ÖSV-Hoffnung Truppe vor dem Slalom: "Es sind Tränen geflossen"
Katharina Truppe war in einer herausfordernden emotionalen Situation in den vergangenen Tagen. Während sie sich von Herzen für ihre beste Freundin und Zimmerkollegin Katharina Huber über deren Olympiagold freute, haderte sie selbst mit ihrer Leistung in der Teamkombination, in der sie mit Cornelia Hütter Fünfte wurde.
Truppe fuhr im Kombi-Slalom die 13. Laufzeit und wurde mit Hütter Fünfte
"Mit meinem Fehler habe ich es versaut"
"Der Slalom in der Teamkombi hat lange an mir genagt", sagt die 30-Jährige. "Eine Medaille wäre drin gewesen, mit meinem Fehler habe ich es versaut. Ich war einfach so enttäuscht von mir, dass ich es nicht auf den Punkt gebracht habe." Von ihrem Mentalcoach habe sie danach "ein paar Hausübungen bekommen". "Wenn mir etwas nicht gelingt, werde ich hart zu mir selbst. Es sind auch Tränen geflossen."
Katharina Truppe ist zwischen den Bewerben voller Wut und Enttäuschung nach Hause gefahren. Dort habe sie sich "wieder hergerichtet", sagt sie. Denn heute will sie im Slalom angreifen (10 bzw. 13.30 Uhr/live ORF 1), gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Katharina Huber, Katharina Gallhuber und Lisa Hörhager.
Ein Hang für "Gemetzel"
Der Hang, den die Läuferinnen schon aus dem Kombi-Slalom kennen, ist weder besonders steil noch besonders lang. Dadurch wachse auch die Zahl der möglichen Siegerinnen. "Wenn die Piste auch noch gut ist, wird das ein richtiges Gemetzel", sagt Truppe, die die Frauen-Bewerbe bei den Spielen in Cortina generell als "extrem spannend" beschreibt.
Auch Slalom-Star Mikaela Shiffrin, die in dieser Saison 7 von 8 Slaloms gewonnen hat, teils mit Riesenvorsprung, sei eine große Unbekannte. "Für sie ist es eine schwierige Situation mit ihrem Olympia-Drama, und Medaille hat sie auch noch keine."
Truppe glaubt, dass es ein sehr enges Rennen wird. Ihr Rezept: "Sauber hinunterfahren." Der erste Lauf wird vom ÖSV-Techniktrainer Klaus Mayrhofer gesetzt, zumindest eine Tücke ist darin enthalten. Truppe komme die Passage nicht gerade entgegen. "Ich bin froh, wenn der Durchgang vorbei ist", scherzt sie.
Die Erwartungen sind hoch. "Ich fahre meine beste Saison meiner ganzen Karriere, war fast die ganze Zeit konstant. Ich muss nur ruhig bleiben. Ich brauch' kein Schäuflein drauflegen, sondern einfach das fahren, was ich bis jetzt gefahren bin."
"Hut ab" vor Fabio Gstrein
"Ich will mir vorstellen, ich bin bei einem Weltcup. Nicht, dass das mein letztes Rennen bei Olympischen Spielen ist." Sie habe sich bei Silbermedaillengewinner Fabio Gstrein etwas abschauen können. "So souverän Laufbestzeit runterzulegen – Hut ab!"
Noch mehr freute sie die Goldmedaille ihrer besten Freundin Katharina Huber und Ariane Rädler. Sie habe "einen Ruck durch die Mannschaft" gehen lassen. "Ich habe gefeiert, als ob ich selbst Gold gewonnen hätte", scherzt sie.
Außenseiterchancen
Huber selbst hat "mittlerweile mehr realisiert", dass sie Olympiasiegerin ist. "Mein Freund und mein Bruder erinnern mich auch immer wieder dran", sagt Huber. Der Erfolg von vergangener Woche gebe ihr aber Auftrieb. "Es ist schön, schwarz auf weiß zu haben, dass ich eine gute Skifahrerin bin." Truppe stimmt zu: "Es zeigt, dass man dranbleiben muss." Und dass auch die, die nicht zu den Topfavoriten zählen, bei Olympischen Spielen auch einmal zuschlagen können.
"Es war ein wunderschöner Tag", schwärmt Truppe. Und die Wut über ihren eigenen Lauf hätte sie nie an ihren Teamkolleginnen ausgelassen. "Das musste ich mit mir selber ausmachen."
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