes abgebrochen werden. Die Franzosen ärgert's.

Auch wenn Sturm "Joachim" im Vergleich zu Deutschland, wo er schwere Schäden angerichtet hat, im Südtiroler Grödnertal ein Lüfterl war, hat er den Veranstaltern doch gehörig ihr Jubiläum verpatzt: Die 50. Weltcup-Abfahrt von Gröden wurde nach 21 Läufern – abgeblasen.

Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte der Franzose Johan Clarey vor seinem Landsmann Adrien Théaux. Beide werden weder Weltcuppunkte noch Prämien (22.000 bzw. 17.000 Euro) erhalten und reagierten dementsprechend empört. Pikanterweise hatte gerade Théaux erstmals als Athletenvertreter der Jury angehört.

Symbolische Verneigung

Mit Ausnahme der Franzosen empfanden alle anderen Rennläufer die Absage als berechtigt. ORF-Analytiker und Ex-Rennläufer Armin Assinger verneigte sich symbolisch vor der Jury. Trotz herrlichem Winterpanorama abzubrechen, meinte Assinger, sei zwar unpopulär, doch der Beweis gewesen, dass "die Funktionäre keinen Gartenschlauch als Rückgrat hatten."

Dass eine Weltcup-Abfahrt gestartet und dann doch nicht gewertet wurde, passierte in diesem Jahrtausend zum ersten Mal. 2004 hatten in Gröden ähnliche Bedingungen geherrscht. Diese wurden vom Deutschen Max Rauffer zum einzigen Weltcupsieg genützt.

Am Samstag wollte die Jury keinen Zufallssieger mehr zulassen, zumal die Böen mit Fortdauer des Rennens auch bei den Sprungpassagen gefährlich heftig zu werden drohten. Und nachdem die Grödner (bedingt durch Unterbrechungen) fast zwei Stunden sehr, sehr werbetauglich im Bilde gewesen waren, verkündete der deutsche FIS-Direktor Günter Hujara den Abbruch, bevor Bode Miller mit Nummer 22 das Starthaus betrat. Der US-Amerikaner maulte nicht. Auch er hätte keine Chance besessen, die Franzosen zu übertreffen.

Die besten ÖSV-Läufer befanden sich bereits geschlagen im Ziel. Das Warten auf den ersten Saisonerfolg in einem Speedbewerb wurde prolongiert. Und bereits am Sonntag gilt es, auf der nördlichen Seite des Grödnerjochs eine noch viele peinlichere Minus-Serie der Ski-Nation Nummer 1 zu beenden.

Wiedergutmachung

Nach der verkorksten 50. Grödner Abfahrt sind die ÖSV-Matadore im 30. Weltcup-Riesenslalom von Alta Badia auf Wiedergutmachung aus. Seit 1997, seit Christian Mayer, hat auf der extrem rippigen Piste im Hochabteital kein Österreicher gewonnen.

Marcel Hirscher ersucht, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Das, obwohl der Salzburger in dieser Saison schon beim Riesentorlauf in Beaver Creek aufgetrumpft hat. Aber die Pisten-Bedingungen, sagt Hirscher, seien in Südtirol ganz anders als in Colorado und erfordern eine gewaltige Umstellung. "Wie wenn man mit dem Auto von Asphalt auf Sand kommt."

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Erstellt am 17.12.2011